Leiser Optimismus: GesprĂ€che ĂŒber Trump-Plan gehen weiter
07.10.2025 - 04:35:21Zwei Jahre nach dem Massaker islamistischer Terroristen in Israel wĂ€chst die Hoffnung auf eine Waffenruhe im Gazastreifen. Nach Beginn der GesprĂ€che im Ă€gyptischen Scharm el Scheich zeigte sich US-PrĂ€sident Donald Trump zuversichtlich, dass sein Friedensplan bald umgesetzt werden könne. «Wir haben enorme Fortschritte gemacht», sagte der Republikaner in Washington. Arabische Medien berichteten, die erste Runde der GesprĂ€che sei in der Nacht zu Dienstag in «positiver AtmosphĂ€re» zu Ende gegangen.Â
Heute sollen die GesprĂ€che, die noch mehrere Tage dauern könnten, fortgesetzt werden. Details ĂŒber Inhalte wurden zunĂ€chst nicht bekannt.Â
Derweil setzte Israel arabischen Berichten zufolge seine Angriffe im Gazastreifen ungeachtet der GesprĂ€che auch am Montag fort. Mindestens zehn PalĂ€stinenser seien dabei getötet worden, berichtete der Sender Al Dschasira. Nach der Teilzustimmung der islamistischen Hamas zu seinem Plan hatte Trump Israel am Freitag aufgefordert, sofort die Bombardierung des Gazastreifens einzustellen, damit die von der Hamas in dem KĂŒstengebiet festgehaltenen Geiseln sicher und schnell befreit werden könnten.Â
Freilassung der Geiseln im Fokus
Am Montag hatte sich eine Hamas-Delegation mit Vermittlern aus Katar und Ăgypten getroffen. Auch GesprĂ€che unter Beteiligung der USA mit Vertretern Israels waren geplant. Dabei sollte es zunĂ€chst um die Freilassung der verbliebenen 48 Geiseln im Gegenzug fĂŒr eine Waffenruhe im Gaza-Krieg und die Entlassung Hunderter palĂ€stinensischer HĂ€ftlinge gehen. Nach israelischen Informationen sind von den 48 Geiseln nur noch 20 am Leben.Â
Der britische Sender BBC berichtete unter Berufung auf palĂ€stinensische und Ă€gyptische Beamte, dass sich die GesprĂ€che auf die «Schaffung der Voraussetzungen» fĂŒr einen möglichen Austausch konzentrierten, bei dem alle israelischen Geiseln im Gegenzug fĂŒr eine Reihe palĂ€stinensischer Gefangener freigelassen wĂŒrden.
Ăhnlich berichtete der staatsnahe Ă€gyptische Fernsehsender Al-Kahira News: Die Delegationen diskutierten «die Vorbereitung der Rahmenbedingungen fĂŒr die Freilassung von HĂ€ftlingen und Gefangenen» im Einklang mit dem US-Plan. Ăgyptische und katarische Vermittler arbeiteten demnach mit beiden Seiten zusammen, um einen Mechanismus fĂŒr den Austausch zu schaffen. Weiter hieĂ es, es herrsche eine Stimmung der «kompletten Geheimhaltung» zu den Details der Verhandlungen.Â
Weitere Fragen, darunter die Entwaffnung der Hamas und ein israelischer TruppenrĂŒckzug aus dem KĂŒstenstreifen, sind noch umstritten. Israel hatte bereits Zustimmung zu dem Plan signalisiert, die Hamas stimmte in Teilen zu.Â
Trump: «Alle wollen, dass es passiert»
Trump begrĂŒndete seinen Optimismus auf eine bevorstehende Einigung damit, dass alle diesen Deal abschlieĂen wollten. Es gebe kein Land, das sich dagegen stelle. «Alle wollen, dass es passiert - sogar, denke ich, die Hamas», sagte Trump. Er habe mit dem tĂŒrkischen PrĂ€sidenten Recep Tayyip Erdogan gesprochen, der sich stark fĂŒr eine Einigung einsetze und bei der Hamas ebenso hohes Ansehen genieĂe wie Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien, fĂŒhrte Trump aus. Auch aus dem Iran habe es ein «sehr starkes Signal» gegeben.Â
Trump drĂŒckt bei den Verhandlungen seit einigen Tagen aufs Tempo. Auch Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu betonte, sein Land und die USA seien entschlossen, die Verhandlungen auf wenige Tage zu beschrĂ€nken.
Wadephul in Ăgypten
Auch AuĂenminister Johann Wadephul geht von zĂŒgigen Verhandlungen aus. «Diese erste Phase mĂŒssen wir jetzt in dieser Woche, spĂ€testens Anfang der nĂ€chsten Woche schaffen», verlangte Wadephul am Montag in Tel Aviv nach einem Treffen mit seinem Kollegen Gideon Saar. «Das ist machbar und das muss unser Ziel sein.» Er bot Israel und PalĂ€stinensern umfangreiche deutsche UnterstĂŒtzung bei der Umsetzung des Gaza-Friedensplans an.
Heute setzt Wadephul seine Vermittlungsreise vor dem Hintergrund der GesprĂ€che ĂŒber den Friedensplan in Ăgypten fort. In der Hauptstadt Kairo will der CDU-Politiker GesprĂ€che mit AuĂenminister Badr Abdel-Atti ĂŒber die aktuelle Verhandlungssituation fĂŒhren. Wadephul hatte seine ursprĂŒnglich auf die Golf-Emirate Katar und Kuwait beschrĂ€nkte Nahostreise zunĂ€chst um einen Aufenthalt in Israel am Montag ergĂ€nzt.Â
UN wollen humanitÀre Hilfe aufstocken
Die Vereinten Nationen teilten mit, sie seien bereit, die humanitĂ€re Hilfe fĂŒr die Menschen im abgesperrten KĂŒstenstreifen so schnell wie möglich aufzustocken. Man stehe mit den Vermittlern in Ăgypten in Kontakt. Sobald man grĂŒnes Licht bekomme, könnten Tausende Tonnen HilfsgĂŒter ĂŒber den israelischen Hafen Aschdod, Jordanien und andere Orte geliefert werden.Â
Guterres und Starmer begrĂŒĂen Trumps Plan
Zum zweiten Jahrestag des Massakers islamistischer Terroristen lobte auch UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres Trumps Plan. Der jĂŒngste Vorschlag des US-PrĂ€sidenten biete eine Chance, die genutzt werden mĂŒsse, um diesen Konflikt zu beenden. «Nach zwei Jahren Trauma mĂŒssen wir uns fĂŒr die Hoffnung entscheiden. Jetzt.» Er rief die Konfliktparteien auf, den Gaza-Krieg zu beenden. «Beendet jetzt die Feindseligkeiten in Gaza, Israel und der Region», forderte er in New York.Â
Der britische Premier Keir Starmer sagte, sein Land begrĂŒĂe die US-Initiative fĂŒr Frieden im Nahen Osten. Die PrioritĂ€t in der Region bleibe unverĂ€ndert â «die Freilassung der Geiseln. VerstĂ€rkte Hilfe fĂŒr Gaza. Und eine Waffenruhe, die zu einem dauerhaften und gerechten Frieden als Schritt hin zu einer Zweistaatenlösung fĂŒhren kann. Ein sicheres Israel neben einem lebensfĂ€higen palĂ€stinensischen Staat.»Â
Bundeskanzler Friedrich Merz forderte in einer Videobotschaft erneut, alle Geiseln mĂŒssten sofort freigelassen werden. «Wir setzen groĂe Hoffnung in den Friedensprozess.»
Gedenken an Ăberfall auf Israel vor zwei Jahren
In Deutschland wird heute mit Trauerbeflaggung, Mahnwachen und Ausstellungen der Opfer des Ăberfalls auf Israel vor zwei Jahren gedacht. In Leipzig trifft sich BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier mit JĂŒdinnen und Juden.
In Israel selbst finden staatliche Zeremonien - in Einklang mit dem hebrĂ€ischen Kalender - erst am 16. Oktober statt. FĂŒr Ăberlebende des Massakers und Angehörige der Opfer gibt es am spĂ€ten Dienstagabend aber zumindest eine Gedenkzeremonie in Tel Aviv.
Am 7. Oktober 2023 hatten Terroristen der radikalislamischen Hamas gemeinsam mit anderen Islamisten das schlimmste Massaker in Israels Geschichte angerichtet. Etwa 1.200 Menschen wurden damals getötet, mehr als 250 in den Gazastreifen verschleppt. Allein auf dem Nova-Festival bei Reim im SĂŒden des Landes starben mehr als 400 Besucher.Â
Israel reagierte darauf mit einer MilitÀroffensive. Seit Kriegsbeginn wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 67.000 PalÀstinenser im Gazastreifen getötet.















