Steinmeier, Erdogan

Steinmeier und Erdogan bleiben in Nahost-Frage uneins

24.04.2024 - 20:53:09 | dpa.de

Die Beziehungen zwischen Deutschland und der TĂŒrkei köcheln auf Sparflamme. Doch die PrĂ€sidenten Steinmeier und Erdogan haben sich in Ankara viel zu sagen. Differenzen bleiben aber.

  • Handschlag in Ankara: BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier (l) und der tĂŒrkische PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan. - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
    Handschlag in Ankara: BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier (l) und der tĂŒrkische PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan. - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
  • BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier (r) wird von dem tĂŒrkischen PrĂ€sidenten Recep Tayyip Erdogan am PrĂ€sidialpalast mit militĂ€rischen Ehren begrĂŒĂŸt. - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
    BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier (r) wird von dem tĂŒrkischen PrĂ€sidenten Recep Tayyip Erdogan am PrĂ€sidialpalast mit militĂ€rischen Ehren begrĂŒĂŸt. - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
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Deutschland und die TĂŒrkei wollen nach dem Willen ihrer PrĂ€sidenten die lĂ€dierten Beziehungen wieder verbessern - in wichtigen Fragen wie dem Nahost-Krieg bleiben die Differenzen aber bestehen. Das wurde am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz von BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier und dem tĂŒrkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan in Ankara deutlich.

«Wir brauchen einander», betonte Steinmeier. Das gelte etwa fĂŒr die Nato und die Gruppe der G20-Staaten. «Deshalb sollten wir den deutsch-tĂŒrkischen Beziehungen wieder neue Wichtigkeit verleihen.» Erdogan sprach sich unter anderem dafĂŒr aus, das Handelsvolumen auszuweiten. 

Krieg in Gaza bleibt Streitthema

Beide PrĂ€sidenten rĂ€umten ein, dass es in der Bewertung des Nahost-Krieges weiterhin Differenzen gebe. Erdogan warf dem Westen vor, die Augen vor dem Leid der Zivilbevölkerung im Gazastreifen zu verschließen. Gaza sei dem Erdboden gleichgemacht worden - «unsere deutschen Freunde mĂŒssen diese tragische Situation sehen», sagte er und kritisierte, dass der gesamte Westen an der Seite Israels stehe. 

Der tĂŒrkische PrĂ€sident ĂŒbte zum wiederholten Male scharfe Kritik an Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und warf diesem erneut vor, den gesamten Nahen Osten zu gefĂ€hrden, um sein eigenes politisches Überleben zu sichern. Er betonte aber auch, dass sich die TĂŒrkei um die Freilassung der aus Israel verschleppten Geiseln bemĂŒhe. 

Steinmeier machte klar, dass er die terroristische Hamas mit ihrem Überfall auf Israel am 7. Oktober vergangenen Jahres als Verursacher des neuen Krieges sehe. «Nach meiner Überzeugung: Ohne den 7. Oktober gĂ€be es den Krieg im Nahen Osten nicht.»

Steinmeier betonte aber ausdrĂŒcklich auch die gemeinsamen Positionen. «Wir wollen und mĂŒssen die humanitĂ€re Lage in Gaza verbessern. Wir wollen und mĂŒssen die Ausweitung des Krieges zum FlĂ€chenbrand in der Region verhindern. Auch dabei kommt der TĂŒrkei eine ganz wichtige Rolle zu.» Man stimme auch darin ĂŒberein, dass es ohne eine Perspektive fĂŒr die PalĂ€stinenser mittel- und langfristig keinen Frieden und keine dauerhafte Sicherheit fĂŒr Israel geben werde.  «Auch das eint uns: Am Ende kann diese politische Perspektive nur in der Zwei-Staaten-Lösung liegen.»

GesprÀch erheblich lÀnger als geplant

Erdogan hatte seinen Gast aus Deutschland am frĂŒhen Nachmittag mit militĂ€rischen Ehren einschließlich SalutschĂŒssen begrĂŒĂŸt. Das sich anschließende GesprĂ€ch unter vier Augen dauerte erheblich lĂ€nger als geplant. Eigentlich waren dafĂŒr 30 Minuten vorgesehen gewesen - am Ende sprachen beide PrĂ€sidenten eine Stunde und 45 Minuten miteinander.

Steinmeier war am Montag zum ersten offiziellen Besuch eines BundesprĂ€sidenten seit zehn Jahren in der TĂŒrkei eingetroffen. Offizieller Anlass der Reise war die Aufnahme diplomatischer Beziehungen vor 100 Jahren.

Die Beziehungen hatten in den vergangenen Jahren durch den repressiven Kurs Erdogans in der TĂŒrkei erheblich gelitten. So war es beispielsweise im September 2018 bei einem Staatsbesuch des tĂŒrkischen PrĂ€sidenten in Deutschland wĂ€hrend des Staatsbanketts zu einem Eklat gekommen. Erdogan wies damals deutsche VorwĂŒrfe wegen der Menschenrechtslage in der TĂŒrkei in scharfer Form zurĂŒck. Auch bei einem Besuch Erdogans im November vergangenen Jahres in Berlin war die AtmosphĂ€re eher frostig. 

Erdogan besorgt ĂŒber Rassismus in Deutschland

Erdogan zeigte sich jetzt besorgt ĂŒber den zunehmenden Rassismus in Deutschland. «Unsere Bedenken hinsichtlich aufstrebender fremdenfeindlicher, islamfeindlicher, rechtsextremer und rassistischer Organisationen in Deutschland zusammen mit Europa nehmen stetig zu.» Er sagte zudem, er sei «stolz» auf Millionen TĂŒrkeistĂ€mmige in Deutschland, die dort wichtige Rollen in Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur ĂŒbernĂ€hmen. 

Erdogan forderte zudem, BeschrĂ€nkungen fĂŒr RĂŒstungsexporte in die TĂŒrkei vollstĂ€ndig aufzuheben. Zudem sollte es mehr RĂŒstungszusammenarbeit geben. 

Steinmeier spricht indirekt Menschenrechtsfrage an

Steinmeier sprach die demokratischen VerhĂ€ltnisse in der TĂŒrkei nur indirekt an, indem er dem Land «eine dynamische, eine demokratische und natĂŒrlich eine europĂ€ische orientierte Entwicklung» wĂŒnschte. Er betonte zudem, dass Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit wichtige Voraussetzungen fĂŒr Investitionen deutscher Unternehmen in der TĂŒrkei seien. Ähnlich sehe es bei der Zusammenarbeit zwischen der TĂŒrkei und der EuropĂ€ischen Union aus. «Auch hier sind Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Pressefreiheit wichtige Voraussetzungen.»  

GesprÀche auch mit wichtigen Oppositionspolitikern

Steinmeier machte mit seinem Programm auch deutlich, dass Berlin schon eine mögliche Nach-Erdogan-Zeit in den Blick nimmt. So traf er sich in Istanbul und Ankara mit den dortigen erfolgreichen OberbĂŒrgermeistern Ekrem Imamoglu und Mansur Yavas. Beide gehören der Oppositionspartei CHP an, die bei den Kommunalwahlen Ende MĂ€rz erfolgreich war. Mit dem CHP-Vorsitzenden ÖzgĂŒr Özel wollte Steinmeier vor seinem RĂŒckflug ebenfalls noch sprechen.

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