Baerbock fordert mehr Schutz vor Gewalt israelischer Siedler
08.01.2024 - 11:41:33AuĂenministerin Annalena Baerbock hat von der israelischen Regierung verlangt, die PalĂ€stinenser im Westjordanland besser vor Ăbergriffen israelischer Siedler zu schĂŒtzen und Gewalttaten zu ahnden. «Es ist die Verantwortung der israelischen Regierung, bei Angriffen auf Menschen, die hier legitim wohnen und illegal angegriffen werden, den Rechtsstaat umzusetzen und durchzusetzen», sagte die GrĂŒnen-Politikerin beim Besuch einer palĂ€stinensischen Gemeinde im Westjordanland. Es sei die Verantwortung der israelischen Armee, die PalĂ€stinenserinnen und PalĂ€stinenser vor gewalttĂ€tigen Siedlern zu schĂŒtzen.
Die AuĂenministerin lieĂ sich die Situation der Menschen in der palĂ€stinensischen Ortschaft Al-Masraa al-Kiblija nordwestlich von Ramallah schildern. Der Ort mit gut 5000 Einwohnern ist von mehreren israelischen Siedlungen umgeben.
PalÀstinensischer Landwirt schildert Siedlergewalt
Ein betroffener Landwirt schilderte unter anderem, er könne seine GemĂŒse- und Obstfelder nicht mehr bestellen, weil die Siedler StraĂen gesperrt und ihn und seine Familie angegriffen hĂ€tten. Man habe ihm auf den Kopf geschlagen und er sei mit Pfefferspray besprĂŒht worden. Auch seine Töchter seien attackiert worden, schilderte der 70 Jahre alte pensionierte Lehrer. Die Israelis hĂ€tten versucht, HĂ€user in Brand zu setzen und ihn aus seinem Haus vertrieben, das in einem Tal zwischen der palĂ€stinensischen Ortschaft und der Siedlung liege. Die Siedlergewalt habe nach der Terrorattacke der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober noch einmal zugenommen.
Drohne beobachtet Baerbock-Besuch
WĂ€hrend des Besuches wurden Baerbock und ihre Delegation von einer offensichtlich von israelischen Siedlern gestarteten Drohne beobachtet. Die Vorsitzende einer Schutzvereinigung fĂŒr das Westjordanland, Allegra Pacheco, sagte, seit dem 7. Oktober seien rund 1200 PalĂ€stinenser im Westjordanland von ihrem Land vertrieben worden. Ein kĂŒnftiger Waffenstillstand fĂŒr den Gazastreifen mĂŒsse auch das Westjordanland umfassen.
Baerbock: Siedlungsbau untergrÀbt dauerhaften Frieden
Was um die Ortschaft im Westjordanland passiere, sei «illegal, unter israelischem Recht und illegal unter internationalem Recht», sagte Baerbock. Der Anstieg an Gewalt im Westjordanland seit dem 7. Oktober «zeigt auch: StabilitĂ€t in Gaza und im Westjordanland sind eng miteinander verknĂŒpft.»
Die Ministerin unterstrich die Forderung nach einer Zweistaatenlösung zwischen Israel und den PalÀstinensern. «Der Siedlungsbau ist illegal. Er untergrÀbt den dauerhaften Frieden und gefÀhrdet die Zweistaatenlösung und gefÀhrdet damit auch die Sicherheit Israels», betonte sie. Mit Zweistaatenlösung ist gemeint, dass Israel und ein unabhÀngiger, demokratischer PalÀstinenserstaat friedlich nebeneinander leben.
Treffen mit AuĂenminister Al-Malika
In Ramallah traf Baerbock den palĂ€stinensischen AuĂenminister Riad al-Maliki. Im Sechs-Tage-Krieg hatte Israel 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben Hunderttausende Siedler inmitten von rund drei Millionen PalĂ€stinensern. Die PalĂ€stinenser fordern die Gebiete fĂŒr einen eigenen Staat.
In Tel Aviv Leid der Menschen in Israel im Zentrum
Am Nachmittag stand in der KĂŒstenmetropole Tel Aviv das Leid der Menschen in Israel im Mittelpunkt. Baerbock lieĂ sich von Binnenvertriebenen aus dem Norden ĂŒber deren Schicksal informieren. Im sich zuspitzenden Konflikt mit der vom Iran unterstĂŒtzten Schiitenmiliz Hisbollah aus dem Libanon mussten sie ihre Heimat verlassen. Seit Mitte Oktober sind sie in einem Hotel untergebracht. SpĂ€ter besuchte die Ministerin den «Platz der Geiseln», auf dem an das Schicksal der von der Hamas verschleppten Geiseln erinnert wird.
Erneut Raketenalarm in VorstÀdten von Tel Aviv
Parallel zum Baerbock-Besuch gab es in sĂŒdlichen VorstĂ€dten von Tel Aviv und weiter östlich im Zentrum des Landes erneut Raketenalarm. Auch in Tel Aviv waren dumpfe Explosionen in der Ferne zu hören, Fensterscheiben klirrten. Angaben zu SchĂ€den oder Opfern gab es zunĂ€chst nicht. Die Explosionen rĂŒhrten vermutlich von Israels Raketenabwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) her, das anfliegende feindliche Raketen noch in der Luft zerstört. Nach Angaben aus Delegationskreisen musste Baerbock keinen Schutzraum aufsuchen.
Militante PalĂ€stinenser aus dem Gazastreifen hatten zuletzt in der Neujahrsnacht Raketen Richtung Tel Aviv abgefeuert. Laut MilitĂ€rangaben sind seit Beginn des Gaza-Krieges mehr als 13 000 Raketen von dem KĂŒstenstreifen aus auf Israel abgefeuert worden. Rund ein FĂŒnftel davon schlug noch im Gazastreifen selbst ein.
Treffen mit AuĂenminister Galant
Die AuĂenministerin traf sich am Abend mit Verteidigungsminister Joav Galant. Dabei dĂŒrfte es auch um die Eskalation im Konflikt zwischen Israel und der vom Iran unterstĂŒtzten Hisbollah gehen. Israel reagiert mit Angriffen auf Stellungen der Hisbollah. Am Abend wollte Baerbock nach Ăgypten weiterreisen. Dort ist am Dienstag unter anderem ein Treffen mit AuĂenminister Samih Schukri vorgesehen.
Auslöser des Gaza-Kriegs war der Ăberfall der islamistischen Hamas und anderer palĂ€stinensischer Terrorgruppen auf Grenzorte in Israel am 7. Oktober. Dabei wurden nach israelischen Angaben rund 1200 Menschen getötet und rund 240 Menschen in den Gazastreifen entfĂŒhrt. Die Zahl der getöteten PalĂ€stinenser ist nach jĂŒngsten Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde inzwischen auf mehr als 23.000 gestiegen, fast 59.000 Menschen wurden demnach verletzt.





