Polen will ĂŒber Wiedergutmachung fĂŒr KriegsschĂ€den reden
12.02.2024 - 20:57:30Polens neue Regierung will mit Deutschland GesprĂ€che ĂŒber den Umgang mit einer Wiedergutmachung fĂŒr die im Zweiten Weltkrieg erlittenen SchĂ€den aufnehmen. Â
Im formalen und rechtlichen Sinne sei die Frage der Reparationen zwar seit vielen Jahren abgeschlossen, sagte Regierungschef Donald Tusk am Montag in Berlin nach seinem Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).  «Die Frage einer moralischen, finanziellen und materiellen Wiedergutmachung wurde nie umgesetzt.»
Tusk betonte, im Gegensatz zu seinen VorgĂ€ngern von der nationalkonservativen PiS-Regierung wolle er gemeinsam mit Bundeskanzler Scholz «nach Formen der Zusammenarbeit suchen, die unseren Beziehungen in Zukunft nicht zum VerhĂ€ngnis werden». Es gehe nicht darum, eine Front von gegenseitigen Ressentiments aufzubauen. Vielmehr sei dies eine Idee fĂŒr eine weitere Zusammenarbeit, die der Sicherheit diene und fĂŒr beide Nationen von Vorteil sein könnte.
Alte Regierung verlangte mehr als 1,3 Billionen Euro
Die mittlerweile abgewĂ€hlte nationalkonservative PiS-Regierung, die von 2015 bis Mitte Dezember 2023 amtierte, hatte im Oktober 2022 mehr als 1,3 Billionen Euro von der Bundesregierung als EntschĂ€digung fĂŒr die WeltkriegsschĂ€den gefordert.Â
Die PiS-Regierung hatte seinerzeit argumentiert, dass nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs westliche LĂ€nder wie Frankreich und die Niederlande besser behandelt worden seien als Polen. Im Potsdamer Abkommen von 1945 hatten sich die vier SiegermĂ€chte geeinigt, dass die Sowjetunion aus der sowjetischen Besatzungszone im Osten Deutschlands entschĂ€digt wird und Polen einen Anteil zukommen lĂ€sst. Bis 1953 wurden nach SchĂ€tzungen etwa 3000 Betriebe demontiert und zusĂ€tzlich GĂŒter aus laufender Produktion abtransportiert. Warschau verweist aber darauf, dass Polen seinen Anteil durch Kohlelieferungen an die Sowjetunion habe ausgleichen mĂŒssen.
Die Bundesregierung wiederum hĂ€lt die Reparationsfrage fĂŒr abgeschlossen und beruft sich auf den Zwei-plus-Vier-Vertrag ĂŒber die auĂenpolitischen Folgen der deutschen Einheit, an dem Polen allerdings nicht beteiligt war.


