Baerbock: Menschen in Rafah in Sicherheit bringen
15.02.2024 - 18:54:13AuĂenministerin Annalena Baerbock hat wĂ€hrend ihres Besuchs in Israel gefordert, dass vor Angriffen auf Rafah im SĂŒden des Gazastreifens Schutzkorridore fĂŒr die Zivilbevölkerung in den Norden eingerichtet werden. Ihr sei es wichtig, dass die internationale Gemeinschaft alles dafĂŒr tue, dass die eine Million Menschen in der Stadt in Sicherheit gebracht werden, sagte die GrĂŒnen-Politikerin.
Baerbock forderte auch die LĂ€nder der Region auf, Druck auf die Islamistenorganisation Hamas auszuĂŒben, damit diese sich ergebe und die Geiseln freilasse. Auslöser des Gaza-Krieges war der Terrorangriff der Hamas und anderer extremistischer PalĂ€stinenserorganisationen am 7. Oktober auf Israel. Sie töteten dabei 1200 Menschen und verschleppten etwa 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen.
Israelische Soldaten dringen in Gaza-Klinik ein
Israels Armee begann nach eigenen Angaben am Donnerstag einen Einsatz in einer Klinik in Chan Junis im SĂŒden des Gazastreifens. Soldaten drangen in das Nasser-Krankenhaus ein, um Leichen von Geiseln zu bergen, wie das MilitĂ€r mitteilte. Es seien Dutzende TatverdĂ€chtige festgenommen worden, sagte der israelische MilitĂ€rsprecher Daniel Hagari am Donnerstagabend. Einige seien am Massaker in Israel beteiligt gewesen. Aus Verhören mit den VerdĂ€chtigen sowie dank Aussagen der freigelassenen Geiseln könne die Armee bestĂ€tigen, dass aus Israel entfĂŒhrte Menschen auf dem GelĂ€nde der Klinik festgehalten wurden. Es lĂ€gen zudem Information vor, dass sich dort auch Leichen von Geiseln befinden.
Die Hamas nutze Kliniken als TerrorstĂŒtzpunkte, Mitglieder der Islamistenorganisation versteckten sich dort inmitten von 400 Patienten und Tausenden Schutzsuchenden, so Hagari weiter. «Wir betreten KrankenhĂ€user nicht ohne Grund.» Spezialeinheiten durchsuchten derzeit die Klinik. Zuvor hatte Hagari von einem «prĂ€zisen und begrenzten Einsatz» gesprochen. Die Angaben lassen sich allesamt bisher nicht ĂŒberprĂŒfen.
Das MenschenrechtsbĂŒro der Vereinten Nationen erhob nach dem Einsatz VorwĂŒrfe gegen Israel. «Die Operation scheint Teil eines Musters zu sein: Israelische StreitkrĂ€fte greifen lebenswichtige zivile Infrastruktur an, insbesondere KrankenhĂ€user», sagte UN-Menschenrechtssprecherin Ravina Shamdasani in Genf. Selbst wenn Israel argumentiere, eine Klinik sei vom Feind genutzt worden, mĂŒsse das MilitĂ€r laut internationalem Recht vorsichtig und verhĂ€ltnismĂ€Ăig vorgehen.
Israels Armeesprecher Hagari betonte, das MilitÀr sei bei allen EinsÀtzen in KrankenhÀusern im Gazastreifen im Einklang mit dem Völkerrecht vorgegangen und werde dies auch weiterhin tun. «Wir haben nicht die Absicht, den Betrieb des Krankenhauses zu stören.»
Baerbock fĂŒr Ausweitung der Hilfslieferungen
Baerbock bezeichnete die Hamas als «GrundĂŒbel» der gegenwĂ€rtigen Situation. Hamas-Mitglieder hĂ€tten am 7. Oktober in Israel Frauen vergewaltigt und «kleine Kinder auf brutalste Art ermordet». Die Terroristen hĂ€tten zudem auch viel Leid ĂŒber Kinder und Familien im Gazastreifen gebracht. 17.000 Kinder seien derzeit ohne Eltern in dem PalĂ€stinensergebiet. Das Leid mĂŒsse beendet werden, so die AuĂenministerin. «Das ist unsere menschliche Aufgabe.»
Baerbock sprach sich auch fĂŒr deutlich mehr Hilfslieferungen in das PalĂ€stinensergebiet aus - konkret 500 Lastwagen am Tag. So viel Lkw mit humanitĂ€ren GĂŒtern fuhren vor Kriegsbeginn tĂ€glich in das Gebiet. Sie forderte dafĂŒr auch fĂŒr die Ăffnung weiterer GrenzĂŒbergĂ€nge.
Die GrĂŒnen-Politikerin traf auch den israelischen StaatsprĂ€sidenten Izchak Herzog, den Minister im israelischen Kriegskabinett Benny Gantz sowie Angehörige der im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln.
Verhandlungen ĂŒber Feuerpause und Geisel-Deal ohne Israel
Derzeit befinden sich noch 134 Menschen in der Gewalt der Hamas, von denen aber nach israelischer SchĂ€tzung mindestens 30 nicht mehr am Leben sein dĂŒrften. Bei Verhandlungen in Kairo ĂŒber eine Freilassung weiterer Geiseln im Gegenzug fĂŒr eine Feuerpause im Gaza-Krieg sowie die Entlassung palĂ€stinensischer HĂ€ftlinge aus israelischen GefĂ€ngnissen hat es bislang keinen Durchbruch gegeben.
Israel verlangt vor weiteren Verhandlungen, dass die Hamas einlenkt. Sein Land werde den «wahnhaften Forderungen» der islamistischen Organisation nicht nachgeben, sagte MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu. Laut israelischen Medien weigert er sich, eine Delegation zurĂŒck nach Kairo zu schicken, wo die GesprĂ€che der internationalen Vermittler weitergehen sollten. Angehörige reagierten fassungslos und sprachen von einem «Todesurteil» fĂŒr die Geiseln.
Neuer israelischer Angriff im Libanon
Die Lage im Norden Israels an der Grenze zum Libanon spitzt sich weiter zu. Nachdem am Mittwoch eine 20 Jahre alte Soldatin bei einem Raketeneinschlag in einer MilitÀrbasis in Safed im Norden des Landes getötet worden war, griff Israel Armee in der Nacht zu Donnerstag Ziele im Libanon an. Bei einem Angriff auf ein GebÀude in NabatÀa kamen zehn Menschen ums Leben. Darunter sollen nach Angaben des örtlichen Krankenhauses sieben Zivilisten sein. Das israelische MilitÀr erklÀrte, einen hochrangigen Kommandeur der Eliteeinheit der Hisbollah, seinen Stellvertreter sowie ein weiteres Mitglied der Schiitenmiliz getötet zu haben.


