Ukrainer und Russen setzen GesprĂ€che ĂŒber Kriegsende fort
24.01.2026 - 05:49:46Die direkten Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien ĂŒber ein Ende des russischen Feldzugs gegen die Ukraine sind nach monatelanger Pause wieder angelaufen. Nach dem Auftakt der GesprĂ€che am Vorabend in Abu Dhabi werden heute ranghohe MilitĂ€rvertreter beider Seiten unter Vermittlung der USA aufeinandertreffen. Ziel des diplomatischen Ringens in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate sei ein wĂŒrdiger und dauerhafter Frieden, teilte der ukrainische VerhandlungsfĂŒhrer Rustem Umjerow nach der ersten Runde mit. Kurz darauf nahmen die russischen Angreifer in der Nacht wieder ukrainische GroĂstĂ€dte schwer unter Beschuss.
Bei den GesprĂ€chen auf der Arabischen Halbinsel werden heute nach ukrainischen Angaben auch Generalstabschef Andrij Hnatow und der stellvertretende Chef des MilitĂ€rgeheimdienstes, Generalleutnant Wadym Skibizkyj, dazustoĂen. Die russische Verhandlungsdelegation wird angefĂŒhrt vom Chef des MilitĂ€rgeheimdienstes, Igor Kostjukow. Von US-Seite ist unter anderem der fĂŒrs Heer zustĂ€ndige StaatssekretĂ€r Daniel Driscoll dabei.Â
«Wir sind bereit, je nach Verlauf des Dialogs in verschiedenen Formaten zu arbeiten», sagte Umjerow. Die Erfolgsaussichten der GesprĂ€che sind unklar. Konkrete Ergebnisse drangen bislang nicht nach auĂen. Russische Staatsmedien berichteten von Verhandlungen unter kompletter Abschottung von der Ăffentlichkeit.Â
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hatte zwar erklĂ€rt, dass es solche trilateralen Treffen schon lange nicht mehr gegeben habe. Allerdings sei es noch zu frĂŒh, um Schlussfolgerungen zu dem Treffen in Abu Dhabi zu ziehen, sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft. Vor allem mĂŒsse Russland den Krieg, den Kremlchef Wladimir Putin im Februar 2022 begann, nun auch beenden, forderte er.
Russische Luftangriffe auf Kiew und Charkiw
Ungeachtet seiner Worte gab es in der Nacht eine weitere Welle von Luftangriffen auf ukrainische StĂ€dte. In der Hauptstadt Kiew schlugen Behördenvertretern zufolge in mehreren Stadtteilen Drohnen und Raketen ein, wie das Nachrichtenportal «The Kyiv Independent» berichtete - die Rede war von einem Todesopfer und vier Verletzten. Auch aus der GroĂstadt Charkiw nahe der Grenze zu Russland wurden schwere Luftangriffe gemeldet. Der Nachrichtenagentur RBK Ukraine zufolge sollen dort mindestens 14 Menschen verletzt worden sein. Mehrere KrankenhĂ€user und WohngebĂ€ude seien beschĂ€digt, manche Opfer unter GebĂ€udetrĂŒmmern eingeschlossen worden.
Gebietsfrage bleibt Hauptproblem bei Verhandlungen
Bei den FriedensgesprĂ€chen in Abu Dhabi, die ohne die Staatschefs und AuĂenminister der beteiligten LĂ€nder gefĂŒhrt werden, geht es im Kern darum, ob Selenskyjs Regierung sich auf die russischen Bedingungen fĂŒr einen Waffenstillstand einlĂ€sst und die ukrainischen Truppen aus dem bislang von ihnen kontrollierten Teil der östlichen Industrieregion Donbass abziehen. Die ukrainische Seite lehnt das bisher ab. Auch in der Bevölkerung gibt es dafĂŒr laut Umfragen keine Mehrheit.Â
Der Kreml hatte dies aber vor Beginn der GesprĂ€che erneut als Grundvoraussetzung fĂŒr einen Waffenstillstand genannt. Zudem droht Russland, das sich auf dem Schlachtfeld im Vorteil sieht, mit einer Fortsetzung des Krieges, falls die gegnerischen Truppen sich nicht zurĂŒckziehen sollten.
Moskau erhebt unter anderem Anspruch auf das gesamte Gebiet Donezk, das es bislang erst zu knapp 80 Prozent kontrolliert. Kiew lehnt einen freiwilligen Abzug ab. Donezk und das benachbarte Gebiet Luhansk, das russische Truppen fast vollstÀndig kontrollieren, werden zusammen als Donbass bezeichnet.
Diskutiert wurden in den vergangenen Monaten immer wieder auch Kompromissmöglichkeiten, nach denen Russland etwa die eroberten Teile der ukrainischen Gebiete Charkiw, Sumy und Dnipropetrowsk aufgeben könnte, um dafĂŒr im Gegenzug den kompletten Donbass zu erhalten. Diese Gebiete haben die Invasoren bisher nicht annektiert.
Ukraine will Sicherheitsgarantien und Wiederaufbau
FĂŒr die Ukraine geht es bei den Verhandlungen besonders auch um Sicherheitsgarantien, die regeln sollen, wie das Land nach einem möglichen Friedensabkommen vor kĂŒnftigen russischen Angriffen geschĂŒtzt werden kann. Hier sieht Selenskyj vor allem die USA am Zug. Ăber die Garantien hatte er diese Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos auch mit US-PrĂ€sident Donald Trump gesprochen, der den Krieg möglichst bald beendet sehen will.
Der ukrainischen Delegation gehören neben Umjerow auch PrĂ€sidialkanzleichef Kyrylo Budanow, der Fraktionsvorsitzende der PrĂ€sidentenpartei im Parlament, David Arachamija, sowie Vize-AuĂenminister Serhij Kyslyzja an. Die Ukrainer wollen auch Zusagen fĂŒr den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes, das besonders durch die tĂ€glichen russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur kaum noch Reserven hat.
Russland will Ende der Sanktionen und Handel mit USAÂ
Auf US-Seite fĂŒhren der Sondergesandte Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner die GesprĂ€che. Nach Kremlangaben will auch Putins Beauftragte Kirill Dmitrijew weiter mit Witkoff verhandeln, um nach einem möglichen Friedensabkommen die von Sanktionen gelĂ€hmten Handelsbeziehungen zwischen Russland und den USA zu intensivieren.
Nach Angaben der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass, die sich auf Verhandlungskreise berief, geht es in Abu Dhabi auch um Pufferzonen bei einem Ende der Kampfhandlungen und darum, wie die Einhaltung einer Waffenruhe ĂŒberwacht werden kann. Der Kreml hatte Sicherheitsfragen als das wichtigste Thema der GesprĂ€che bezeichnet.
Trumps Regierung drÀngt Russland und die Ukraine seit Monaten zu einem Ende des Krieges - bisher ohne erkennbaren Erfolg.


