Ex-WTO-Direktor: Zoll-Einigung von China und USA kein Riesenerfolg
17.05.2025 - 21:18:52"WĂ€hrend manche GĂŒter noch wettbewerbsfĂ€hig sind, werden andere zu teuer im Vergleich zu Produkten aus den USA und anderen LĂ€ndern sein. Der Handel zwischen den LĂ€ndern wird flieĂen, aber er dĂŒrfte abnehmen." Beide LĂ€nder benötigten definitiv ein viel gröĂeres und detaillierteres Abkommen. Ob das in 90 Tagen schon der Fall sein wird, sei Ă€uĂerst fraglich. "Beide Seiten wollen einen Deal, aber je nĂ€her sie dem Ende kommen, desto hĂ€rter werden die Verhandlungen", sagte Azevedo. Die Verhandlungen sieht der brasilianische Ex-Diplomat als EingestĂ€ndnis von US-PrĂ€sident Donald Trump, einen Fehler begangen zu haben. "Was mich optimistisch stimmt, ist, dass die USA offenbar eingesehen haben, dass sie sich dabei verspekuliert haben, mit drakonischen Zöllen die beiden Volkswirtschaften voneinander abzutrennen." Trump und seine Leute hĂ€tten unterschĂ€tzt, wie sehr ihre eigene Industrie und die Konsumenten von Produkten aus China abhĂ€ngig seien. "Wir erleben gerade, dass im WeiĂen Haus so langsam der Groschen fĂ€llt. Das ist kein Wunder, angesichts leerer HĂ€fen und Container." Selbst eine Einigung auf zehn Prozent Zoll auf chinesische Waren hĂ€lt Azevedo noch fĂŒr hoch. "Die US-Seite spricht immer davon, dass dies die absolute Untergrenze sei. Das klingt zunĂ€chst nach wenig, ist es aber nicht. Wenn die Untergrenze bliebe, wĂ€re das immer noch eine signifikante Steigerung." Der Brasilianer sieht nicht, dass eine Einigung im Rahmen der WTO erzielt werden könne. Er glaubt daran, dass sich China, die USA und Europa zusammensetzen mĂŒssten. "Die Champions des Welthandels mĂŒssen sich ĂŒber die GeschĂ€ftsbeziehungen zwischen ihren LĂ€ndern einigen." Aus diesen bilateralen Vereinbarungen könnten allgemeingĂŒltige Regeln erwachsen, die fĂŒr jedes Land akzeptabel wĂ€ren. "Insofern ist es gar nicht schlecht, dass die US-Regierung jetzt gerade mit so vielen LĂ€ndern am Tisch sitzt und einen Deal sucht", sagte Azevedo. Auch wenn das zunĂ€chst paradox wirke: Am Ende könne daraus ein Netzwerk entstehen. "Es gab frĂŒher schon solche GesprĂ€che: die Kennedy-Runde, die Doha-Runde. Jetzt sehen wir gerade die Trump-Runde", so Azevedo.


