Norwegen, Spanien

Norwegen, Spanien und Irland erkennen PalÀstina als Staat an

28.05.2024 - 14:32:25

Die Empörung in Israel hĂ€lt die EU-LĂ€nder Spanien und Irland sowie Norwegen mitten im Gaza-Krieg von der Anerkennung eines Staates PalĂ€stina nicht ab. Der Vollzug gießt Öl ins diplomatische Feuer.

Wenn es nach Spanien, Irland und Norwegen geht, soll die Uhr zur Lösung des Nahostkonflikts gleich um 57 Jahre zurĂŒckgedreht werden. In den drei LĂ€ndern ist die vor einer Woche mitten im Gaza-Krieg angekĂŒndigte Anerkennung eines Staates PalĂ€stina in Kraft getreten. Und zwar auf Grundlage der Grenzen vor dem Sechstagekrieg von 1967.

Der Vollzug der umstrittenen Maßnahme lĂ€sst die Empörung in Israel noch mal hochkochen. Im hitzigen diplomatischen Konflikt ist die linke Regierung in Madrid das Hauptziel der israelischen Verbalattacken.

MinisterprĂ€sident Pedro SĂĄnchez reagierte auf neue VorwĂŒrfe aus Israel bisher nicht. Kurz vor der Billigung der Anerkennung durch seinen Ministerrat in Madrid betonte er, die Anerkennung eines PalĂ€stina-Staates sei gegen niemand gerichtet - «schon gar nicht gegen Israel, ein befreundetes Volk, das wir respektieren, das wir schĂ€tzen und mit dem wir die bestmöglichen Beziehungen haben wollen». Mit der «historischen Entscheidung habe man ein einziges Ziel: Den Israelis und PalĂ€stinensern zum Frieden zu verhelfen».

SĂĄnchez erklĂ€rte aber im Detail, wie man sich den Staat PalĂ€stina vorstellt. Er mĂŒsse «in erster Linie lebensfĂ€hig sein. Das Westjordanland und der Gazastreifen mĂŒssen durch einen Korridor verbunden sein, mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt und vereinigt unter der rechtmĂ€ĂŸigen Regierung der PalĂ€stinensischen Autonomiebehörde». «Im Einklang mit den Resolutionen des UN-Sicherheitsrats und mit der traditionellen Position der EU» mĂŒsse dieser Staat die Grenzen von 1967 vor dem Sechstagekrieg haben.

Dublin: Zweistaatenlösung einziger Weg fĂŒr Frieden und PalĂ€stina

In Irland sprach Regierungschef Simon Harris von einem wichtigen Schritt. «Es geht um die Überzeugung, dass eine Zweistaatenlösung der einzige Weg fĂŒr Israel und PalĂ€stina ist, in Frieden und Sicherheit Seite an Seite zu leben», sagte er dem Sender RTÉ. Die Anerkennung sende ein Signal an die Welt, dass man praktische Schritte unternehmen könne, um die Hoffnung und das Ziel einer Zweistaatenlösung zu erhalten in einer Zeit, in der andere versuchten, sie in die Vergessenheit zu bomben.

Europa könne und mĂŒsse deutlich mehr tun, um Tragödien wie den verheerenden Angriff von Sonntagnacht auf ein Zeltlager mit geflĂŒchteten Zivilisten im Gazastreifen zu verhindern, forderte Harris. Es zeichne sich eine neue verabscheuungswĂŒrdige Entwicklung ab - dass etwas Grauenhaftes passiere und Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu sage, es handle sich um einen tragischen Fehler, kritisierte er.

Norwegens Außenminister Espen Barth Eide sprach von einem «Meilenstein in den Beziehungen zwischen Norwegen und PalĂ€stina». Er sei zuversichtlich, dass die palĂ€stinensische Regierung nach einem Waffenstillstand die Grundlagen fĂŒr eine Regierung sowohl im Westjordanland als auch im Gazastreifen schaffen werde. Auch er stellte Israels Regierung an den Pranger. Es sei bedauerlich, dass sie «keine Anzeichen fĂŒr ein konstruktives Engagement» zeige. Die internationale Gemeinschaft mĂŒsse ihre politische und wirtschaftliche UnterstĂŒtzung fĂŒr PalĂ€stina verstĂ€rken und weiter auf eine Zweistaatenlösung hinarbeiten.

Israel schrÀnkt Arbeit spanischer Diplomaten ein

Die Regierung in Jerusalem hatte schon vorige Woche unmittelbar nach der AnkĂŒndigung die Botschafter der drei LĂ€nder einbestellt, um ihnen eine RĂŒge zu erteilen. Netanjahu bezeichnete die Anerkennung PalĂ€stinas als «Belohnung fĂŒr Terrorismus». Vor allem der Streit mit Spanien spitzt sich tĂ€glich zu. Die linke Regierung in Madrid hatte bereits kurz nach dem Angriff der islamistischen Hamas auf Israel und dem Beginn der MilitĂ€raktionen in Gaza alle Waffenexporte nach Israel ausgesetzt. Verteidigungsministerin Margarita Robles sprach nun als erste Regierungsangehörige sogar von einem «Völkermord» in Gaza. Israel bestreitet diesen Vorwurf vehement.

Israel schrĂ€nkte inzwischen die Arbeit spanischer Diplomaten in dem Land ein. Der spanischen Botschaft in Tel Aviv und dem Generalkonsulat in Ost-Jerusalem ist es kĂŒnftig untersagt, ihre Dienste fĂŒr PalĂ€stinenser aus dem von Israel besetzten Westjordanland anzubieten. Auf X veröffentlichte Außenminister Israel Katz mehrere extrem kritische, teilweise provokante Äußerungen und Videos gegen Spanien.

Außenminister Katz greift Sánchez an

Am Dienstag legte Katz eine Schippe drauf. Er schrieb bei X: «Wenn Sie Ihre Stellvertreterin (Yolanda DĂ­az) nicht entlassen und die Anerkennung eines palĂ€stinensischen Staates erklĂ€ren - sind Sie an der Aufwiegelung zum Mord am jĂŒdischen Volk und zu Kriegsverbrechen beteiligt.» In einem Video hatte DĂ­az gesagt: «PalĂ€stina wird frei sein vom Fluss bis zum Meer.» Mit dem Satz ist gemeint, es solle ein freies PalĂ€stina geben auf einem Gebiet vom Fluss Jordan bis zum Mittelmeer - dort, wo sich jetzt Israel befindet. Aus israelischer Sicht ist es ein Aufruf zur Vertreibung oder Tötung der Juden im Staat Israel.

Netanjahu wie auch die Terrororganisation Hamas, die Israels Existenzrecht verneint, lehnen eine Zweistaatenlösung ab. Rechtsextreme Mitglieder von Netanjahus Regierung streben sogar eine israelische Wiederbesiedlung des Gazastreifens an. Eine Mehrheit der Israelis ist laut unterschiedlichen Meinungsumfragen gegen die Einrichtung eines unabhĂ€ngigen palĂ€stinensischen Staates. Viele lehnen dies mit der BegrĂŒndung ab, es sei eine «Belohnung» fĂŒr das Massaker der Hamas im israelischen Grenzgebiet am 7. Oktober.

Mehrheit der PalÀstinenser setzt auf bewaffneten Kampf

Eine Umfrage des palĂ€stinensischen Umfrageinstituts PSR in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung ergab kĂŒrzlich, dass 61 Prozent der PalĂ€stinenser aufgrund des israelischen Siedlungsbaus nicht mehr daran glauben, dass die Einrichtung eines palĂ€stinensischen Staates noch möglich ist. Eine Mehrheit setzt weiter auf den bewaffneten Kampf als bestes Mittel, um die israelische Besatzung zu beenden.

Etliche LĂ€nder erkennen PalĂ€stina als Staat an. Das gilt jedoch nicht fĂŒr die einflussreichsten westlichen Nationen wie die USA und Großbritannien sowie die Mehrzahl der EU-Staaten. Das dĂ€nische Parlament stimmte am Dienstag gegen einen Gesetzentwurf, der eine Anerkennung PalĂ€stinas vorsah. Es folgte damit Außenminister Lars LĂžkke Rasmussen. «Die Grundlage fĂŒr die Anerkennung PalĂ€stinas als Staat ist noch nicht gegeben. Voraussetzung dafĂŒr ist, dass ein Land die Kontrolle ĂŒber sein eigenes Territorium und funktionierende Behörden hat, und das ist im Moment nicht der Fall», sagte er vergangene Woche.

Auch Deutschland plant nach Angaben von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) derzeit nicht, PalĂ€stina als eigenen Staat anzuerkennen. Es gebe keine Klarheit ĂŒber das Staatsgebiet und andere Fragen, sagte er. Dazu hatte SĂĄnchez schon vorige Woche die Hoffnung ausgedrĂŒckt, dass «viele LĂ€nder» dem Beispiel von Madrid, Oslo und Dublin folgen werden.

@ dpa.de