Stubb bei PrÀsidentschaftswahl in Finnland leicht vorn
11.02.2024 - 19:36:30Der konservative Ex-Regierungschef Alexander Stubb steuert bei der Stichwahl um die PrĂ€sidentschaft in Finnland auf einen Sieg zu. Nach der AuszĂ€hlung der vorzeitig abgegebenen Stimmen liegt der 55-JĂ€hrige mehrere Prozentpunkte vor seinem Konkurrenten, dem 65 Jahre alten GrĂŒnen-Politiker und frĂŒheren AuĂenminister Pekka Haavisto. Der Vorsprung war allerdings nicht so deutlich, wie ihn Umfragen vor dem Wahltag vorhergesagt hatten.
Stubb kam zu dem Zeitpunkt auf 52,7 Prozent der Stimmen, Haavisto auf 47,3 Prozent. Es handle sich um einen guten Start, aber noch eine Menge Stimmen mĂŒssten ausgezĂ€hlt werden, sagte Stubb nach der Veröffentlichung der ersten Zahlen. Haavisto sagte, es sei noch möglich, Stubb zu ĂŒberholen. Man mĂŒsse einfach abwarten.
Ein vorlĂ€ufiges Endergebnis sollte noch im Laufe des Wahlabends feststehen. Da knapp 46 Prozent der Wahlberechtigten mit Wohnsitz in Finnland vorzeitig ihre Stimme abgegeben hatten, galt die Auswertung dieser knapp zwei Millionen Wahlzettel aber bereits als ein gutes Stimmungsbild des Votums.Â
Bei der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen hatten Stubb und Haavisto die meisten Stimmen aller neun Kandidatinnen und Kandidaten erhalten. Dabei schalteten sie andere Schwergewichte der finnischen Politik wie den rechtspopulistischen ParlamentsprĂ€sidenten Jussi Halla-aho und den frĂŒheren EU-WĂ€hrungskommissar Olli Rehn aus. Stubb kam auf 27,2 Prozent der Stimmen, Haavisto auf 25,8 Prozent. Weil jedoch keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit erzielte, kam es zur Stichwahl zwischen den beiden stĂ€rksten Kandidaten.
Nachfolger von Niinistö gesucht
Der neue PrĂ€sident wird Nachfolger des bisherigen Staatsoberhauptes Sauli Niinistö und das Amt planmĂ€Ăig am 1. MĂ€rz ĂŒbernehmen. Niinistö durfte nach zwei sechsjĂ€hrigen Amtszeiten nicht noch einmal kandidieren. Er hatte Finnland unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nach jahrzehntelanger militĂ€rischer BĂŒndnisfreiheit in die Nato gefĂŒhrt - unter tatkrĂ€ftiger UnterstĂŒtzung von Haavisto, der als damaliger AuĂenminister unter Regierungschefin Sanna Marin im April 2023 die Nato-Beitrittsurkunde des nordischen Landes unterzeichnet hatte.
Anders als in Deutschland wird der PrĂ€sident in Finnland direkt vom Volk gewĂ€hlt, er spielt in der Politik auch eine aktivere Rolle als in vielen anderen europĂ€ischen LĂ€ndern. Zu seinen wichtigsten Aufgaben zĂ€hlt, zusammen mit der Regierung ĂŒber die AuĂen- und Sicherheitspolitik zu entscheiden, Regierungsmitglieder zu ernennen und Gesetze abzusegnen. Er ist auch Oberbefehlshaber der finnischen StreitkrĂ€fte. Aus der Innenpolitik hĂ€lt er sich dagegen weitgehend heraus.
Finnland grenzt auf einer LĂ€nge von 1340 Kilometern an Russland. Mit Blick auf den groĂen Nachbarn im Osten hatte das EU-Land lange Zeit versucht, eine angemessene Ost-West-Balance zu finden. Durch den russischen Krieg gegen die Ukraine und den darauffolgenden finnischen Nato-Beitritt hat sich das VerhĂ€ltnis zu Moskau jedoch drastisch verschlechtert. Die ĂbergĂ€nge entlang der russisch-finnischen Landesgrenze sind seit mehreren Monaten geschlossen, erst vor wenigen Tagen wurde diese MaĂnahme von der finnischen Regierung bis Mitte April verlĂ€ngert. Die finnische Regierung wirft den russischen Behörden vor, Asylbewerber absichtlich und ohne die nötigen Papiere an die Grenze zu bringen, um Finnland so vor Probleme zu stellen.
Sowohl Stubb als auch Haavisto gelten als proeuropĂ€isch und entschiedene UnterstĂŒtzer der Ukraine. Mit gröĂeren Auswirkungen auf die finnische Russland-Politik infolge der Wahl wurde deshalb nicht gerechnet.









