RumÀnien, Rechtsextremer

RumÀnien: Rechtsextremer geht in Stichwahl um PrÀsidentenamt

25.11.2024 - 02:24:29

Die erste Wahlrunde in RumĂ€nien endet mit einer großen Überraschung: Der extrem rechte Tiktok-WahlkĂ€mpfer Calin Georgescu holt mehr Stimmen als der amtierende Regierungschef. Viele sind geschockt.

  • Der Rechtsextremist Calin Georgescu punktete im Wahlkampf vor allem ĂŒber die Online-Plattform Tiktok.  - Foto: Alexandru Dobre/AP/dpa

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  • Der sozialdemokratische MinisterprĂ€sident Marcel Ciolacu ist aus dem Rennen ausgeschieden. (Archivbild) - Foto: Vadim Ghirda/AP

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  • Die konservativ-liberale Reformpolitikerin Elena Lasconi hat sich fĂŒr die Stichwahl gegen den extrem Rechten Calin Georgescu qualifiziert. (Archivbild) - Foto: Andreea Alexandru/AP

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Der Rechtsextremist Calin Georgescu punktete im Wahlkampf vor allem ĂŒber die Online-Plattform Tiktok.  - Foto: Alexandru Dobre/AP/dpaDer sozialdemokratische MinisterprĂ€sident Marcel Ciolacu ist aus dem Rennen ausgeschieden. (Archivbild) - Foto: Vadim Ghirda/APDie konservativ-liberale Reformpolitikerin Elena Lasconi hat sich fĂŒr die Stichwahl gegen den extrem Rechten Calin Georgescu qualifiziert. (Archivbild) - Foto: Andreea Alexandru/AP

Der prorussische Rechtsextremist Calin Georgescu ist ĂŒberraschend in die Stichwahl um das Amt des Staatsoberhaupts im Nato-Land RumĂ€nien eingezogen. Der parteilose Populist war mit antiwestlichen Positionen und Kult fĂŒr die rumĂ€nischen Faschisten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs aufgefallen. Von seinen Konkurrenten und den klassischen Medien wurde Georgescu weitgehend ignoriert, dafĂŒr ist er sehr erfolgreich auf der Online-Plattform Tiktok unterwegs. Im ersten Wahlgang landete er vor der zweitplatzierten Kandidatin Elena Lasconi von der konservativ-liberalen Reformpartei USR. Die Entscheidung zwischen den beiden fĂ€llt nun am 8. Dezember - eine Woche nach der Parlamentswahl.

Nach ihrer Niederlage traten die Vorsitzenden der gemeinsam regierenden Parteien PSD (Sozialdemokraten) und PNL (BĂŒrgerliche) von ihren ParteiĂ€mtern zurĂŒck. MinisterprĂ€sident Marcel Ciolacu (PSD) kam bei der PrĂ€sidentenwahl mit 19,15 Prozent auf Platz drei, PNL-Chef Nicolae Ciuca landete mit 8,79 Prozent auf Platz fĂŒnf. Medienkommentatoren in Bukarest befĂŒrchten nun einen weiteren Erfolg von Rechtsaußen bei der Parlamentswahl, wegen der FĂŒhrungsunsicherheit bei PSD und PNL.

Der östlichste EU-Mitgliedstaat RumÀnien hat rund 19 Millionen Einwohner, gilt als eines der Àrmsten LÀnder Europas und grenzt im Norden an die Ukraine, die sich seit bald drei Jahren einer russischen Invasion erwehrt.

Rechtsextremes Lager bĂŒndelt KrĂ€fte fĂŒr Stichwahl

Am Wahlabend sagte Georgescu auf einer via Facebook ĂŒbertragenen Pressekonferenz, das rumĂ€nische Volk sei «zum Bewusstsein erwacht» und habe seinen Willen bekundet, «nicht weiter auf Knien, nicht weiter unter Invasion, nicht weiter erniedrigt» zu bleiben. Wirtschaftliche Unsicherheit habe zu diesem Votum gefĂŒhrt. «Heute Abend hat das rumĂ€nische Volk "Frieden" gerufen», fĂŒgte Georgescu hinzu - wohl mit Blick auf Russlands Angriffskrieg auf die benachbarte Ukraine.

Im ersten Wahlgang erhielt der Extremist 22,94 Prozent der Stimmen und Lasconi 19,18 Prozent. Der Vorsprung Lasconis vor dem Drittplatzierten Ciolacu betrĂ€gt nur 2.742 Stimmen. Das teilte das Zentrale WahlbĂŒro nach AuszĂ€hlung aller Stimmzettel mit. 

Der als Viertplatzierter mit 14 Prozent der Stimmen ausgeschiedene Bewerber George Simion von der rechtsextremen Parlamentspartei AUR kĂŒndigte an, Georgescu in der Stichwahl zu unterstĂŒtzen. Unklar war zunĂ€chst, ob Ciolacus Partei zur Wahl von Lasconi aufrufen wĂŒrde.

Erinnerungen an denkwĂŒrdiges Duell werden wach

Bei der PrĂ€sidentenwahl im Jahr 2000 hatte es eine Ă€hnliche Situation gegeben: Damals standen sich in der Stichwahl der Sozialdemokrat Ion Iliescu und der Rechtsextremist Corneliu Vadim Tudor gegenĂŒber. Die demokratischen Parteien taten sich zusammen und konnten auch dank krĂ€ftiger UnterstĂŒtzung durch europĂ€ische VerbĂŒndete einen Extremisten im höchsten Staatsamt verhindern.

In RumĂ€nien bestimmt der PrĂ€sident die Außen- und Verteidigungspolitik und ist an der Kontrolle der Geheimdienste beteiligt. Er hat mehr Macht als der deutsche BundesprĂ€sident und weniger als das Staatsoberhaupt in Frankreich. Das Abschneiden der Kandidaten in der ersten Runde der PrĂ€sidentenwahl dĂŒrfte auch die Parlamentswahl am 1. Dezember beeinflussen.

Freund Russlands und der rumÀnischen Faschisten

Wegen des Vorwurfs der Verherrlichung faschistischer Kriegsverbrechen ermittelt die rumĂ€nische Staatsanwaltschaft gegen Georgescu, ĂŒber den Fortschritt dieser Untersuchungen ist laut rumĂ€nischen Medien aber nichts bekannt. Ebenso wie die als «LegionĂ€re» bekannten rumĂ€nischen Faschisten rĂŒhmt Georgescu hĂ€ufig die orthodoxe Kirche und benutzt Bibelzitate. Er war frĂŒher Mitglied der extrem rechten Parlamentspartei AUR, trat aber im Streit aus. 

Der 62-jĂ€hrige Agrarwissenschaftler und Tiermediziner hatte vor allem auf Tiktok fĂŒr sich geworben. Kommentatoren in Bukarest meinten am Wahlabend, klassische Medien und etablierte Politiker mĂŒssten sich vorwerfen lassen, Georgescus politische Propaganda in sozialen Medien bisher nicht genĂŒgend beachtet zu haben. Auch Meinungsforscher hatten seinen Erfolg nicht kommen sehen, selbst Nachwahlbefragungen am Wahlabend ließen das Ergebnis nicht erahnen.

@ dpa.de