KriegserklÀrung, Ecowas

EuropÀer aus dem Niger evakuiert - Nigeria erhöht Druck

02.08.2023 - 19:56:54 | dpa.de

Die ersten EuropĂ€er haben nach dem Putsch im Niger das Krisenland verlassen können. Deutschland wird dabei von Frankreich unterstĂŒtzt. Die MilitĂ€rchefs westafrikanischer Staaten beraten, ob sie eingreifen.

  • Französische Staatsangehörige warten auf dem Flughafen in Niamey auf die Evakuierung. - Foto: Sam Mednick/AP/dpa
    Französische Staatsangehörige warten auf dem Flughafen in Niamey auf die Evakuierung. - Foto: Sam Mednick/AP/dpa
  • Ein Flugzeug der französischen Luftwaffe auf dem internationalen Flughafen von Niamey. Zwei Evakuierungsmaschinen sind inzwischen in Frankreich gelandet. - Foto: Generalstab der französischen Armee/dpa
    Ein Flugzeug der französischen Luftwaffe auf dem internationalen Flughafen von Niamey. Zwei Evakuierungsmaschinen sind inzwischen in Frankreich gelandet. - Foto: Generalstab der französischen Armee/dpa
  • Menschen sind vor dem dem internationalen Flughafen von Niamey zu sehen. Knapp eine Woche nach dem MilitĂ€rputsch im Niger hat Frankreich mit der Evakuierung seiner StaatsbĂŒrger aus dem westafrikanischen Land begonnen. - Foto: Generalstab der französischen Armee/dpa
    Menschen sind vor dem dem internationalen Flughafen von Niamey zu sehen. Knapp eine Woche nach dem MilitĂ€rputsch im Niger hat Frankreich mit der Evakuierung seiner StaatsbĂŒrger aus dem westafrikanischen Land begonnen. - Foto: Generalstab der französischen Armee/dpa
  • Menschen kommen auf dem Flughafen Paris Roissy Charles de Gaulle in Roissy-en-France an, nachdem sie aus dem Niger evakuiert wurden. - Foto: Lou Benoist/AFP/dpa
    Menschen kommen auf dem Flughafen Paris Roissy Charles de Gaulle in Roissy-en-France an, nachdem sie aus dem Niger evakuiert wurden. - Foto: Lou Benoist/AFP/dpa
  • Französische und andere Staatsangehörige versammeln sich am internationalen Flughafen in Niamey, um mit einem französischen MilitĂ€rflugzeug nach Frankreich zurĂŒckgebracht zu werden. - Foto: Sam Mednick/AP
    Französische und andere Staatsangehörige versammeln sich am internationalen Flughafen in Niamey, um mit einem französischen MilitĂ€rflugzeug nach Frankreich zurĂŒckgebracht zu werden. - Foto: Sam Mednick/AP
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Eine Woche nach dem MilitĂ€rputsch im Niger haben mehrere europĂ€ische LĂ€nder mit der Evakuierung ihrer StaatsbĂŒrger begonnen. Auch die ersten Deutschen konnten an Bord französischer Maschinen das westafrikanische Land verlassen.

Die Bundeswehr plant von der kommenden Woche an eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs zum LufttransportstĂŒtzpunkt in Niamey, der Hauptstadt des Nigers. Dort sind derzeit auch mehr als 100 deutsche Soldaten stationiert. Nigeria erhöht unterdessen den Druck auf die neuen Machthaber im Nachbarland.

Im Niger hatten Offiziere der PrĂ€sidialgarde vergangenen Mittwoch den demokratisch gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum festgesetzt und fĂŒr entmachtet erklĂ€rt. Der Kommandeur der PrĂ€sidialgarde, General Abdourahamane Tiani, ernannte sich im Anschluss selbst zum neuen Machthaber. Kurz nach Tianis MachtĂŒbernahme setzten die Putschisten die Verfassung außer Kraft und lösten alle verfassungsmĂ€ĂŸigen Institutionen auf. Nach MilitĂ€rputschen in Mali und Burkina Faso seit 2020 war der Niger das letzte der drei NachbarlĂ€nder in der Sahelzone, das von einer demokratisch gewĂ€hlten Regierung gefĂŒhrt wurde. Der Niger war auch in Migrationsfragen ein wichtiger Partner fĂŒr den Westen.

736 Personen bereits evakuiert

Frankreich hat mit drei EvakuierungsflĂŒgen bereits 736 Personen in Sicherheit gebracht. Ein vierter sei unterwegs nach Paris, teilte das französische Außenministerium am Abend mit. Damit seien 992 Personen evakuiert worden, darunter 560 Franzosen.

Mit den EvakuierungsflĂŒgen Frankreichs sind bislang mehr als 40 Deutsche aus dem Land ausgereist. «Heute wird es noch weitere FlĂŒge geben. Ich danke meiner französischen Amtskollegin Catherine Colonna dafĂŒr von ganzem Herzen», teilte Außenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) mit. Die unkomplizierte und pragmatische Zusammenarbeit in Krisenzeiten zeige, was Europa in der Außen- und Sicherheitspolitik leisten könne, wenn zusammengearbeitet werde. «Mit ebendieser Geschlossenheit und Entschlossenheit unterstĂŒtzen wir als EuropĂ€ische Union auch die internationalen BemĂŒhungen zur Wiederherstellung der verfassungsmĂ€ĂŸigen Ordnung in Niger», so Baerbock. Im Niger halten sich knapp 100 deutsche Zivilisten auf.

Nach dem Ende der Sperrung des Luftraums ĂŒber dem westafrikanischen Land soll der erste MilitĂ€rtransporter der Bundeswehr am Montag vom MilitĂ€rflugplatz Wunstorf in Niedersachsen aus starten, wie der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erklĂ€rt wurde. Es soll der Transport von Soldaten und Material aufgenommen werden.

Niamey zentrales Drehkreuz fĂŒr Bundeswehr

Der LufttransportstĂŒtzpunkt Niamey ist zentrales Drehkreuz fĂŒr die Bundeswehr in Westafrika und wichtig fĂŒr den laufenden Abzug aus dem benachbarten Mali. Die MilitĂ€rregierung in Mali hatte einen Abzug der UN-Soldaten bis Ende des Jahres gefordert.

Wenn es einen Weg gebe, die Sicherheit der Soldaten zu garantieren, «dann werden wir auch versuchen, an einem StĂŒtzpunkt festzuhalten», sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Zugleich werde nach Alternativen gesucht, wie der RĂŒckzug aus Mali ĂŒber andere Flugstrecken organisiert werden könnte.

Nigers MilitĂ€rmachthaber öffneten die Landes- und Luftgrenzen zu den fĂŒnf Nachbarstaaten Mali, Burkina Faso, Algerien, Libyen und Tschad.

Konflikt könnte weiter eskalieren

Der Konflikt im Niger könnte weiter eskalieren. Die westafrikanische Staatengemeinschaft hatte den Putschisten am Sonntag ein Ultimatum gestellt. Sollte der festgesetzte PrĂ€sident Bazoum nicht binnen einer Woche wieder eingesetzt werden, werde Ecowas Maßnahmen ergreifen, die auch Gewalt umfassen könnten, hieß es.

Heute trafen sich die MilitĂ€rchefs der Ecowas-MitgliedslĂ€nder in Nigerias Hauptstadt Abuja. Drei Tage lang wollen sie ĂŒber das weitere Vorgehen beraten. Die nach frĂŒheren MilitĂ€rputschen bereits suspendierten Ecowas-Mitglieder Burkina Faso und Mali haben sich an die Seite der Putschisten im Niger gestellt. Sie warnten Ecowas vor einem Eingreifen: Jede militĂ€rische Intervention gegen den Niger komme einer KriegserklĂ€rung auch gegen ihre LĂ€nder gleich.

Tiani entsandte eine Delegation nach Mali und Burkina Faso, wie ein Sprecher des neuen MilitĂ€rfĂŒhrers ohne Nennung weiterer Einzelheiten sagte.

Strom als Druckmittel

ZunĂ€chst scheint die Ecowas-Gruppe jedoch auf wirtschaftlichen Druck zu setzen. Heute warf Nigers grĂ¶ĂŸter Stromversorger Nigelec dem Ecowas-Mitglied Nigeria vor, am Dienstag die Stromlieferungen eingestellt zu haben. Der Niger ist in hohem Maß abhĂ€ngig von Importen aus Nigeria: Nach Angaben der Französischen Entwicklungsagentur von Oktober 2022 wird der Bedarf zu 77 Prozent aus dem Nachbarland gedeckt. Allerdings haben demnach weniger als 20 Prozent der Bevölkerung ĂŒberhaupt Zugang zu ElektrizitĂ€t.

«Den Strom abzustellen könnte wirkungsvoller sein als eine MilitĂ€roperation», sagte Ulf Laessing, Sahel-Experte von der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Deutschen Presse-Agentur. Eine militĂ€rische Intervention könne den Niger an den Rand eines BĂŒrgerkriegs fĂŒhren. Die Situation wĂ€re dann Ă€hnlich wie die im Sudan.

Angesichts des Putsches setzte die Weltbank unterdessen Zahlungen an den Niger, der zu den Ă€rmsten LĂ€ndern der Welt gehört, vorerst aus. Ausnahme seien Partnerschaften mit dem Privatsektor, die «mit Vorsicht» fortgesetzt wĂŒrden. «Wir sind alarmiert ĂŒber die Versuche, die demokratisch gewĂ€hlte Regierung im Niger zu stĂŒrzen», hieß es in einer Stellungnahme. Man werde die Lage weiter genau beobachten.

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