Moskau, Kiew

Moskau und Kiew vereinbaren weiteren Gefangenenaustausch

23.07.2025 - 21:45:36

Die Erwartungen an die GesprÀche zwischen russischen und ukrainischen Vertretern in Istanbul waren gering. Immerhin eine Vereinbarung gelingt.

  • Die TĂŒrkei ist Vermittlerin bei den GesprĂ€chen. - Foto: Emrah Gurel/AP/dpa

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  • Der Medienandrang bei den Verhandlungen ist groß. - Foto: Alexander Ryumin/TASS via ZUMA Press/dpa

    Alexander Ryumin/TASS via ZUMA Press/dpa

Die TĂŒrkei ist Vermittlerin bei den GesprĂ€chen. - Foto: Emrah Gurel/AP/dpaDer Medienandrang bei den Verhandlungen ist groß. - Foto: Alexander Ryumin/TASS via ZUMA Press/dpa

Russland und die Ukraine haben bei ihren Verhandlungen in der TĂŒrkei einen weiteren Gefangenenaustausch vereinbart. Es sollen jeweils 1.200 Gefangene beider Seiten ĂŒbergeben werden, wie der russische ChefunterhĂ€ndler Wladimir Medinski nach den GesprĂ€chen vor Journalisten in Istanbul sagte. 

Seinen Angaben zufolge sollen zudem entlang der Front im seit mehr als drei Jahre wÀhrenden Ukraine-Krieg weiter Schwerverletzte ausgetauscht werden. Kiew bestÀtigte die geplante Fortsetzung der Austausche, nannte aber keine konkreten Zahlen.

Russland habe zudem die RĂŒckgabe von 3.000 weiteren ukrainischen Gefallenen angeboten, sagte Medinski. Seinen Angaben nach hat Moskau bisher bereits rund 7.000 Leichen ĂŒbergeben. Die Umsetzung der bisherigen Abmachungen lobte der russische PrĂ€sidentenberater und Ex-Kulturminister: «Alle Vereinbarungen vom letzten Mal wurden eingehalten», sagte er.?Aktuell finde der letzte vereinbarte Austausch von jeweils 250 Personen an der belarussisch-ukrainischen Grenze statt.

Kurzes und knappes Treffen

Knapp dreieinhalb Jahre nach der russischen Invasion in die Ukraine haben Vertreter beider LĂ€nder in der Stadt am Bosporus ihre zuletzt stockenden direkten GesprĂ€che fortgesetzt. Delegationen beider Seiten kamen im Ciragan-Palast am Bosporus unter tĂŒrkischer FĂŒhrung zusammen, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. 

Die fĂŒr 19.00 Uhr Ortszeit (18.00 Uhr MESZ) angesetzten GesprĂ€che begannen mit knapp anderthalb Stunden VerspĂ€tung. Zuvor hatten sich die beiden ChefunterhĂ€ndler zu einem kurzen VieraugengesprĂ€ch getroffen. Die Unterredung in großer Runde dauerte lediglich 40 Minuten.

Erwartungen gering

Der tĂŒrkische Außenminister Hakan Fidan sagte vor Beginn der Verhandlungen, das ultimative Ziel sei ein Waffenstillstand, der den Weg zum Frieden ebne. Ein Durchbruch dafĂŒr bei dieser dritten Verhandlungsrunde galt jedoch bereits vorher als unwahrscheinlich. 

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hatte die Erwartungen gebremst. FĂŒr Kiew sei die Ausweitung des Gefangenenaustausches und die RĂŒckholung von Kindern vorrangig, die Russland aus den besetzten Gebieten verschleppt habe, sagte er bereits am Dienstag. Am Verhandlungstag selbst erklĂ€rte er in einer Videobotschaft, die Ukraine werde auch eine «sofortige und vollstĂ€ndige Waffenruhe» fordern.

Diese Forderung weist die russische FĂŒhrung seit Monaten zurĂŒck. US-PrĂ€sident Donald Trump hatte einen entsprechenden Vorschlag im MĂ€rz gemacht. Kremlchef Wladimir Putin lehnte dies mit der BegrĂŒndung ab, dass die Ukrainer die Feuerpause fĂŒr eine WiederaufrĂŒstung und Neuaufstellung ihrer Truppen nutzen wĂŒrden. 

Der Kreml hatte gleichwohl erklĂ€rt, von dem Treffen eine AnnĂ€herung der bislang gegensĂ€tzlichen Positionen Moskaus und Kiews zu den Bedingungen fĂŒr eine Waffenruhe zu erwarten. Dazu sei aber «große diplomatische Arbeit» nötig, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. 

UnterhÀndler kennen sich

ChefunterhĂ€ndler des ukrainischen Teams war erneut der Ex-Verteidigungsminister und neu ernannte SekretĂ€r des nationalen Sicherheitsrats, Rustem Umjerow. Medinski, der die russische Seite fĂŒhrte, trug bei seiner Ankunft in der TĂŒrkei ein T-Shirt mit der Aufschrift «Putin Team». Angaben aus Ankara zufolge nahmen zudem der Chef des tĂŒrkischen Geheimdienstes MIT, Ibrahim Kalin, sowie der Generalstabschef Metin GĂŒrak an den GesprĂ€chen teil.

Viele offene Streitfragen bleiben

Bei weiteren Fragen wurde offenbar bislang keine Einigung erzielt. So teilte Umjerow bei seiner Pressekonferenz mit, seine Delegation habe den Russen vorgeschlagen, bis Ende August einen Gipfel zwischen Selenskyj, Putin, Trump und dem tĂŒrkischen PrĂ€sidenten Recep Tayyip Erdogan abzuhalten. Parallel dazu sagte Medinski, ein Treffen auf PrĂ€sidentenebene solle nicht Verhandlungen, sondern deren Abschluss dienen. Es mĂŒsse also vorher Einigkeit ĂŒber Wege zum Frieden herrschen. 

Einen von Russland vorgeschlagene kurzzeitige - zwischen 24 und 48 Stunden dauernde - Waffenruhe an einzelnen Frontabschnitten wiederum hat wohl die Ukraine zurĂŒckgewiesen. Eine Waffenruhe mĂŒsse ehrlich sein und einen Stopp der Angriffe auf Infrastruktur und Zivilisten beinhalten, machte Umjerow Kiews Position deutlich.

Beide Seiten rechnen allerdings mit einer Fortsetzung der Verhandlungen. Moskau und Kiew haben im Mai erstmals seit 2022 wieder direkte GesprÀche aufgenommen.

@ dpa.de