EU-Kommission will BeitrittsgesprÀche mit Ukraine
08.11.2023 - 16:33:50 | dpa.deDie Ukraine kann nach einer positiven Bewertung der EU-Kommission auf einen schnellen Start von Verhandlungen ĂŒber den Beitritt zur EuropĂ€ischen Union hoffen. Die Behörde unter der Leitung von Ursula von der Leyen empfahl den EU-Mitgliedstaaten förmlich die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit dem Land, das sich seit mehr als 20 Monaten gegen den russischen Angriffskrieg wehrt.
Vor der ersten GesprĂ€chsrunde soll die Ukraine allerdings begonnene Reformen fĂŒr eine bessere KorruptionsbekĂ€mpfung, mehr Minderheitenschutz und weniger Oligarchen-Einfluss abschlieĂen mĂŒssen. Dies wird bis zum nĂ€chsten MĂ€rz fĂŒr möglich gehalten.
Auf Grundlage neuer Bewertungen der EU-Kommission können zudem auch das Ukraine-Nachbarland Moldau und eingeschrÀnkt Bosnien-Herzegowina auf einen Start von EU-Beitrittsverhandlungen hoffen. Zudem sollte Georgien den Status eines Beitrittskandidaten bekommen können. «Heute ist ein historischer Tag», sagte von der Leyen zu den Empfehlungen. Ob diese umgesetzt werden, muss nun einstimmig von den EU-Staaten entschieden werden.
Selenskyj bezeichnet Empfehlung als richtigen Schritt
Die deutsche AuĂenministerin Annalena Baerbock schrieb zu dem Zeugnis fĂŒr die Ukraine, der Beginn der EU-BeitrittsgesprĂ€che sei der nĂ€chste Schritt, den man gemeinsam gehen sollte. Denn eine stĂ€rkere, gröĂere und geschlossene EU sei die geopolitische Antwort auf Russlands Angriffskrieg.
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Empfehlung der Kommission als einen «richtigen Schritt» und versprach weitere ReformbemĂŒhungen. «Unser Land sollte Mitglied der EuropĂ€ischen Union sein», betonte er. Die Ukrainer hĂ€tten sich das mit «ihrer Verteidigung der europĂ€ischen Werte» verdient.
Noch ausstehende Reformen sind auf dem Weg
Dass es trotz noch nicht erfĂŒllter Auflagen eine positive Empfehlung fĂŒr die Ukraine gab, erklĂ€rte von der Leyen in einer Pressekonferenz damit, dass die noch ausstehenden Reformen bereits auf den Weg gebracht seien. «Der Fortschritt, den wir in der Ukraine sehen, ist beeindruckend», betonte sie. Sie sei der festen Ăberzeugung, dass dies die Ukraine auch in ihrem beeindruckenden Kampf gegen den russischen Angriffskrieg stĂ€rke.
Sollten die Regierungen der EU-Staaten der Empfehlung der EU-Kommission zustimmen, könnten erstmals in der Geschichte der EU Beitrittsverhandlungen mit einem Land im Krieg gefĂŒhrt werden. Die Ukraine hatte am 28. Februar vergangenen Jahres kurz nach dem Beginn der russischen Invasion ihren Antrag auf Beitritt zur EU gestellt.
Die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten verliehen dem Land dann am 24. Juni 2022 den Kandidatenstatus. Gleichzeitig wurde damals vereinbart, dass ĂŒber weitere Schritte erst dann entschieden werden soll, wenn sieben von der EU-Kommission empfohlene Kriterien erfĂŒllt sind. Bei ihnen ging es neben Dingen wie der KorruptionsbekĂ€mpfung auch um Anti-GeldwĂ€sche-Regeln und die Medienfreiheit. Nach dem Bericht der Kommission hat die Ukraine bislang vier der sieben Reformauflagen vollstĂ€ndig erfĂŒllt.
EU-Staaten sollen vor Weihnachten entscheiden
Die Ukraine hofft, dass die Staats- und Regierungschefs der EU-LĂ€nder bei ihrem letzten regulĂ€ren Gipfeltreffen des Jahres am 14. und 15. Dezember ihre grundsĂ€tzliche Zustimmung fĂŒr einen Start von Beitrittsverhandlungen geben.
Von der Leyen wirbt fĂŒr Fortschritte
Von der Leyen warb am Mittwoch bei den Regierungen der Mitgliedstaaten dafĂŒr, die Empfehlungen fĂŒr Fortschritte im EU-Erweiterungsverfahren anzunehmen. «Die bisherigen Erweiterungen haben den enormen Nutzen sowohl fĂŒr die BeitrittslĂ€nder als auch fĂŒr die EU gezeigt. Wir alle gewinnen», erklĂ€rte sie.
Neben der Ukraine, Georgien, Moldau und Bosnien-Herzegowina wurden am Mittwoch auch die TĂŒrkei, Montenegro, Albanien, Serbien, Nordmazedonien und das Kosovo als potenzielle kĂŒnftige EU-Mitglieder von der Kommission bewertet. Am besten schnitt dabei erneut das kleine Westbalkanland Montenegro ab, das im EU-Beitrittsprozess derzeit als klare Nummer eins gesehen wird.
Die TĂŒrkei bekam hingegen erneut ein negatives Zeugnis ausgestellt. Der negative Trend des Wegdriftens von der EU bleibe bestehen, heiĂt es in dem Bericht mit Blick auf RĂŒckschritte in SchlĂŒsselbereichen wie Rechtsstaatlichkeit und UnabhĂ€ngigkeit der Justiz. Die Beitrittsverhandlungen blieben unverĂ€ndert im Stillstand.
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