Europa, Österreich

EU hĂ€lt sich mit Sicherheitsgarantien fĂŒr Kiew zurĂŒck

29.06.2023 - 21:23:58

Die EU sieht sich unverbrĂŒchlich an der Seite der Ukraine - aber fĂŒr die Zeit nach dem Krieg bleibt sie vage. Vorerst blickt man nervös nach Belarus, wo sich ein «explosiver Cocktail» zusammenbrauen könnte.

  • Charles Michel, PrĂ€sident des EuropĂ€ischen Rates, begrĂŒĂŸt Ursula von der Leyen, PrĂ€sidentin der EuropĂ€ischen Kommission, wĂ€hrend des EU-Gipfels. - Foto: Geert Vanden Wijngaert/AP/dpa

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  • «Wir haben uns als Staaten verpflichtet, dass wir auch zukĂŒnftig der Ukraine etwas schulden, was ihre Sicherheit betrifft»: Olaf Scholz. - Foto: Virginia Mayo/AP/dpa

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  • Karl Nehammer, Bundeskanzler von Österreich, trifft zum EU-Gipfel im GebĂ€ude des EuropĂ€ischen Rates ein und spricht mit Journalisten. - Foto: Virginia Mayo/AP/dpa

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Charles Michel, PrĂ€sident des EuropĂ€ischen Rates, begrĂŒĂŸt Ursula von der Leyen, PrĂ€sidentin der EuropĂ€ischen Kommission, wĂ€hrend des EU-Gipfels. - Foto: Geert Vanden Wijngaert/AP/dpa«Wir haben uns als Staaten verpflichtet, dass wir auch zukĂŒnftig der Ukraine etwas schulden, was ihre Sicherheit betrifft»: Olaf Scholz. - Foto: Virginia Mayo/AP/dpaKarl Nehammer, Bundeskanzler von Österreich, trifft zum EU-Gipfel im GebĂ€ude des EuropĂ€ischen Rates ein und spricht mit Journalisten. - Foto: Virginia Mayo/AP/dpa

Die EuropĂ€ische Union sagt der Ukraine weitere umfassende UnterstĂŒtzung zu, hĂ€lt sich aber mit Sicherheitsgarantien fĂŒr die Zeit nach Ende des russischen Angriffskriegs zurĂŒck. Beim EU-Gipfel in BrĂŒssel konnten sich die 27 Mitgliedstaaten gestern nur auf eine vage AbsichtserklĂ€rung fĂŒr «kĂŒnftige Sicherheitszusagen» verstĂ€ndigen. Sorge macht den EU-Staaten die mögliche Verlegung von russischen Söldnern der Gruppe Wagner nach Belarus. Östliche LĂ€nder wie Polen, Litauen oder Lettland fĂŒrchten um die Sicherheit der EU-Außengrenze.

Die UnterstĂŒtzung der Ukraine ist eines der Topthemen des zweitĂ€gigen Gipfels. Auf der Tagesordnung standen zudem die kĂŒnftige Migrationspolitik der EU und die wirtschaftliche Lage der Gemeinschaft sowie das VerhĂ€ltnis zu China. Zu Beginn Ă€ußerten sich viele Gipfel-Teilnehmer aber vor allem zur unklaren Lage in Russland nach der Konfrontation des Wagner-Chefs Jewgeni Prigoschin mit PrĂ€sident Wladimir Putin.

Prigoschin hatte am Samstag unvermittelt einen Marsch auf Moskau abgeblasen und sich bereit erklĂ€rt, ins EU-Nachbarland Belarus ĂŒberzusiedeln - mit einer unbekannten Zahl von Söldnern. Die EU-Staats- und Regierungschefs berieten zu Beginn ihres Gipfels mit Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg. Ein EU-Diplomat sagte anschließend, es sei klar, dass die Stationierung russischer Atomwaffen in Belarus in Kombination mit der Verlegung von Söldnern ein «explosiver Cocktail» werden könnte. Die Situation sei instabil. Aber die EU mĂŒsse ruhig bleiben und die Ukraine weiter unterstĂŒtzen.

Scholz: Unser Ziel ist eine unabhÀngige Ukraine

Bundeskanzler Olaf Scholz stellte klar: «Unser Ziel hier ist nicht ein Regierungswechsel, ein Regime Change in Russland. Unser Ziel, das wir verfolgen, ist eine unabhĂ€ngige Ukraine.» Auf Nachfrage erinnerte er an das Nato-Beistandsversprechen fĂŒr alle Mitgliedsstaaten: «Jeder Angriff auf Nato-Territorium ist eine Sache, die wir gemeinsam beantworten werden.» Auf eine Frage zu möglichen Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine nach Ende des Kriegs sagte Scholz: «Wir haben uns als Staaten verpflichtet, dass wir auch zukĂŒnftig der Ukraine etwas schulden, was ihre Sicherheit betrifft.»

Die GipfelerklĂ€rung zum Punkt Sicherheitszusagen fiel dann sehr vage aus. Grund fĂŒr die zurĂŒckhaltende Wortwahl war die Haltung von LĂ€ndern wie Österreich, Irland und Malta. Sie wollen militĂ€risch neutral bleiben und sind deswegen auch nicht Mitglied der Nato. Der österreichische Bundeskanzler Karl Nehammer sagte zum Thema Sicherheitsgarantien: «Da ist es fĂŒr uns als neutrale Staaten klar, dass es diese so nicht geben kann.»

Konkreter wurde die GipfelerklĂ€rung an zwei anderen Punkte: Die EU-Staaten wollen die Ukraine stĂ€rker bei den Planungen fĂŒr einen internationalen Friedensgipfel unterstĂŒtzen, der nach Vorstellungen des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj in der Schweiz organisiert werden könnte. Der andere Punkt: Die EU bietet der Ukraine nach der Zerstörung des Kachowka-Staudamms weitere Hilfe an, zusĂ€tzlich zur bereits laufenden Katastrophenschutzhilfe.

Polen sichert Ostgrenze

Polen hatte am Mittwochabend bekanntgegeben, wegen der geplanten Verlegung von Wagner-Söldnern nach Belarus seine Ostgrenze noch stĂ€rker sichern zu wollen. Geplant sei sowohl eine Aufstockung der uniformierten KrĂ€fte als auch stĂ€rkere Befestigungen fĂŒr den Fall eines Angriffs, sagte Vize-Regierungschef Jaroslaw Kaczynski.

Der lettische Regierungschef Krisjanis Karins sagte beim Gipfel, die Tatsache, dass in Belarus eine unbekannte Zahl von ausgebildeten KĂ€mpfern stationiert werde, könne zur Bedrohung werden. «Die Bedrohung wĂ€re wahrscheinlich nicht eine frontal militĂ€rische, sondern der Versuch der Infiltration Europas fĂŒr unbekannte Zwecke. Das bedeutet, dass wir den Grenzen besondere Aufmerksamkeit widmen mĂŒssen und sicherstellen mĂŒssen, dass wir das kontrollieren können.» Litauen kĂŒndigte bereits stĂ€rkere Kontrollen an seinen Grenzen zu Russland und Belarus an.

Überschattet werden könnte der Gipfel vom Streit ĂŒber die Begrenzung von Migration und die Verteilung von GeflĂŒchteten in der EU. Ungarn und Polen hatten sich zuletzt sehr kritisch ĂŒber den von den EU-Innenministern erreichten Kompromiss geĂ€ußert und eine Vetodrohung in den Raum gestellt. Bundeskanzler Scholz zeigt sich davon jedoch unbeeindruckt. Der vereinbarte SolidaritĂ€tsmechanismus sei ein großer Durchbruch und etwas, das man schon lange zuvor gebraucht hĂ€tte, sagte der SPD-Politiker.

@ dpa.de