Botschaft an Trump: EU baut Zusammenarbeit mit Grönland aus
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 14:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie EU baut ihre Zusammenarbeit mit Grönland ungeachtet der KontrollansprĂŒche von US-PrĂ€sident Donald Trump deutlich aus. EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen unterzeichnete am Montag bei einem Besuch auf der rohstoffreichen Arktisinsel eine ErklĂ€rung zur Vertiefung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen der EuropĂ€ischen Union und Grönland. Zudem kĂŒndigte sie ein neues 200 Millionen Euro schweres Investitionspaket an.
Das Geld soll in diesem und im nĂ€chsten Jahr investiert werden und unter anderem die ErschlieĂung kritischer Rohstoffe sowie den Ausbau von sicheren Internetverbindungen ĂŒber Satelliten und Unterseekabel voranbringen. Einen Teil der Mittel soll die grönlĂ€ndische Regierung zudem nutzen können, um ihre VerwaltungskapazitĂ€ten auszubauen. Grönland gehört zwar zum Königreich DĂ€nemark, ist aber weitgehend autonom und nicht Teil der EU.Â
EU betont Selbstbestimmungsrecht
Laut der ErklĂ€rung soll auĂerdem kĂŒnftig auch bei der Cybersicherheit, dem Schutz kritischer Infrastruktur und dem Kampf gegen hybride Bedrohungen enger zusammengearbeitet werden. Zu letzteren werden etwa auch Desinformationskampagnen und andere Versuche der Einflussnahme von auĂen gerechnet.
Unter der kritischen Infrastruktur versteht man all jene Bereiche, deren BeeintrĂ€chtigung oder Ausfall zu VersorgungsengpĂ€ssen, Störungen der öffentlichen Sicherheit und weiteren dramatischen Folgen fĂŒhren kann. Dazu gehören neben Energie, Transport und Verkehr auch Wasser und ErnĂ€hrung, das Finanz- und Versicherungswesen, Staat und Verwaltung sowie Medien.
Von der Leyen bezeichnete Grönland bei ihrem Besuch als strategischen VerbĂŒndeten und als ein geschĂ€tztes Mitglied der «erweiterten europĂ€ischen Familie». Die neue ErklĂ€rung zur Zusammenarbeit spiegele Grönlands Entscheidung wider, die Beziehungen zur EuropĂ€ischen Union zu stĂ€rken sowie Europas Entscheidung, in Grönland und der Arktis stĂ€rker prĂ€sent zu sein, sich stĂ€rker zu engagieren und mehr zu investieren. «Wir teilen eine gemeinsame Zukunft», sagte von der Leyen.
Die Deutsche betonte bei ihrem Besuch zugleich das Selbstbestimmungsrecht der Menschen und warnte Trump vor einer Annexion der Insel. «Ăber die Zukunft Grönlands entscheiden die Menschen in Grönland und DĂ€nemark. Niemand sonst», sagte sie.
Trump will Grönland fĂŒr die USA
Eine Reaktion Trumps auf den Besuch von der Leyens gab es zunĂ€chst nicht. Der US-PrĂ€sident hatte zuletzt wiederholt deutlich gemacht, dass die USA weiter AnsprĂŒche auf Grönland erheben. Schon 2019 hatte US-PrĂ€sident Donald Trump von einem möglichen Kauf der Insel gesprochen - damals hatten das in DĂ€nemark und Grönland viele fĂŒr einen Scherz gehalten. Doch noch vor Beginn seiner zweiten Amtszeit hatte Trump das Thema wieder auf den Tisch gebracht und den Druck seitdem stetig erhöht.Â
PrĂ€sident Trump argumentiert dabei, dass DĂ€nemark die gröĂte Insel der Welt nicht vor Russland und China schĂŒtzen könne. Zudem ist das Territorium mit gerade einmal knapp 57.000 Einwohnern auch wegen seiner umfassenden Vorkommen an kritischen Rohstoffen interessant.
Bei den GrönlĂ€nderinnen und GrönlĂ€ndern stoĂen die PlĂ€ne auf groĂe Besorgnis und ĂŒberwiegende Ablehnung. Die Inselbewohner wollen auf keinen Fall in eine neue AbhĂ€ngigkeit geraten und suchen deshalb trotz des komplizierten VerhĂ€ltnisses zu DĂ€nemark den Schulterschluss nicht nur mit dem frĂŒheren Kolonialherren, sondern auch mit weiteren Partnern, darunter der EU. «Wir stehen vor neuen Herausforderungen, die wir nicht alleine bewĂ€ltigen können», sagte der grönlĂ€ndische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen bei von der Leyens Besuch.
Trump hatte zuletzt im Juli KontrollansprĂŒche auf Grönland erneuert und sie auch mit der derzeit laufenden ĂberprĂŒfung der US-TruppenprĂ€senz in Europa in Zusammenhang gebracht. Demnach könnten die USA ihren Beitrag zur Abschreckung Russlands herunterfahren, wenn fĂŒr sie keine gute Vereinbarung zur Zukunft Grönlands zustande kommt.
Zukunft von Rutte-Deal ist unklar
Unklar blieb damit zuletzt, ob sich Trump noch an eine im Januar von Nato-GeneralsekretÀr Mark Rutte vermittelte Absprache gebunden sieht. Diese hatte eigentlich vorgesehen, die Sicherheit in der Arktis durch das gemeinsame Handeln der Alliierten zu gewÀhrleisten, insbesondere durch das der sieben arktischen Alliierten USA, Kanada, DÀnemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island.
Angaben aus Nato-Kreisen zufolge sollen die USA zudem ihre MilitĂ€rprĂ€senz auf Grönland ausweiten dĂŒrfen und möglicherweise auch ein Mitentscheidungsrecht ĂŒber bestimmte Investitionen bekommen.
DĂ€nemark schlieĂt einen Verkauf Grönlands an die USA bislang kategorisch aus. Regierungschefin Mette Frederiksen sagt immer wieder: «Grönland steht natĂŒrlich nicht zum Verkauf.» Sie wolle das Königreich DĂ€nemark verteidigen. Seinen bisherigen Höhepunkt hatte der Konflikt um Grönland Anfang des Jahres. Damals hatte Trump Strafzölle gegen Deutschland und andere europĂ€ische LĂ€nder abgekĂŒndigt, falls diese einem Verkauf der Insel an die USA nicht zustimmen sollten.
Frederiksen begleitete von der Leyen jetzt auch demonstrativ bei deren Grönlandbesuch und GesprÀchen mit dem grönlÀndischen MinisterprÀsidenten Nielsen. Bereits am Sonntag hatten die drei Spitzenpolitiker eine Bootstour in die arktische Landschaft unternommen und ein nach Grönland entsandtes Patrouillenschiff der dÀnischen StreitkrÀfte besichtigt.
