Trumps Plan entschÀrft - Frieden noch nicht in Sicht
24.11.2025 - 17:21:19Nach ersten Verhandlungen zwischen den USA, der Ukraine und fĂŒhrenden europĂ€ischen Staaten ĂŒber einen neuen Friedensplan dĂ€mpft Bundeskanzler Friedrich Merz Hoffnungen auf einen schnellen Durchbruch. «Frieden in der Ukraine gibt es nicht ĂŒber Nacht», sagte der CDU-Chef nach einem Sondergipfel der EU zum Ukraine-Krieg in Angolas Hauptstadt Luanda.Â
Die EuropĂ€er und die Ukraine zeigen sich zwar zunĂ€chst erleichtert, dass sie den von den USA vorgelegten Plan fĂŒr ein Ende des russischen Angriffskriegs entschĂ€rfen konnten. Jetzt kommt es aber darauf an, wie Moskau darauf reagiert. In den kommenden Tagen wird es weitere GesprĂ€che geben. Die von US-PrĂ€sident Donald Trump fĂŒr diesen Donnerstag gesetzte Frist fĂŒr ein konkretes Ergebnis scheint sich aber kaum noch halten zu lassen.
Was ist der neue Verhandlungsstand?
Der von Trump vorgelegte 28-Punkte-Plan, der von vielen als «Wunschliste Russlands» kritisiert worden ist, war fĂŒr die Ukraine und die EuropĂ€er fast durchweg inakzeptabel. Unter anderem sollte die Ukraine erhebliche Gebietsverluste und eine Obergrenze fĂŒr ihre TruppenstĂ€rke akzeptieren. Die Nato sollte auf die Aufnahme der Ukraine und anderer neuer Mitglieder verzichten, und die USA sollten von dem in der EU eingefrorenen russischem Vermögen maĂgeblich profitieren.
In stundenlangen Verhandlungen bis in die Nacht zu Montag in Genf versuchten die Ukraine und die EuropÀer nun den Plan zu entschÀrfen. Die Details des Ergebnisses wurden zwar nicht bekanntgegeben. Dass es von ukrainischer und europÀischer Seite als klarer Erfolg gewertet wurde, spricht aber BÀnde.
Der ursprĂŒngliche US-Plan sei in wesentlichen Teilen modifiziert worden, sagte Merz. Das neue Papier werde gegenwĂ€rtig abgestimmt, danach werde es die gemeinsame Position der USA, der EuropĂ€er und der Ukraine sein.Â
Auch EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen sprach von einer soliden Grundlage fĂŒr weitere Fortschritte. «Es geht um die Sicherheit unseres gesamten Kontinents, jetzt und in Zukunft», sagt sie in Luanda. Nach Angaben des deutschen AuĂenministers Johann Wadephul wurden alle Fragen, die Nato und EU betreffen, aus dem Entwurf entfernt. Das bestĂ€tigte auch US-AuĂenminister Marco Rubio, der die US-Delegation in Genf anfĂŒhrte.
Auf was kommt es jetzt an?
FĂŒr den weiteren Verlauf der Verhandlungen ist entscheidend, wie Russland reagiert. «Der nĂ€chste Schritt muss sein: Russland muss an den Tisch», forderte Merz. Solange sich Russland nicht bewege, komme kein Prozess in Gang. «Und wenn's keinen Prozess gibt, gibt es keinen Frieden.»Â
Die erste Reaktion aus Russland war aber reserviert. PrĂ€sident Wladimir Putin wiederholte nach einem Telefonat mit dem tĂŒrkischen PrĂ€sidenten Recep Tayyip Erdogan zunĂ€chst nur, der alte US-Plan könne Grundlage fĂŒr ein Ende des Kriegs sein. Am Nachmittag wurde der auĂenpolitische Berater von Putin, Juri Uschakow, deutlicher. Die neuen VorschlĂ€ge seien «nicht konstruktiv». «Uns passt das nicht», sagte er. Russland befasse sich mit dem, was auf offiziellem Weg ĂŒbermittelt worden sei. Und das sei der 28-Punkte-Plan von Trump.
Wie geht es jetzt weiter?
Der Verhandlungsprozess gilt als sehr dynamisch. Die Erleichterung der EuropĂ€er kann auch schnell wieder in die andere Richtung umschlagen. Dessen sind sich die Beteiligten bewusst. Fest steht, dass in den nĂ€chsten Tagen zahlreiche weitere GesprĂ€che gefĂŒhrt werden.Â
Die Genfer UnterhĂ€ndler kehrten in ihre HauptstĂ€dte zurĂŒck und stimmen die Ergebnisse nun mit ihren Staats- und Regierungschefs ab. Von der Leyen kĂŒndigte an, dass es an diesem Dienstag GesprĂ€che im Kreis der sogenannten Koalition der Willigen geben werde. In der Ukraine-UnterstĂŒtzergruppe sind neben EU-Staaten wie Deutschland und Frankreich auch Nicht-EU-LĂ€nder wie GroĂbritannien und Norwegen dabei.
Entscheidend wird aber die RĂŒckkopplung mit Russland sein. Diese Aufgabe dĂŒrfte nun den USA als Vermittler und Initiator des Prozesses zukommen. Auf welcher Ebene das geschehen wird, ist nicht bekannt.Â
Auch die GesprĂ€che zwischen der Ukraine und den USA werden weitergehen. In einer gemeinsamen ErklĂ€rung, die in Kiew und Washington verbreitet wurde, hieĂ es, beide Seiten seien sich einig, die intensive Arbeit an dem Vorschlag «in den kommenden Tagen» fortzusetzen und sich dabei weiter eng mit den europĂ€ischen Partnern abzustimmen. Finale Entscheidungen zu dem neuen Plan wĂŒrden von Trump und Selenskyj getroffen.
Welches ist die zentrale Frage?
Am schwierigsten ist die Frage der russischen GebietsansprĂŒche zu lösen. ZugestĂ€ndnisse an dieser Stelle sind fĂŒr die EuropĂ€er eigentlich genauso inakzeptabel wie fĂŒr die Ukraine. Dass Grenzen nicht als Ergebnis eines Angriffskriegs verschoben werden dĂŒrfen, gilt ihnen eigentlich wie den Ukrainern als eiserner Grundsatz.Â
Der derzeitige Frontverlauf mĂŒsse Ausgangspunkt fĂŒr Verhandlungen und nicht deren Endpunkt sein, betonte Wadephul. Klar sei fĂŒr ihn, Russland mĂŒsse als Verursacher des Kriegs «im Wesentlichen die Konsequenzen zu tragen haben».
Wie weit ist es noch bis zu einem Frieden?Â
Die USA bauen massiven Druck auf. Rubio sprach von «enormen Fortschritten», die erzielt worden seien. Die noch offenen Punkte seien «nicht unĂŒberwindbar», sagte er - ohne Details zu nennen.Â
Trotzdem sieht er die fĂŒr Donnerstag gesetzte Frist nicht mehr als zwingend an. Er ging so weit, die Frist fĂŒr die Ukraine zur Zustimmung zum Friedensplan aufzuweichen. Zwar wĂŒnsche er sich - wie auch Trump - einen Abschluss bis Donnerstag - doch «ob Donnerstag, Freitag, Mittwoch oder Montag kommende Woche» sei angesichts des Sterbens in der Ukraine nachrangig.Â
Merz drĂŒckte im Vergleich dazu ziemlich deutlich auf die Bremse. «Das ist ein mĂŒhsamer Prozess. Der wird in dieser Woche allenfalls kleinere Schritte vorangehen», sagte er in Luanda.







