Schmit fĂŒhrt Sozialdemokraten in EU-Wahl
03.03.2024 - 11:13:29Die europĂ€ischen Sozialdemokraten haben den derzeitigen EU-Arbeitskommissar Nicolas Schmit zum Spitzenkandidaten fĂŒr die anstehende Europawahl bestimmt. Die Delegierten eines Parteikongresses in Rom wĂ€hlten Schmit am Samstag mit groĂer Zustimmung zum Spitzenmann fĂŒr die Wahl Anfang Juni. Die Sozialdemokratische Partei Europas (SPE) will mit dem Luxemburger die FĂŒhrung der EU-Kommission ĂŒbernehmen und die Kommissionschefin Ursula von der Leyen ablösen.
Die mehr als 1500 Delegierte und UnterstĂŒtzer reagierten auf die Wahl Schmits mit lang anhaltendem Applaus. Schmit kĂŒndigte einen harten Kampf um ein gemeinsames Europa an. Es sei eines seiner wichtigsten Ziele, die europĂ€ischen Werte zu verteidigen und gegen den Rechtsruck in Europa zu kĂ€mpfen. Er wolle Respekt und keinen Hass, sagte Schmit auf dem Kongress. «Die beste Antwort auf die extreme Rechte ist unsere Vision und unser Projekt fĂŒr Europa, damit jeder BĂŒrger und jedes Kind ein besseres Leben haben kann.»Â
Betonung der europÀischen Sicherheitspolitik
Schmit betonte die Wichtigkeit einer europĂ€ischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik. «Wir als EuropĂ€er mĂŒssen unsere Sachen in die Hand nehmen.» Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine sagte der Politiker: «Die Ukraine verdient jede UnterstĂŒtzung. Aus ganzem Herzen wiederhole ich daher unser Versprechen: Wir werden sie niemals aufgeben.»
Der 70 Jahre alte Schmit ist seit 2019 EU-Kommissar fĂŒr BeschĂ€ftigung und soziale Rechte. Vorher war er mehrere Jahre Arbeitsminister in der luxemburgischen Regierung. Schmit studierte in Frankreich und machte dort auch seinen Doktor in Wirtschaftswissenschaften.
Neben der Nominierung des Spitzenkandidaten lĂ€utete die Parteifamilie mit dem Kongress ihren Wahlkampf fĂŒr die EU-Wahl ein und beschloss ihr Wahlprogramm. Im Vergleich zur Europawahl 2019 werden den Sozialdemokraten in Umfragen in diesem Jahr kaum Zugewinne prognostiziert, eher Verluste. Die EuropĂ€ische Volkspartei (EVP) liegt vorn. Im Aufwind sind allerdings EU-kritische und rechte Parteien in einigen LĂ€ndern.
Der Posten des EU-KommissionsprĂ€sidenten muss nach der Europawahl im Juni neu besetzt werden. Ernannt wird in der Regel ein Kandidat der europĂ€ischen Parteienfamilie, die bei der Europawahl am besten abschneidet. Wegen des klaren Vorsprungs der EVP sind die Chancen also groĂ, dass Ursula von der Leyen PrĂ€sidentin bleiben kann. Ende der Woche wird sie von der EVP bei einem Kongress in Bukarest offiziell als Spitzenkandidatin nominiert.
Scholz' Rede und Haltung zur Ukraine
Bei dem Parteikongress war neben weiteren Regierungschefs auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) dabei. In seiner mit Spannung erwarteten Rede verteidigte er seine Linie, keine Soldaten in die Ukraine zu entsenden. «Wir werden keine europÀischen Soldaten in die Ukraine schicken. Wir wollen den Krieg zwischen Russland und der Nato nicht, und wir werden alles tun, um ihn zu verhindern», sagte er.
Der SchlĂŒssel zur Wiederherstellung des Friedens in Europa sei die anhaltende UnterstĂŒtzung des Westens fĂŒr die Ukraine in der Abwehr des russischen Angriffskrieges, sagte Scholz weiter. Gleichzeitig forderte er, dass die EU mehr in ihre eigene Sicherheit und Verteidigung investiert. Das bedeute auch, engstirnige Eigeninteressen zurĂŒckzustellen.
Scholz reagierte damit erneut auf einen VorstoĂ von Frankreichs PrĂ€sidenten Emmanuel Macron. Dieser lieĂ kĂŒrzlich aufhorchen, als er einen solchen Einsatz von westlichen Bodentruppen nicht ausschloss. Aus Berlin kam bereits mehrfach eine Absage.


