Hochrechnung, Sieg

Hochrechnung bestĂ€tigt Sieg von Mitte-Rechts-BĂŒndnis

10.06.2024 - 00:08:49

Die Europawahl ist zu Ende. Und es gibt eine klare Gewinnerin - geht es jetzt fĂŒr Ursula von der Leyen ganz schnell?

Eine erste Hochrechnung nach dem Schließen aller Wahllokale bestĂ€tigt einen Sieg des Mitte-Rechts-BĂŒndnisses EVP bei der Europawahl. Die EVP-Spitzenkandidatin und CDU-Politikerin Ursula von der Leyen kann demnach trotz starker Zugewinne von Rechtsaußen-Parteien auf eine zweite Amtszeit als PrĂ€sidentin der EU-Kommission hoffen, wie aus den vom EuropĂ€ischen Parlament veröffentlichten Zahlen hervorgeht. 

Ihr Mitte-Rechts-BĂŒndnis mit den deutschen Parteien CDU und CSU kommt nach den jĂŒngsten Zahlen auf 189 Sitze (zuletzt 176 von 705) und damit auf mehr als ein Viertel der kĂŒnftig 720 Sitze. Es bleibt damit deutlich vor Sozialdemokraten, GrĂŒnen und Liberalen sowie den bisherigen rechtsnationalistischen und rechtspopulistischen Allianzen.

Starker Zugewinn fĂŒr rechte Parteien

Rechtsaußen-Parteien wie die AfD erzielten im Vergleich zur letzten Wahl vor fĂŒnf Jahren deutliche Gewinne. Insgesamt bleibt das klar proeuropĂ€ische Lager aber weiter das mit Abstand grĂ¶ĂŸte. Selbst wenn sich alle rechten Parteien zusammenschließen wĂŒrden, kĂ€men sie voraussichtlich auf weniger als 200 Sitze und wĂ€ren damit von einer Mehrheit weit entfernt. Diese liegt bei 361 Sitzen.

ZweitstĂ€rkstes Lager hinter dem Mitte-Rechts-BĂŒndnis EVP bleiben der Hochrechnung zufolge die Sozialdemokraten. Sie kommen demnach auf 135 Mandate (zuletzt 139). Danach folgen die Liberalen, die auf 80 Sitze abrutschen (zuletzt 102), sowie die zwei bisherigen rechtspopulistischen ParteienbĂŒndnisse EKR und ID, die teils deutlich gewinnen: EKR kommt auf 72 (zuletzt 69) Sitze, ID auf 58 (zuletzt 49). 

Nicht hineingerechnet sind dabei die AfD-Abgeordneten. Die AfD wird zu den fraktionslosen Parteien gezĂ€hlt, da sie kurz vor der Europawahl aus der ID-Fraktion ausgeschlossen worden war. Hintergrund waren unter anderem umstrittene Äußerungen des AfD-Spitzenkandidaten Maximilian Krah zur SS und eine China-SpionageaffĂ€re um einen Mitarbeiter Krahs.

Ein großer Verlierer der ersten Europawahl nach der verheerenden Corona-Pandemie und dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sind laut der Prognose die GrĂŒnen. Sie kommen demnach nur noch auf 52 Sitze (zuletzt 71). 

GesprĂ€che fĂŒr den Machterhalt

Als wahrscheinlich gilt, dass das Mitte-Rechts-BĂŒndnis EVP in den nĂ€chsten Tagen GesprĂ€che mit Sozialdemokraten, Liberalen und GrĂŒnen fĂŒhren wird, um eine lose Zusammenarbeit zu vereinbaren, die dann auch eine Mehrheit fĂŒr die Wahl von Ursula von der Leyen sichern könnte. Die EVP beanspruchte bereits den Kommissionsvorsitz: Der Gewinner der Wahl habe nun das Recht, den KommissionsprĂ€sidenten zu stellen, sagte EVP-Chef Manfred Weber (CSU) am Sonntagabend in BrĂŒssel. 

Vertreter von GrĂŒnen, Liberalen und Sozialdemokraten gaben am Sonntagabend die ersten positiven Signale. Die Spitzenkandidatin der GrĂŒnen, Terry Reintke, sagte, sie sei bereit, zu verhandeln. Die Liberalen und Sozialdemokraten Ă€ußerten sich Ă€hnlich. 

Theoretisch könnten zudem auch noch Kooperationsmöglichkeiten mit einzelnen rechten Parteien ausgelotet werden. So hat die EVP eine Zusammenarbeit mit der italienischen MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni vor der Wahl nicht ausgeschlossen. Ihre rechtspopulistische Partei Fratelli d’Italia gehörte bislang zur rechtskonservativen EKR-Fraktion und erhielt in Italien die meisten Stimmen.

Mehrheitsfindung könnte schwieriger werden

FĂŒr die kĂŒnftigen MachtverhĂ€ltnisse im Parlament ist auch relevant, ob sich eventuell Parteien aus den bisherigen rechten BĂŒndnissen EKR und ID zu einer neuen Allianz zusammentun. Die Französin Marine Le Pen hatte dafĂŒr zuletzt bei der italienischen Regierungschefin Meloni geworben. Le Pens rechtsnationale Partei Rassemblement National kam in Frankreich auf 31,5 bis 32,4 Prozent der Stimmen.

Ob die EU-Politik als Ganzes nun nach rechts rĂŒckt, hĂ€ngt allerdings nicht nur von den Mehrheiten im neu gewĂ€hlten Parlament ab. Entscheidend sind dabei auch die KrĂ€fteverhĂ€ltnisse im Rat der EU-Staaten. Eine wichtige Rolle dĂŒrfte dabei der Ausgang der PrĂ€sidentschaftswahl 2027 in Frankreich spielen.

GrundsĂ€tzlich könnte es so sein, dass die Mehrheitsfindung im EuropĂ€ischen Parlament noch einmal schwieriger wird. Nach der Prognose wird es zum zweiten Mal nach 2019 so sein, dass das Mitte-Rechts-BĂŒndnis EVP und der sozialdemokratische Verbund S&D zusammen nicht auf eine Mehrheit kommen. Nicht nur fĂŒr Personalentscheidungen werden sich die beiden Lager deswegen mit anderen Parteien zusammentun mĂŒssen. GrundsĂ€tzlich ist das Parlament gemeinsam mit dem EU-Ministerrat dafĂŒr zustĂ€ndig, EU-Gesetze und den EU-Haushalt zu beschließen.

Höhere Wahlbeteiligung

Einer ersten SchĂ€tzung zufolge liegt die Wahlbeteiligung bei der Europawahl EU-weit bei rund 51 Prozent. Das sei voraussichtlich etwas höher als die Beteiligung vor fĂŒnf Jahren, teilte das Parlament mit. 2019 lag die Beteiligung nach EU-Angaben bei 50,66 Prozent. 

Das EuropĂ€ische Parlament ist das einzige direkt gewĂ€hlte Organ in der EU. Seine Abgeordneten werden seit 1979 von den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern der MitgliedslĂ€nder gewĂ€hlt.

@ dpa.de