Israel, WaffenruhegesprÀche

Israel fĂŒhrt WaffenruhegesprĂ€che vorerst auf Sparflamme

09.02.2025 - 06:25:00

Die Freilassung von drei Hamas-Geiseln erinnert an die furchtbaren UmstĂ€nde, unter denen Dutzende EntfĂŒhrte in Gaza noch immer leiden mĂŒssen. Findet sich fĂŒr sie eine Lösung auf diplomatischem Weg?

  • Die Hamas ließ im Gazastreifen drei weitere Geiseln frei und ĂŒbergab sie dem Roten Kreuz.  - Foto: Abdel Kareem Hana/AP/dpa

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  • In der katarischen Hauptstadt Doha soll ĂŒber die weitere Ausgestaltung der Waffenruhe verhandelt werden. (Archivbild)  - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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  • Über den teilweise vom israelischen MilitĂ€r gerĂ€umten Nezarim-Korridor gingen schon bisher hunderttausende PalĂ€stnenser in die StĂ€dte von Nord-Gaza zurĂŒck. (Archivbild) - Foto: Str/APA Images via ZUMA Press Wire/dpa

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  • Ohad Ben Ami auf einem undatierten Bild vor der EntfĂŒhrung und bei seiner Freilassung aus der Geiselhaft. - Foto: Uncredited/Abdel Kareem Hana/Hostages Family Forum/AP/dpa

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  • Bei einem israelischen Luftangriff auf eine Waffenfabrik der Hisbollah in der Bekaa-Ebene sollen sechs Menschen getötet worden sein. (Archivbild) - Foto: Maher Kamar/XinHua/dpa

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Die Hamas ließ im Gazastreifen drei weitere Geiseln frei und ĂŒbergab sie dem Roten Kreuz.  - Foto: Abdel Kareem Hana/AP/dpaIn der katarischen Hauptstadt Doha soll ĂŒber die weitere Ausgestaltung der Waffenruhe verhandelt werden. (Archivbild)  - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpaÜber den teilweise vom israelischen MilitĂ€r gerĂ€umten Nezarim-Korridor gingen schon bisher hunderttausende PalĂ€stnenser in die StĂ€dte von Nord-Gaza zurĂŒck. (Archivbild) - Foto: Str/APA Images via ZUMA Press Wire/dpaOhad Ben Ami auf einem undatierten Bild vor der EntfĂŒhrung und bei seiner Freilassung aus der Geiselhaft. - Foto: Uncredited/Abdel Kareem Hana/Hostages Family Forum/AP/dpaBei einem israelischen Luftangriff auf eine Waffenfabrik der Hisbollah in der Bekaa-Ebene sollen sechs Menschen getötet worden sein. (Archivbild) - Foto: Maher Kamar/XinHua/dpa

Angehörige der im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln werfen Israels Regierung vor, die nÀchste Runde der Waffenruhe-GesprÀche mit der Hamas nicht entschlossen genug anzugehen. Sie kritisieren das begrenzte Mandat der israelischen Delegation, die zu den Verhandlungen nach Katar geschickt wurde, und warnen vor einer Wiederaufnahme des Gaza-Kriegs.

MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu habe die UnterhĂ€ndler angewiesen, vorerst nur ĂŒber «technische Einzelheiten» zu verhandeln, berichteten israelische Medien unter Berufung auf hohe Regierungsbeamte. Die Delegation ist demnach auch weniger hochkarĂ€tig besetzt als bei frĂŒheren Runden: Ihr wĂŒrden nicht die sonst meist nach Doha entsandten Chefs des Auslands- und Inlandsgeheimdiensts angehören, sondern diesmal nur höhere Beamte sowie der israelische Geisel-Koordinator, der pensionierte General Gal Hirsch.

Die indirekten GesprĂ€che in Doha, bei denen Katar, Ägypten und die USA vermitteln, sollen sich um die zweite Phase der Waffenruhe drehen, die Ende des Monats beginnen mĂŒsste. Diese soll zu einem endgĂŒltigen Ende des Kriegs und zur Freilassung der restlichen Geiseln fĂŒhren, die noch am Leben sind. Kritiker werfen Netanjahu vor, diesbezĂŒgliche Schritte aus RĂŒcksicht auf die politische Rechte in Israel hinauszögern. Hardliner verlangen, die Forderungen der Hamas nicht zu erfĂŒllen und die palĂ€stinensische Terrororganisation stattdessen vollstĂ€ndig zu vernichten.

Netanjahu: «Wir werden die Hamas eliminieren»

«Wir werden alles tun, um unsere Geiseln nach Hause zu bringen», versprach Netanjahu in einer Videobotschaft. «Wir werden die Hamas eliminieren, und wir werden unsere Geiseln nach Hause bringen.» Das Kabinett werde am Sonntag zusammentreten, um die zweite Phase der seit 19. Januar geltenden, aber fragilen Waffenruhe zu erörtern. Ein Verschwinden der Hamas aus Gaza, wo sie 2007 die Macht an sich gerissen hatte, ist unter den geltenden Bedingungen des Waffenruhe-Abkommens kaum vorstellbar.

Ein Mitglied des Hamas-PolitbĂŒros namens Bassem Naim sagte dem arabischen Sender Al-Dschasira, die Islamistenorganisation sei bereit dazu, alle HĂŒrden fĂŒr die Umsetzung des Abkommens aus dem Weg zu rĂ€umen. Allerdings wende Israel «schmutzige Tricks» an und unterlaufe damit die Abmachung. Dass Hilfslieferungen verzögert und weiterhin PalĂ€stinenser im Gazastreifen getötet wĂŒrden, gefĂ€hrde den mĂŒhsam ausgehandelten Deal.

Weiterer TeilrĂŒckzug des MilitĂ€rs

Mit der am Samstag erfolgten Freilassung von drei israelischen Hamas-Geiseln und 183 palĂ€stinensischen HĂ€ftlingen aus israelischen GefĂ€ngnissen wurde eine weitere Teilabmachung erfĂŒllt. In einem nĂ€chsten Schritt sollte sich das israelische MilitĂ€r in der Nacht zum Sonntag aus dem sogenannten Nezarim-Korridor zurĂŒckziehen, der den abgeriegelten Gazastreifen in eine nördliche und eine sĂŒdliche HĂ€lfte teilt. In einer dritten Phase der Waffenruhe sollen die Leichen getöteter Geiseln zurĂŒckgefĂŒhrt werden und der Wiederaufbau des Gazastreifens beginnen. 

Israel hatte sich nach Beginn der Waffenruhe bereits aus einem Teil des strategisch bedeutsamen Nezarim-Korridors zurĂŒckgezogen. Nun soll es ihn - abgesehen von einem ein Kilometer breiten Gebiet unmittelbar an der Grenze zu Israel - vollstĂ€ndig rĂ€umen. Damit könnten PalĂ€stinenser, die infolge des Krieges aus den StĂ€dten des Nordens in den SĂŒden vertrieben wurden, in noch grĂ¶ĂŸerer Zahl als bisher in ihre großteils zerstörten Wohnorte zurĂŒckkehren. Eine BestĂ€tigung fĂŒr einen erfolgten RĂŒckzug des MilitĂ€rs gab es in der Nacht nicht.

Die Freilassung der drei Geiseln am Samstag machte derweil erneut deutlich, wie dramatisch das Los der Verschleppten ist, die seit mehr als einem Jahr in der Gewalt der Hamas sind und nicht wissen, ob und wann sie ihre Familien wiedersehen werden. Ohad Ben Ami (56), Or Levy (34) und Eli Scharabi (52) erschienen nach 16 Monaten Geiselhaft schwer gezeichnet: geschwÀcht, blass und abgemagert. 

Den Vater kaum wiedererkannt

Die Tochter von Ben Ami sagte israelischen Medien zufolge, sie habe ihren Vater kaum wiedererkannt. Sie wolle ihn einfach nur umarmen, sagte Ella Ben Ami. «So sieht ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit aus», erklÀrte der israelische StaatsprÀsident Isaac Herzog angesichts des Zustands der Geiseln. PalÀstinensische Terroristen hatten sie und rund 250 andere wÀhrend des Massakers am 7. Oktober 2023 aus Israel in den Gazastreifen verschleppt. 

Seit Beginn der Waffenruhe hat die Hamas nun 16 von 33 israelischen Geiseln freigelassen, die wÀhrend der ersten Phase der dreistufigen Vereinbarung freigelassen werden sollen. Insgesamt 76 Geiseln werden jetzt noch im Gazastreifen festgehalten, wobei 35 von ihnen israelischen Angaben zufolge tot sind. Die nÀchsten Geiseln sollen am kommenden Wochenende freikommen.

Das Forum der Geiselangehörigen warf Netanjahus Regierung vor, wertvolle Zeit zu verschwenden: «Wie kommt es, dass das Kabinett nach den schockierenden Bildern von Eli, Ohad und Or nicht sofort zusammentrat? Was fĂŒr Beweise braucht es noch, dass die EntscheidungstrĂ€ger die kritische Dringlichkeit der Freilassung der 76 Geiseln einsehen?», hieß es in einer Stellungnahme.

Luftangriffe im Libanon und in Syrien 

Die israelische Luftwaffe bombardierte unterdessen militĂ€rische Ziele im Libanon und in Syrien. Bei einem Drohnenangriff auf eine Basis der Hisbollah-Miliz in der libanesischen Bekaa-Ebene seien sechs Menschen getötet und zwei verletzt worden, berichtete die libanesische Nachrichtenagentur NNA. Das israelische MilitĂ€r bestĂ€tigte einen Luftangriff auf Hisbollah-KĂ€mpfer in einer Waffenfabrik. Diese hĂ€tten mit ihren AktivitĂ€ten gegen die Ende November zwischen Israel und der Hisbollah erzielte Waffenruhe-Vereinbarung verstoßen.

In der NĂ€he der syrischen Hauptstadt Damaskus bombardierte die Luftwaffe eigenen Angaben zufolge ein Waffenlager der Hamas. Die Syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte mit Sitz in London, die die Lage in Syrien mit einem Netzwerk aus Aktivisten verfolgt, bestĂ€tigte den Angriff auf das Depot in Deir Ali, 25 Kilometer sĂŒdlich von Damaskus. Verletzte gab es demnach nicht.

Israel hat in Syrien seine Angriffe auf mutmaßliche Waffenlager und Nachschubwege der Hamas und der mit ihr verbĂŒndeten Hisbollah-Miliz seit dem 8. Dezember deutlich ausgeweitet. An jenem Tag hatten Rebellen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad gestĂŒrzt. Er floh anschließend nach Moskau. Hisbollah und Hamas waren mit der Assad-FĂŒhrung verbĂŒndet.

@ dpa.de