Iran, USA

Warum ein Deal zwischen dem Iran und den USA so schwer ist

13.06.2026 - 05:51:49 | dpa.de

Die Hoffnung auf eine Einigung zwischen den USA und dem Iran wÀchst. Aber ist sie auch berechtigt? Und warum gestalten sich die Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien eigentlich so kompliziert?

  • Laut US-PrĂ€sident Trump war ein Abkommen mit dem Iran schon mehrmals zum Greifen nah. - Bild: Jacquelyn Martin/AP/dpa
    Laut US-PrÀsident Trump war ein Abkommen mit dem Iran schon mehrmals zum Greifen nah. - Bild: Jacquelyn Martin/AP/dpa
  • In Irans Hauptstadt Teheran geht wĂ€hrend der Verhandlungen das Leben weiter. - Bild: Vahid Salemi/AP/dpa
    In Irans Hauptstadt Teheran geht wÀhrend der Verhandlungen das Leben weiter. - Bild: Vahid Salemi/AP/dpa
  • Die SicherheitskrĂ€fte im Iran spielen eine gewichtige Rolle bei der Machtverteilung. (Archivbild) - Bild: Vahid Salemi/AP/dpa
    Die SicherheitskrÀfte im Iran spielen eine gewichtige Rolle bei der Machtverteilung. (Archivbild) - Bild: Vahid Salemi/AP/dpa
Laut US-PrÀsident Trump war ein Abkommen mit dem Iran schon mehrmals zum Greifen nah. - Bild: Jacquelyn Martin/AP/dpa In Irans Hauptstadt Teheran geht wÀhrend der Verhandlungen das Leben weiter. - Bild: Vahid Salemi/AP/dpa Die SicherheitskrÀfte im Iran spielen eine gewichtige Rolle bei der Machtverteilung. (Archivbild) - Bild: Vahid Salemi/AP/dpa

Nach langem Hin und Her rund um ein Abkommen zwischen dem Iran und den USA scheint ein Deal in greifbare NĂ€he zu rĂŒcken. Laut dem Vermittler Pakistan haben sich Vertreter aus Washington und Teheran auf eine Vereinbarung verstĂ€ndigt. Sowohl US-PrĂ€sident Donald Trump als auch die FĂŒhrung im Iran hatten zuvor signalisiert, dass ein Abkommen kurz vor dem Abschluss steht. Aber was soll darin festgehalten werden - und könnte der vorlĂ€ufige Kompromiss wirklich auf ein Ende des Kriegs hinauslaufen?

Was ist ĂŒber den aktuellen Verhandlungsstand bekannt?

Im GesprĂ€ch ist derzeit zunĂ€chst einmal ein sogenanntes Rahmenabkommen zur Beendigung des Kriegs zwischen dem Iran und den USA, das Ausgangspunkt fĂŒr vertiefte Verhandlungen innerhalb eines Zeitrahmens von 60 Tagen sein könnte.

Trump zufolge sieht die Vereinbarung eine Öffnung der fĂŒr den globalen Handel mit Öl, Gas und DĂŒnger wichtigen Straße von Hormus vor. Medienberichten zufolge soll dieser Schritt binnen 30 Tagen vollzogen sein - und im Gegenzug laut Trump die US-Seeblockade iranischer HĂ€fen aufgehoben werden. 

Die Vereinbarung soll laut einem ranghohen US-Beamten zudem dazu fĂŒhren, dass das iranische Atomprogramm zurĂŒckgebaut wird - und die Vereinigten Staaten das angereicherte Uran erhalten, das sonst theoretisch fĂŒr den Bau von Atomwaffen genutzt werden könnte, wie nicht nur Israels Regierung befĂŒrchtet. Das Material solle vor Ort unschĂ€dlich gemacht und anschließend aus dem Land gebracht werden, erklĂ€rte der US-Beamte.

Nach US-Darstellung hat Teheran auch zugestimmt, Terrorgruppen in der Region nicht weiter zu finanzieren. In der Vereinbarung soll demnach ferner festgehalten werden, dass die territoriale SouverÀnitÀt des Irans respektiert wird. 

Eingefrorene iranische Vermögenswerte im Ausland könnten freigegeben werden – jedoch laut Regierungskreisen in Washington nicht direkt mit der Unterzeichnung eines Rahmenabkommens. Vielmehr wĂŒrden solche Schritte genau wie Lockerungen von Sanktionen erst erfolgen, wenn Teheran entsprechende Gegenleistungen erbracht hat.

Der Iran hĂ€lt sich mit Angaben zum Inhalt des möglichen Abkommens bedeckt. Außenminister Abbas Araghtschi bestĂ€tigte nur, dass ein Deal zum Greifen nah sei. «Bis zur endgĂŒltigen Fertigstellung sollten sich die Medien mit Spekulationen ĂŒber ihren Inhalt zurĂŒckhalten», fĂŒgte er hinzu. Die Iraner betrachten die USA ohnehin kaum noch als verlĂ€sslichen Verhandlungspartner - und umgekehrt gilt dasselbe. 

Welche Rolle spielt das iranische Atomprogramm?

Einer der schwierigsten Streitpunkte in den Verhandlungen ist das iranische Atomprogramm und die Frage, wie es mit den UranbestĂ€nden des Landes weitergehen soll. Dem Vernehmen nach verfĂŒgt der Iran ĂŒber mehr als 400 Kilogramm hochangereichertes Uran, das relativ leicht in waffenfĂ€higes Material umgewandelt werden könnte.

Die politische FĂŒhrung der Islamischen Republik beteuert zwar, sie strebe nicht nach Atomwaffen. Israels Regierung schenkt diesen Beteuerungen aber keinen Glauben und sieht den jĂŒdischen Staat durch den Erzfeind in seiner Existenz bedroht. Auch in anderen Staaten und innerhalb der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) gab es in den vergangenen Jahren BefĂŒrchtungen, dass sich der Iran dem Punkt nĂ€hert, an dem er Atomwaffen herstellen könnte. 

Es wird erwartet, dass ĂŒber das Atomprogramm nach Abschluss des Rahmenabkommens innerhalb einer 60-tĂ€gigen Frist weiter und intensiver verhandelt wird. Ähnliche Verhandlungen ĂŒber das bisher letzte große Abkommen mit dem Iran, den in Wien geschlossenen Atomdeal von 2015, dauerten fast zwei Jahre.

Was ist mit den Kriegszielen der USA und Israels?

Am 28. Februar begannen die USA und Israel mit ihren Angriffen auf den Iran, seit gut zwei Monaten gilt die Ă€ußerst fragile und schon mehrmals gebrochene Waffenruhe. ErklĂ€rtes Kriegsziel war es, den Iran davon abzuhalten, Atombomben zu entwickeln.

Die USA und Israel pochen darauf, dass das hochangereicherte Uran aus dem Iran entfernt wird. Teheran hat den Forderungen offiziell bislang nicht zugestimmt. FĂŒr Trump dĂŒrfte es allerdings schwierig werden, seiner unter deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten leidenden WĂ€hlerschaft den Ă€ußerst kostspieligen Krieg als Erfolg zu prĂ€sentieren, sollte das potenziell fĂŒr Atomwaffen verwendbare Material im Iran bleiben.

Israels Regierung ist zudem weiterhin sehr interessiert daran, die iranische FĂŒhrung zu stĂŒrzen. Zu Beginn des Kriegs hatte auch Trump die iranische Bevölkerung ermutigt, sich ihrer Regierung zu entledigen. SpĂ€ter Ă€ußerte er sich dann nicht mehr dazu. Trump wurde daraufhin vorgeworfen, Gegner des Machtapparats nach vollmundigen AnkĂŒndigungen im Stich gelassen zu haben.

In Israel heißt es, fĂŒr MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu sei ein Machtwechsel in Teheran weitaus wichtiger als fĂŒr die US-Regierung. Bei ihren Angriffen töteten beide LĂ€nder zwar zahlreiche hochrangige Politiker und MilitĂ€rvertreter, allen voran den obersten iranischen FĂŒhrer, Ajatollah Ali Chamenei. Doch das System besteht weiter und der Machtapparat scheint momentan ausreichend gefestigt, um den Krieg noch weiter auszusitzen.

Was erhofft sich der Iran von den Verhandlungen?

Gegen den Iran wurden im Laufe der Jahre umfangreiche Sanktionen verhĂ€ngt, die zu einer tiefen Wirtschaftskrise im Land beigetragen haben. Als maßgebliche GrĂŒnde fĂŒr die Sanktionen wurden das umstrittene Atomprogramm, Menschenrechtsverletzungen und die iranische UnterstĂŒtzung fĂŒr Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine angefĂŒhrt. Über Jahre pochte das Land in Atom-Verhandlungen mit dem Westen vergeblich auf die Aufhebung der Restriktionen.

Aufgrund der aktuellen Krise, die lĂ€ngst globale Effekte hat und Trump vor den wichtigen Zwischenwahlen im November innenpolitisch stark unter Druck setzt, wĂ€hnt sich die iranische FĂŒhrung mit der Straße von Hormus als Faustpfand in einer gĂŒnstigen Verhandlungsposition. Eine Freigabe eingefrorener Vermögenswerte im Ausland und die Aufhebung von Sanktionen könnte der Iran als Erfolg gegenĂŒber dem Verhandlungsstand vor dem Krieg verbuchen. Die eingefrorenen Vermögenswerte und Einnahmen aus dem iranischen EnergiegeschĂ€ft könnten bei Freigabe in den Wiederaufbau des Landes nach dem Krieg fließen – oder in die Produktion weiterer Waffen, wie Kritiker warnen.

SchĂ€tzungen ĂŒber die Höhe der im Ausland festgesetzten Geldsummen gehen auseinander. Vor einigen Jahren seien es noch etwa 100 Milliarden US-Dollar gewesen, mittlerweile gehe man eher von 90 bis 140 Milliarden aus, sagt Sanktionsexperte Sascha Lohmann von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Der Iran selbst forderte zuletzt die Freigabe von Vermögen im Wert von 24 Milliarden US-Dollar. In US-Medienberichten hieß es wiederum, Trumps Regierung wolle verbĂŒndeten Golfstaaten iranisches Geld zur VerfĂŒgung stellen, um dortige KriegsschĂ€den zu beheben.

Auch eine Waffenruhe zwischen Israel und der vom Iran unterstĂŒtzten Hisbollah-Miliz im Libanon hat Teheran zur PrioritĂ€t gemacht. Eigentlich ist solch eine Waffenruhe aus Sicht des Irans und nach Darstellung des Vermittlerstaats Pakistan bereits Teil der zwischen den USA und dem Iran vereinbarten Feuerpause, die seit April gilt. Israel und die Hisbollah griffen sich danach aber weiter an. Wie eine Überwachung der Waffenruhe im Libanon im Rahmenabkommen festgehalten werden könnte, ist unklar.

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