Tais, Huthi-Miliz

Tais im Jemen: Huthi kesseln drittgrößte Stadt ein

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 00:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Huthi-Miliz drängt auf eine vollständige Umzingelung der strategisch wichtigen Stadt. Für Hunderttausende Bewohner verschärft sich damit die Versorgungskrise, während Hilfsorganisationen viele Gebiete nicht mehr erreichen.

Versorgungslage in Tais verschärft sich

  • Die Huthi versuchen seit Wochen, Tais im Jemen vollständig zu umzingeln.
  • Das Welternährungsprogramm nennt 600.000 hilfsbedürftige Menschen in der Stadt.
  • Ein Bewohner floh mit seiner Familie nach einer 17-stündigen Fahrt nach Aden.
Die Lage in Jemens drittgrößter Stadt Tais verschärft sich weiter. (Archivbild) - Bild: Maad Al Zekri/AP/dpa

Huthi rücken in Tais vor

Im Jemen sind Hunderttausende Bewohner der Stadt Tais wegen des Vormarsches der Huthi-Rebellen zunehmend von der Außenwelt abgeschnitten. Kämpfer der schiitischen Miliz versuchen seit Wochen, die Stadt vollständig zu umzingeln, möglicherweise mit dem Ziel, die Regierung und mit ihr verbündete Kämpfer zu vertreiben.

Wasser und Grundnahrungsmittel werden knapp

Tais ist nach Sanaa und Aden die drittgrößte Stadt des Jemen und war im seit zehn Jahren laufenden Bürgerkrieg wiederholt umkämpft. Anwohner berichten von einer schwierigen Suche nach Gasflaschen, Mehl und Wasser; Trinkwasser werde teils nur noch in Literflaschen und mit Höchstmengen pro Familie verkauft.

Auch Diesel und Wasser für den häuslichen Gebrauch seien kaum noch zu finden. Einige Händler sollen Waren horten. Die Knappheit treibt die Preise für Lebensmittel und Treibstoff nach oben und verschärft die Angst unter der Bevölkerung.

Hilfsorganisationen erreichen viele Gebiete nicht

Wegen anhaltender Gefechte sind zahlreiche Gebiete für humanitäre Helfer nicht mehr befahrbar, zudem wurden Straßen gesperrt. Das Welternährungsprogramm teilte mit, rund 800.000 Menschen im Jemen könnten deshalb nicht mehr versorgt werden, darunter 600.000 Menschen in Tais, die auf Hilfe angewiesen seien.

Stadt war bereits jahrelang blockiert

Tais liegt zwischen dem zentralen Hochland und der Westküste am Roten Meer und gilt als Zugangspunkt zur Hafenstadt Aden, dem politischen Zentrum des Südens. Die Huthi blockierten dort ab 2015 wichtige Straßen und hielten Anwohner an Kontrollpunkten davon ab, die Stadt zu verlassen.

Die faktische Belagerung dauerte Jahre. 2024 wurden Straßen teilweise geöffnet, doch im Zuge der neuen Huthi-Offensive ist Tais wieder eingekesselt. Die vom Iran unterstützte Miliz ist ein Verbündeter Teherans.

Familien fliehen nach Aden

Der Bewohner Abdullah al-Hadsch sagte, er habe schwierige und schmerzhafte Tage erlebt. Aus Angst vor einer Übernahme durch die Huthi sei er mit seiner Familie nach Aden geflohen; die Fahrt habe 17 Stunden gedauert.

In Aden habe die Familie trotz finanzieller Sorgen in einem teuren Hotel schlafen müssen. Al-Hadsch hoffe, dass der Jemen zu Frieden und Harmonie zurückkehren könne.

Die Lage in Tais verbindet militärischen Druck mit einer akuten Versorgungskrise. Die Stadt liegt an einer strategisch wichtigen Verbindung zwischen dem jemenitischen Hochland, der Westküste und Aden. Wer Tais kontrolliert oder den Zugang dorthin beherrscht, kann Verkehrswege und Nachschublinien im Westen des Landes beeinflussen.

Die erneute Abriegelung knüpft an die frühere Belagerung an, die 2015 begann und über Jahre den Zugang zu wichtigen Straßen erschwerte. Dass Straßen 2024 teilweise geöffnet wurden, hatte die Versorgungslage verbessert, machte die Stadt aber nicht dauerhaft sicher. Der nun gemeldete Vormarsch erhöht deshalb nicht nur das Risiko neuer Kämpfe, sondern auch den Druck auf eine bereits stark belastete Zivilbevölkerung.

Humanitäre Folgen

Besonders schwer wiegt, dass Hilfsorganisationen wegen Gefechten und gesperrter Straßen viele Gebiete nicht mehr erreichen. Nach Angaben des Welternährungsprogramms könnten landesweit rund 800.000 Menschen von der Unterbrechung betroffen sein, darunter 600.000 Hilfsbedürftige in Tais. Für die Bewohner bedeutet die Entwicklung steigende Preise, eingeschränkte Bewegungsfreiheit und eine wachsende Abhängigkeit von lokalen Händlern.

Ob aus der Einkesselung eine größere Schlacht entsteht, hängt vom weiteren militärischen Vorgehen der Huthi und vom Widerstand der mit der jemenitischen Regierung verbündeten Kräfte ab. Für die Bevölkerung ist die Verschärfung bereits vor einer möglichen Offensive spürbar: Wasser, Mehl, Gas und Diesel werden knapp, während eine Flucht nach Aden wegen der langen und teuren Reise nur für einen Teil der Familien möglich ist.

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