GesprÀche in Katar - Geiselangehörige drÀngen auf Gaza-Deal
12.01.2025 - 04:58:28WĂ€hrend die Menschen im Gazastreifen und die Angehörigen der von der Hamas entfĂŒhrten Geiseln auf einen Durchbruch bei den Gaza-Verhandlungen in Katar hoffen, geht der Krieg vorerst weiter. Bei israelischen Luftangriffen sollen nach Angaben des von der islamistischen Hamas kontrollierten Zivilschutzes am Samstag mindestens 20 Menschen im Gazastreifen getötet worden sein.Â
In Israel demonstrierten unterdessen am Abend erneut Tausende fĂŒr ein Abkommen ĂŒber eine Freilassung der Geiseln und ein Ende des Kriegs. Bei einer Kundgebung in Tel Aviv forderte auch der Freund eines kĂŒrzlich tot im Gazastreifen gefundenen EntfĂŒhrungsopfers einen Deal mit der Hamas. Die Angehörigen der ĂŒbrigen Geiseln sollten nicht auch SĂ€rge umarmen mĂŒssen, sagte Masen Abu Siam, ein arabischer Israeli.Â
Sein 53 Jahre alter Freund und dessen 22-jĂ€hriger Sohn waren vor wenigen Tagen tot in einem Tunnel im Gazastreifen entdeckt worden. Die beiden MĂ€nner, die zu einer Beduinengemeinschaft gehören, wurden am 7. Oktober verschleppt und laut Armee in der Gefangenschaft der Hamas getötet. Der Gaza-Krieg habe auf beiden Seiten zu viel unnötigem BlutvergieĂen gefĂŒhrt, betonte der Freund des Vaters in Tel Aviv.
Tote bei Angriffen im Gazastreifen
Im Gazastreifen gehen die Angriffe unterdessen unvermindert weiter. Bei mehreren israelischen Bombardements in der Stadt Gaza seien am Samstag mindestens neun PalĂ€stinenser getötet worden, sagte ein Sprecher des von der Hamas kontrollierten Zivilschutzes der Deutschen Presse-Agentur.Â
Bei einem Luftschlag auf ein ehemaliges SchulgelĂ€nde in Dschabalija im nördlichen Gazastreifen wurden den Angaben zufolge zudem mindestens acht Menschen getötet und mehrere verletzt. Nach Darstellung der palĂ€stinensischen Nachrichtenagentur Wafa waren auf dem getroffenen GelĂ€nde geflĂŒchtete Familien untergebracht. Ein israelischer Armeesprecher teilte mit, bei dem Luftangriff einen Kommandoposten der Hamas zerstört zu haben. Angaben ĂŒber getötete oder verletzte Hamas-KĂ€mpfer oder andere Opfer gab es von israelischer Seite nicht. Die Angaben beider Seiten lieĂen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Im nördlichen Gazastreifen kamen Armeeangaben zufolge zugleich vier israelische Soldaten ums Leben, zwei weitere wurden schwer verletzt.
Forum der Geiselfamilien sieht «historische Gelegenheit» fĂŒr Deal
Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu beschloss am Abend nach Angaben seines BĂŒros, eine Spitzendelegation zu den Verhandlungen ĂŒber eine Waffenruhe und die Geisel-Freilassung zu schicken. So sollen unter anderem der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, David Barnea, sowie der Chef des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, Ronen Bar, in Katars Hauptstadt Doha reisen. Das Forum der Geiselfamilien sprach von einer «historische Gelegenheit», die Freilassung der EntfĂŒhrten zu erreichen.
Auch der designierte US-PrĂ€sident Donald Trump drĂ€ngt Berichten zufolge auf einen raschen Deal noch vor seinem Amtsantritt am 20. Januar. Trumps Kandidat fĂŒr das Amt des US-Gesandten fĂŒr den Nahen Osten, Steve Witkoff, habe Netanjahu dies bei einem Treffen am Samstag mitgeteilt, berichteten israelische Medien.
Bericht: Armee genehmigt PlĂ€ne fĂŒr raschen Truppenabzug aus Gaza
Die israelische Zeitung «Haaretz» berichtete unterdessen, Israels Armee habe PlĂ€ne fĂŒr einen schnellen Truppenabzug aus groĂen Teilen des Gazastreifens genehmigt. Sie sei in der Lage, jede von der politischen FĂŒhrung genehmigte Vereinbarung umzusetzen, hieĂ es weiter. Die Hamas pocht auf einen Abzug des israelischen MilitĂ€rs aus dem Gazastreifen. Berichten zufolge zeigt sie inzwischen aber FlexibilitĂ€t bei der Umsetzung dieser Forderung. Der Abzug soll demnach schrittweise erfolgen.
Berichte ĂŒber SiedlerĂŒberfĂ€lle im Westjordanland
Die Lage im Westjordanland bleibt derweil angespannt. Bei Angriffen israelischer Siedler in zwei Dörfern im nördlichen Westjordanland sollen am Samstag mehrere Menschen verletzt worden sein, wie die palĂ€stinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete. Die palĂ€stinensischen Anwohner versuchten demnach, die Siedler abzuwehren. Dabei sei es auch zu ZusammenstöĂen mit der israelischen Armee gekommen.
Die Angaben lieĂen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. Israels Armee sagte auf Anfrage, es habe in beiden FĂ€llen «eine gewaltsame Auseinandersetzung» zwischen Israelis und PalĂ€stinensern gegeben. Israelische SicherheitskrĂ€fte hĂ€tten diese beendet. Die Angaben beider Seiten lieĂen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig verifizieren.
Nach einem Anschlag mit drei getöteten Israelis im nördlichen Westjordanland zu Beginn der Wochen hĂ€ufen sich die Berichte ĂŒber Ăbergriffe israelischer Siedler auf palĂ€stinensische Bewohner.Â
Israelische Siedler wollen Delegation zu Trumps AmtseinfĂŒhrung senden
Eine Dachorganisation fĂŒr die Selbstverwaltung israelischer Siedlungen im Westjordanland teilte unterdessen mit, eine Delegation zur AmtseinfĂŒhrung des kĂŒnftigen US-PrĂ€sidenten Donald Trump nach Washington schicken zu wollen. WĂ€hrend des Besuchs werde die Delegation einen Brief «als Ausdruck ihrer WertschĂ€tzung ĂŒbergeben», schrieb der Jescha-Rat auf Facebook.
Der Jescha-Rat sei zu der Veranstaltung eingeladen worden, sagte ihr Vorsitzender Israel Ganz dem rechtsreligiösen Nachrichtenportal «Arutz Sheva» zufolge. «Die Einladung, die wir von der Regierung erhalten haben, spiegelt die gemeinsamen Werte Israels, der Siedlungen und der USA wider, die auf biblischen Prinzipien beruhen», zitierte ihn das Portal.
Trump wird am 20. Januar als PrĂ€sident vereidigt. Er hatte im Wahlkampf angedeutet, die US-AuĂenpolitik stĂ€rker auf die Interessen Israels ausrichten zu wollen. Er gilt als UnterstĂŒtzer der politischen Rechten in Israel, die den Siedlungsbau der israelischen Regierung im Westjordanland vorantreibt.Â
Israel schieĂt auf VerdĂ€chtige in libanesischem Grenzgebiet
Die israelische Luftwaffe hat nach Angaben der Armee auf drei VerdĂ€chtige im israelisch-libanesischen Grenzgebiet geschossen. Die drei hĂ€tten sich in der Gegend von Har Dov im Libanon in Richtung des israelischen Territoriums bewegt, teilte das israelische MilitĂ€r am Samstagabend mit. Har Dov, auch als Scheeba Farmen bekannt, liegt ganz im Norden der israelisch besetzten Golanhöhen.Â
Man handle jedoch weiterhin im Einklang mit der Waffenruhe zwischen den beiden LĂ€ndern, betonte das MilitĂ€r in der Mitteilung. Die Armee bleibe im SĂŒden des Libanon stationiert und werde gegen jede Bedrohung fĂŒr den Staat Israel und seine BĂŒrger vorgehen.
Baerbock reist zu Syrien-Konferenz nach Saudi-Arabien
Um die Lage und die Zukunft Syriens nach dem Fall von Machthaber Baschar al-Assad geht es derweil bei einer Konferenz in Saudi-Arabien am Sonntag. Dazu reist auch die deutsche AuĂenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) in die saudische Hauptstadt Riad. An der AuĂenministerkonferenz nehmen nach Angaben des AuswĂ€rtigen Amts Vertreter wichtiger Staaten der Region, westlicher LĂ€nder sowie der Vereinten Nationen teil.
Die Islamistengruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS) hatte Syriens Langzeitmachthaber Assad Anfang Dezember nach einer Blitzoffensive gestĂŒrzt und fĂŒhrt nun mit einer Ăbergangsregierung das Land.







