Netanjahu lÀsst Angriff auf Rafah vorbereiten
09.02.2024 - 17:11:12 | dpa.deDer israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hat der Armee des Landes den Befehl erteilt, eine Offensive auf die sĂŒdliche Stadt Rafah im Gazastreifen vorzubereiten. «Es ist unmöglich, das Kriegsziel der Eliminierung der Hamas zu erreichen, wenn vier Hamas-Bataillone in Rafah verbleiben», lieĂ er ĂŒber das BĂŒro des MinisterprĂ€sidenten mitteilen. Die PlĂ€ne, die die MilitĂ€rfĂŒhrung der Regierung vorlegen soll, mĂŒssten auch die Evakuierung der Zivilisten in Rafah beinhalten, hieĂ es in der Mitteilung.
Eine MilitĂ€roffensive in Rafah, das ganz im SĂŒden des Gazastreifens liegt und an Ăgypten grenzt, gilt als hochproblematisch. In dem Ort, der vor dem Krieg rund 300.000 Einwohner hatte, sollen sich derzeit 1,3 Millionen Menschen aufhalten. Die meisten von ihnen flohen vor dem Krieg aus anderen Teilen des Gazastreifens dorthin, zum Teil auf Anordnung des israelischen MilitĂ€rs.
«Es ist klar, dass intensive (militĂ€rische) AktivitĂ€ten in Rafah es erfordern, dass die Zivilisten die Kampfzone rĂ€umen», lieĂ Netanjahu mitteilen. Deshalb habe er die MilitĂ€rfĂŒhrung angewiesen, der Regierung einen «kombinierten Plan» fĂŒr die Evakuierung der Bevölkerung und die Zerstörung der Hamas-Bataillone vorzulegen.
Abbas ruft UN-Sicherheitsrat zum Handeln auf
Der palĂ€stinensische PrĂ€sident Mahmud Abbas hat die PlĂ€ne einer MilitĂ€roffensive in der Stadt Rafah im sĂŒdlichen Gazastreifen scharf verurteilt. Abbas erklĂ€rte an seinem Amtssitz in Ramallah im Westjordanland, diese wĂŒrden ein «gefĂ€hrliches Vorspiel» zu einer Politik der Vertreibung darstellen, die von den PalĂ€stinensern befĂŒrchtet wird.
Abbas warf Israel und dem VerbĂŒndeten USA eine «destruktive Politik» vor. Er rief den UN-Sicherheitsrat dazu auf, tĂ€tig zu werden. «Diese (von Israel erwogenen) Schritte gefĂ€hrden die Sicherheit und den Frieden in der Region, sie ĂŒberschreiten alle roten Linien», fĂŒgte er hinzu. Abbas steht an der Spitze der palĂ€stinensischen Autonomiebehörde. Diese verwaltet auf der Basis von Vereinbarungen zwischen Israel und den PalĂ€stinensern Teile des Westjordanlands.
UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres hatte bereits zuvor vor einer humanitĂ€ren Katastrophe und Folgen fĂŒr die gesamte Region gewarnt. Die HĂ€lfte der Bevölkerung des Gazastreifens sei in Rafah zusammengepfercht und könne nirgendwo anders hin, schrieb er auf der Nachrichtenplattform X, vormals Twitter. Guterres' Sprecher StĂ©phane Dujarric fĂŒgte nach den AnkĂŒndigungen der israelischen Regierung am Freitag hinzu, man wolle keine Massenvertreibungen sehen. Auch die US-Regierung und die deutsche AuĂenministerin Annalena Baerbock hatten sich in den vergangenen Tagen deutlich gegen ein militĂ€risches Vorgehen in Rafah ausgesprochen.Â
Demonstrationen in Israel zu möglichem Geisel-Abkommen
Unterdessen haben in Israel etliche Menschen fĂŒr und gegen ein mögliches Geisel-Abkommen mit der Hamas demonstriert. In Jerusalem protestierten Tausende gegen Verhandlungen mit Israels Feinden und fĂŒr eine Fortsetzung des Gaza-Kriegs, wie mehrere israelische Medien berichteten. In Tel Aviv protestierten demnach zur gleichen Zeit Hunderte Menschen fĂŒr einen Deal, um die Freilassung der noch immer im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln zu erreichen.
Das israelische Kriegskabinett traf sich am Abend, um ĂŒber ein mögliches Abkommen mit der Hamas zu sprechen. Demonstranten warfen dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu vor, sein politisches Ăberleben wichtiger zu nehmen als das Schicksal der Geiseln. Netanjahus rechtsextreme Koalitionsmitglieder drohen derweil, die Regierungskoalition platzen zu lassen, sollte der MinisterprĂ€sident im Rahmen eines Geisel-Deals ZugestĂ€ndnisse an die Hamas machen.
Bericht: Kontakt zu Hamas-Chef Sinwar soll abgebrochen sein
Hochrangige Hamas-Mitglieder sollen einem israelischen Medienbericht zufolge bereits seit mehreren Wochen keinen Kontakt mehr zum AnfĂŒhrer der Islamistenorganisation im Gazastreifen haben. Jihia al-Sinwar sei auch nicht an der kĂŒrzlich an Israel ĂŒbermittelten Antwort der Hamas auf einen internationalen Vermittlungsvorschlag fĂŒr ein Geisel-Abkommen beteiligt gewesen, berichtete der israelische Sender Kan. Demnach fĂŒrchtet Sinwar, sein Versteck im Gazastreifen könne durch Ăberwachung etwaiger Kommunikation entdeckt werden. Die Angaben lassen sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
EU-MilitÀreinsatz: Gebiet soll auch Meer vor Iran umfassen
Der kurz vor dem Beginn stehende EU-Marineeinsatz im Nahen Osten könnte Handelsschiffe auch vor möglichen Bedrohungen aus dem Iran schĂŒtzen. Wie nach Informationen der dpa aus dem Beschluss fĂŒr die Operation Aspides hervorgeht, sollen europĂ€ische Kriegsschiffe nicht nur im Roten Meer und im Golf von Aden, sondern auch in der StraĂe von Hormus sowie im Persischen Golf und im Golf von Oman zur Begleitung von Handelsschiffen eingesetzt werden können. All diese drei Seegebiete liegen vor der KĂŒste des Irans. Vorrangiges Ziel des EU-Einsatzes ist es, Handelsschiffe vor Angriffen der militant-islamistischen Huthi aus dem Jemen zu schĂŒtzen.
Israels Armee greift Hisbollah-Kommandeur im Libanon an
Die israelischen StreitkrĂ€fte haben eigenen Angaben zufolge einen hochrangigen Kommandeur der Hisbollah im SĂŒdlibanon aus der Luft angegriffen. Dies sei eine Reaktion auf Raketenstarts aus dem Libanon Richtung Israel gewesen, an denen dieser laut MilitĂ€r beteiligt gewesen sein soll, teilte die Armee mit. Die mit dem Iran verbĂŒndete Hisbollah-Miliz meldete mehrere Verletzte durch den israelischen Luftangriff. Eine Person befinde sich in «kritischem Zustand». Eine israelische Drohne habe in der Stadt Nabatieh ein Auto direkt getroffen, hieĂ es aus libanesischen Sicherheitskreisen. In dem Wagen hĂ€tten zwei Menschen gesessen.
Kritik an MilitÀreinsatz in Krankenhaus
Ein israelischer MilitĂ€reinsatz in einem Krankenhaus im besetzten Westjordanland könnte nach EinschĂ€tzung unabhĂ€ngiger UN-Experten ein schwerer VerstoĂ gegen das humanitĂ€re Völkerrecht gewesen sein. Das MilitĂ€r hatte am 29. Januar die Tötung von drei PalĂ€stinensern im Ibn-Sina-Krankenhaus in Dschenin verkĂŒndet, die nach ihren Angaben militante KĂ€mpfer waren. Videoaufnahmen aus dem Krankenhaus zeigten, wie die SpezialkrĂ€fte teilweise als medizinisches Personal verkleidet in die Klinik eindrangen. Sie begaben sich nach Angaben der UN-Expertinnen und Experten in den Rehabilitationsbereich und erschossen dort die drei MĂ€nner. Mindestens einer von ihnen sei ein Patient gewesen, berichteten die vom UN-Menschenrechtsrat bestellten Experten in Genf.
Die MĂ€nner hĂ€tten höchstens festgenommen werden dĂŒrfen, sagte sie. Gewalt sei höchstens im Fall von Gefahr fĂŒr Leib und Leben erlaubt gewesen. «Stattdessen beschloss Israel, sie zu ermorden, womit sie ihr Recht auf Leben auf eklatante Weise verletzten», teilten die Experten mit. Die Tötung eines wehrlosen Patienten, der in einem Krankenhaus behandelt wird, stelle ein Kriegsverbrechen dar. Sie riefen Israel auf, den Vorfall zu untersuchen und diejenigen, die das humanitĂ€re Völkerrecht verletzten, zur Rechenschaft zu ziehen.
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