Baerbock: EU-Aufnahme der Balkanstaaten im eigenen Interesse
05.12.2023 - 05:25:47AuĂenministerin Annalena Baerbock sieht eine Aufnahme der sogenannten WestbalkanlĂ€nder in die EU angesichts des seit bald zwei Jahre andauernden russischen Kriegs in der Ukraine als wichtigen Beitrag zur Sicherheit Europas.
«Die LĂ€nder des westlichen Balkans gehören voll und ganz in unsere EuropĂ€ische Union. Das ist keine WorthĂŒlse, sondern in unserem ganz eigenen Sicherheitsinteresse», erklĂ€rte die GrĂŒnen-Politikerin zu ihrem Besuch in Slowenien. Sie ergĂ€nzte: «Die EU kann sich angesichts Russlands Imperialismus mitten in Europa keine Grauzonen leisten.»
In einer Welt, in der sich Krisen und Konflikte in Europas unmittelbarer Nachbarschaft ĂŒberlagerten, sei eine EU nötig, «die auch morgen und ĂŒbermorgen schnell und entschieden handelt und fĂŒr uns alle in Europa Sicherheitsanker bleibt», forderte Baerbock. DafĂŒr brauche es Reformen in den LĂ€ndern, die Teil der europĂ€ischen Familie werden wollten. «Zugleich muss die EU Wort halten und die nĂ€chsten Schritte im Erweiterungsprozess gehen, wenn die Bedingungen erfĂŒllt sind», ergĂ€nzte die BundesauĂenministerin.
Sechs Balkan-LĂ€nder in unterschiedlichen Phasen
Zu den sogenannten Westbalkan-LĂ€ndern gehören Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro und Serbien. Alle sechs LĂ€nder streben den Beitritt zur EU an, befinden sich dabei aber in unterschiedlichen Phasen. Mit Serbien, Nordmazedonien, Montenegro und Albanien verhandelt die EU schon ĂŒber einen Beitritt. Bosnien-Herzegowina gilt als Beitrittskandidat, Kosovo als potenzieller Beitrittskandidat.
Bei den GesprĂ€chen Baerbocks dĂŒrfte es auch um die EindĂ€mmung der illegalen Migration gehen. Zudem soll nach Angaben eines Sprechers des AuswĂ€rtigen Amts in Berlin auch die Lage im Nahen Osten eine Rolle spielen. Slowenien wird von Januar an fĂŒr zwei Jahre nicht stĂ€ndiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sein.
Nach Flut Katastrophenschutz Thema
Baerbock wollte sich zunĂ€chst im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe in Slowenien im August gemeinsam mit AuĂenministerin Tanja Fajon in einem Logistikzentrum ĂŒber den zivilen Katastrophenschutz informieren. Anfang August hatte die Flut durch Hochwasser fĂŒhrende FlĂŒsse zwei Drittel des Landes betroffen. Es kam auch zu Erdrutschen. Die SchĂ€den wurden damals auf eine halbe Milliarde Euro geschĂ€tzt. Slowenien bekommt Hilfen aus EU-Fonds. Im Anschluss sind GesprĂ€che mit Fajon sowie mit MinisterprĂ€sident Robert Golob geplant.
Die BundesauĂenministerin erklĂ€rte, der «Kampf gegen die Klimakrise, der gröĂten Sicherheitsgefahr fĂŒr die Menschheit», sei Dreh- und Angelpunkt bei der Umsetzung des deutsch-slowenischen Aktionsplans, mit dem entscheidende Zukunftsthemen vorangebracht werden sollten.
Ljubljana zu Nahost
Slowenien verurteilt den Angriff der Hamas, kritisiert aber auch Israel. Golob sagte am 9. November bei einer Konferenz in Paris zur humanitĂ€ren Hilfe fĂŒr die Menschen im Gazastreifen, die Bombenangriffe der israelischen Armee gegen zivile Ziele gingen ĂŒber das Recht auf Selbstverteidigung hinaus. Fajon war weniger scharf in der Wortwahl, aber auch sie hat vor kurzem mit Nachdruck die humanitĂ€re Lage in Gaza beklagt und die jĂŒdischen Siedler im Westjordanland kritisiert.
Russlands Angriff auf die Ukraine
Bei der Verurteilung des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine liegt Slowenien ganz auf Linie der EuropĂ€ischen Union (EU). Slowenien gehörte zu den Initiatoren der ersten UN-Resolution gegen Russland und hat auch den anschlieĂenden Resolutionen zugestimmt.
Grenzkontrollen gegen illegale Migration
Beim Thema Migration plĂ€diert MinisterprĂ€sident Golob dafĂŒr, den Status der illegal eingewanderten Migranten zu legalisieren. Das SchĂŒren von Angst vor Migranten bezeichnete er als populistisches Werkzeug der extrem Rechten. Dennoch hat das Schengen-Land Slowenien nach dem Vorbild von Italien im Oktober wegen der Migranten Grenzkontrollen eingefĂŒhrt. Stand September 2023 gab es mehr als 40.000 illegale GrenzĂŒbertritte, gegenĂŒber 13.000 im Vorjahreszeitraum.


