Ukraine, Russland

Ukrainer und Russen setzen GesprÀche in Abu Dhabi fort

01.02.2026 - 03:58:04

Die Kriegsparteien wollen heute weiter ĂŒber ein mögliches Ende des fast vier Jahre wĂ€hrenden Konflikts verhandeln. Wird Russland danach seine Angriffe auf ukrainische Energieanlagen wieder aufnehmen?

Ukrainer und Russen wollen heute in den Vereinigten Arabischen Emiraten ihre vor einer Woche begonnenen direkten Verhandlungen ĂŒber eine Beendigung des Krieges wieder aufnehmen. Der Kreml in Moskau und der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj bestĂ€tigten den Termin in der Hauptstadt Abu Dhabi zwar, nannten aber - wie in der vergangenen Woche - weder einen genauen Ort noch einen Zeitpunkt. Vor einer Woche liefen die GesprĂ€che unter Ausschluss der Öffentlichkeit und unter Vermittlung der USA mit ihrem ChefunterhĂ€ndler Steve Witkoff. Diesmal verhandeln die Kriegsparteien ohne US-Vertreter.

Witkoff traf sich indes am Samstag in Miami mit Kreml-UnterhĂ€ndler Kirill Dmitrijew. Der Russe teilte bei X mit, es habe ein konstruktives Treffen mit der US-Delegation gegeben. Er habe auch produktive GesprĂ€che mit einer Arbeitsgruppe zu den amerikanisch-russischen Wirtschaftsbeziehungen gefĂŒhrt. 

Vor Verhandlungen in Abu Dhabi auch GesprÀche in Miami

Witkoff schrieb seinerseits, es habe produktive und konstruktive GesprÀche mit Dmitrijew im Zuge des Vermittlungsversuchs der USA zur Lösung des Ukraine-Kriegs gegeben. Das Treffen habe die Ansicht bestÀrkt, dass Russland darauf hinarbeite, Frieden in der Ukraine zu sichern. Von US-Seite waren laut Witkoff auch Finanzminister Scott Bessent, der Trump-Schwiegersohn Jared Kushner und Regierungsberater Josh Gruenbaum dabei.

Trotz der immer wieder als «konstruktiv» und «produktiv» beschriebenen zahlreichen ZusammenkĂŒnfte ist eine Einigung auf ein Friedensabkommen aber bisher nicht in Sicht. Zentral fĂŒr Moskau sind Forderungen nach Gebietsabtretungen. Russland verlangt, dass sich die Ukraine auch aus jenen Teilen des Donbass - dieser umfasst die Gebiete Luhansk und Donezk - zurĂŒckzieht, die weiterhin von Kiew kontrolliert werden. Der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj hatte solche Gebietsabtretungen wiederholt abgelehnt.

Selenskyj verlangt von US-Seite Klarheit ĂŒber neue Treffen

Nach dem Treffen des Russen Dmitrijew mit der US-Delegation teilte Selenskyj mit, dass Kiew nun konkrete Angaben zu weiteren ZusammenkĂŒnften in der nĂ€chsten Woche erwarte. «Die Ukraine ist bereit, in allen Arbeitsformaten mitzuarbeiten. Wichtig ist, dass es Ergebnisse gibt», sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft. Die fĂŒr heute geplanten Verhandlungen in Abu Dhabi erwĂ€hnte er nicht.

An der Spitze der ukrainischen Delegation steht VerhandlungsfĂŒhrer Rustem Umjerow. Das russische Verhandlungsteam wird vom Chef des MilitĂ€rgeheimdienstes, Igor Kostjukow, geleitet. 

Russland erklĂ€rte sich vor dem Hintergrund der Verhandlungen auf Bitte von US-PrĂ€sident Donald Trump bereit, wegen der extremen KĂ€lte und der ohnehin großen SchĂ€den in Kiew und anderen StĂ€dten von neuen Angriffen auf die Energieinfrastruktur des Landes zeitweilig abzusehen. Angriffe auf andere Ziele wurden indes fortgesetzt. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, dass die begrenzte Feuerpause nur bis zu diesem Sonntag gelte, um fĂŒr die Verhandlungen eine gute Grundlage zu schaffen.

Die Ukraine wehrt sich seit bald vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg.

Weiter Probleme bei Energieversorgung in der Ukraine

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind nach einem großen Stromausfall weiterhin rund 2.600 HĂ€user ohne Heizung, wie BĂŒrgermeister Vitali Klitschko am Samstagabend auf Telegram mitteilte. Selenskyj hatte kurz zuvor in seiner Videobotschaft noch mehr Tempo bei der Wiederherstellung der Versorgung angemahnt.

Grund fĂŒr die massiven Probleme in vielen Teilen des Landes war ein Ausfall von zwei Leitungen zwischen RumĂ€nien und Moldau und auf dem Gebiet der Ukraine, wie Selenskyj darlegte. Es sei ein Tag im Ausnahmezustand fĂŒr die Regierung, das Energieministerium, die Energieunternehmen sowie regionale und lokale Behörden gewesen. «Die Ursachen werden derzeit untersucht», sagte Selenskyj. 

Womöglich sei Vereisung der Leitungen der Grund fĂŒr den Kollaps gewesen. «Derzeit gibt es keine Hinweise auf eine externe Einmischung oder einen Cyberangriff», sagte Selenskyj. Das Land habe auch seine Stromimporte erhöht. Das Energiesystem der Ukraine ist vor allem nach den vielen russischen Angriffen schwer beschĂ€digt.

Der staatliche Versorger Ukrenergo teilte unterdessen mit, die Lage im ukrainischen Energiesystem stabilisiere sich allmÀhlich. Dennoch werde heute erneut in allen Regionen der Ukraine stundenweise der Strom abgeschaltet, um den Verbrauch zu begrenzen.

@ dpa.de

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