Wirren, PrÀsidentschaftswahl

Neue Wirren um PrÀsidentschaftswahl im Senegal

16.02.2024 - 01:29:47

Die kurzfristige Verschiebung der Wahl in der westafrikanischen Demokratie löste gewalttÀtige Proteste aus. Nun kassieren Verfassungsrichter das Dekret des PrÀsidenten - und werfen so neue Fragen auf.

Im westafrikanischen Senegal haben die VerfassungshĂŒter des Landes die umstrittene Verschiebung der PrĂ€sidentschaftswahl fĂŒr verfassungswidrig erklĂ€rt. Was das fĂŒr die ursprĂŒnglich fĂŒr den 25. Februar angesetzte Wahl bedeutet, die Anfang des Monats ĂŒberraschend von PrĂ€sident Macky Sall abgesagt und dann vom Parlament auf den 15. Dezember verschoben wurde, ist noch unklar. Salls zweite Amtszeit, die am 2. April endet, darf - anders als vom Parlament beschlossen - nicht verlĂ€ngert werden, urteilte der Verfassungsrat.

Das Gremium hob das Dekret auf, mit dem Sall die Wahl abgesagt hatte. Der Wahltermin am 25. Februar sei zwar nicht zu halten, die Wahl mĂŒsse aber schnellstmöglich stattfinden. Sall hatte die Verschiebung unter anderem mit KorruptionsvorwĂŒrfen gegen den Verfassungsrat bei der Kandidatenauswahl begrĂŒndet und einen nationalen Dialog vorgeschlagen. Der Schritt hatte massive Proteste in dem Staat mit knapp 18 Millionen Einwohnern ausgelöst, bei deren Niederschlagung Menschenrechtlern zufolge mindestens drei Menschen getötet, Dutzende verletzt und Hunderte festgenommen wurden. Die Vereinten Nationen, EU, die USA, die Afrikanische Union und der westafrikanische Staatenbund Ecowas Ă€ußerten Besorgnis.

Der Senegal, der seit seiner UnabhĂ€ngigkeit 1960 friedlich ist, galt als stabile Mehrparteiendemokratie in einer von Putschen und Autokratien geprĂ€gten Region. Kritiker warfen dem seit 2012 amtierenden Sall einen Verfassungscoup vor. Die Verschiebung der Wahl wurde aber auch von der wichtigen Oppositionspartei PDS mitgetragen, deren Kandidat Karim Wade - Sohn von Salls VorgĂ€nger Abdoulaye Wade - nicht zugelassen wurde. Sall betont, keine weitere Amtszeit anzustreben. Vergangenes Jahr wurden Menschenrechtlern zufolge mindestens 23 Menschen bei Protesten gegen die Verurteilung des OppositionsfĂŒhrers Ousmane Sonko getötet, der ebenfalls von der Wahl ausgeschlossen ist.

@ dpa.de