Hunderttausenden, Gaza

UN: Hunderttausenden in Gaza droht der Hungertod

22.12.2023 - 04:49:44

Die Lage der PalĂ€stinenser wird immer verzweifelter. Es fehlt an Nahrung, Wasser und Medikamenten. Dennoch feuert die Hamas weiter. Im UN-Sicherheitsrat könnte es zum Durchbruch kommen. Der Überblick.

  • RettungskrĂ€fte löschen die Überreste eines Autos. Drei PalĂ€stinenser kamen bei dem israelischen Angriff ums Leben. - Foto: Abed Rahim Khatib/dpa

    Abed Rahim Khatib/dpa

  • Spendenstelle einer WohltĂ€tigkeitsorganisation, die in Rafah Lebensmittel an PalĂ€stinenser verteilt. - Foto: Mohammed Talatene/dpa

    Mohammed Talatene/dpa

  • Ein zerstörtes GebĂ€ude in Rafah nach israelischem Bombardement. - Foto: Mohammed Talatene/dpa

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  • PalĂ€stinenser stellen sich in Rafah fĂŒr eine kostenlose Mahlzeit an. - Foto: Fatima Shbair/AP/dpa

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RettungskrĂ€fte löschen die Überreste eines Autos. Drei PalĂ€stinenser kamen bei dem israelischen Angriff ums Leben. - Foto: Abed Rahim Khatib/dpaSpendenstelle einer WohltĂ€tigkeitsorganisation, die in Rafah Lebensmittel an PalĂ€stinenser verteilt. - Foto: Mohammed Talatene/dpaEin zerstörtes GebĂ€ude in Rafah nach israelischem Bombardement. - Foto: Mohammed Talatene/dpaPalĂ€stinenser stellen sich in Rafah fĂŒr eine kostenlose Mahlzeit an. - Foto: Fatima Shbair/AP/dpa

Angesichts der israelischen MilitĂ€roffensive im Gazastreifen wird die humanitĂ€re Lage in dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen immer katastrophaler. Aufgrund der «weltweit beispiellosen» Situation warnen die Vereinten Nationen vor dem Hungertod von Hunderttausenden PalĂ€stinensern.

«So etwas habe ich noch nie gesehen. Das Ausmaß der akuten ErnĂ€hrungsunsicherheit ist in Bezug auf Schwere, Geschwindigkeit der Verschlechterung und KomplexitĂ€t beispiellos», sagte die Sprecherin des WelternĂ€hrungsprogramms (WFP), Shaza Moghraby.

Eine Resolution des Weltsicherheitsrates zur Linderung der humanitĂ€ren Not im Gazastreifen lĂ€sst indes weiter auf sich warten. Seit Tagen herrscht Uneinigkeit ĂŒber den Wortlaut einer solchen ErklĂ€rung. Eine Abstimmung war wegen eines drohenden US-Vetos mehrmals verschoben worden.

Eine neue Studie mehrerer UN-Agenturen und anderer Institutionen vom Donnerstag kommt zu dem Schluss, dass in dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen 577.000 Menschen in die schwerwiegendste Kategorie des Hungers fallen. Im gesamten Rest der Welt zusammen gibt es dagegen gegenwĂ€rtig 129.000 Menschen, die der Analyse zufolge Ă€hnlich bedroht sind. Bei den von «katastrophalem» Hunger bedrohten Menschen handele es sich um mehr als ein Viertel der ĂŒber zwei Millionen Menschen in dem Gebiet. Fast alle Bewohner seien von Hunger oder Vertreibung betroffen.

Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel verĂŒbt hatten. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und begann Ende Oktober mit einer Bodenoffensive. Angesichts der katastrophalen humanitĂ€ren Lage in dem abgeriegelten KĂŒstengebiet war Israel zuletzt international immer mehr unter Druck geraten. Nach Darstellung der islamistischen Hamas wurden seit Kriegsbeginn mindestens 20.000 PalĂ€stinenser im Gazastreifen getötet.

Abstimmung ĂŒber Gaza-Resolution vertagt

Nach tagelangem Ringen im Weltsicherheitsrat um eine Resolution zur Linderung der humanitĂ€ren Not im Gazastreifen wurde eine Abstimmung erneut vertagt. Mehrere LĂ€nder mĂŒssten mit ihren Regierungen beraten, nachdem in einem Kompromissentwurf grundlegende Änderungen vorgenommen wurden, hieß es am Donnerstag.

Der Text, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, fordert Israel dazu auf, «unverzĂŒglich einen sicheren und ungehinderten humanitĂ€ren Zugang» in den Gazastreifen zu ermöglichen. Auch mĂŒssten die Voraussetzungen fĂŒr eine nachhaltige Einstellung der Gewalt geschaffen werden.

Hamas-Behörde: Mehr als 20.000 Tote seit Kriegsbeginn

Nach Darstellung der von der islamistischen Hamas im Gazastreifen kontrollierte Gesundheitsbehörde sind seit Kriegsbeginn 20.057 PalĂ€stinenser im Gazastreifen getötet worden. Allein in den vergangenen zwei Tagen seien 390 Menschen getötet worden, teilte die Behörde mit. Die Zahlen lassen sich gegenwĂ€rtig nicht ĂŒberprĂŒfen.

Den Angaben nach sollen insgesamt 53.320 Menschen verletzt worden sein. Zuletzt hatte die Hamas-Behörde von mindestens 20.000 Toten gesprochen, die Zahl aber nicht konkret benannt. Unter den Todesopfern sollen demnach auch Tausende MinderjĂ€hrige sein. Auch diese Angaben können derzeit nicht ĂŒberprĂŒft werden.

Immer noch Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen

Trotz der wegen der zivilen Opfer international scharf kritisierten israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen feuert die Hamas immer noch Raketen ab. Am Donnerstag waren in der Metropole Tel Aviv dumpfe Explosionen zu hören. Der bewaffnete Arm der islamistischen Hamas-Organisation, die Kassam-Brigaden, sprachen in einer Stellungnahme von einer «Reaktion auf die zionistischen Massaker an Zivilisten» im Gazastreifen.

Israelischen Medien zufolge liegt der andauernde Beschuss auch an der Vielzahl von Abschussorten im Gazastreifen. Nach SchĂ€tzungen des israelischen Instituts fĂŒr Nationale Sicherheitsstudien (INSS) umfasste das Raketenarsenal der Hamas rund 20.000 Geschosse. Laut israelischen Angaben wurden seit Kriegsbeginn rund 12.500 Raketen auf den jĂŒdischen Staat abgefeuert.

Israel gegen Gaza-Verwaltung durch derzeitige PalÀstinenserbehörde

Israel lehnt eine Verwaltung des Gazastreifens nach einem Ende des Krieges durch die PalÀstinenserbehörde im Westjordanland ab. Alle Welt wolle das, aber das sei unmöglich, solange die Autonomiebehörde die Menschen anstachele, Israelis zu hassen, und die Kinder dazu erziehe, Israelis zu töten, sagte ein ranghoher Vertreter der israelischen Regierung.

Die USA sehen hingegen die im Gegensatz zur islamistischen Hamas eher moderate Autonomiebehörde von PalĂ€stinenserprĂ€sident Mahmud Abbas fĂŒr die Zeit nach dem Krieg in einer zentralen Rolle. Der bereits seit 18 Jahren amtierende Abbas ist bei den PalĂ€stinensern allerdings sehr unbeliebt. Die Hamas hingegen wird seit dem Beginn des Gaza-Kriegs im Westjordanland immer beliebter.

Israels Armee: Kontrolle ĂŒber Hamas-Hochburg

Die israelischen StreitkrĂ€fte haben nach eigenen Angaben die «operative Kontrolle» ĂŒber das als Hamas-Hochburg geltende Gaza-Stadtviertel Schedschaija hergestellt. «Die Truppen werden in dem Viertel weiterhin begrenzte EinsĂ€tze durchfĂŒhren, um verbliebene Infrastruktur der Hamas zu zerstören und KĂ€mpfer, die sich verstecken, zu töten», hieß es in einer Mitteilung des MilitĂ€rs.

Schedschaijia im Norden des KĂŒstenstreifens war bis zuletzt Schauplatz heftiger KĂ€mpfe zwischen israelischen Soldaten und Terroristen der islamistischen Hamas. Ende letzter Woche hatte das MilitĂ€r dort versehentlich drei israelische Geiseln erschossen, die der Gewalt ihrer EntfĂŒhrer entkommen waren.

Internationales MilitĂ€rbĂŒndnis im Roten Meer

Mehr als 20 LĂ€nder haben sich nach Angaben der USA angesichts der Angriffe von Huthi-Rebellen bislang bereit erklĂ€rt, bei der MilitĂ€rallianz zum Schutz von Schiffen im Roten Meer mitzumachen. Seit der AnkĂŒndigung der «Operation Prosperity Guardian» (etwa: HĂŒter des Wohlstands) hĂ€tten auch Australien und Griechenland ihre Teilnahme bekanntgegeben, sagte Pentagon-Sprecher Pat Ryder auf einer Pressekonferenz am Donnerstag (Ortszeit). Er betonte, das BĂŒndnis stehe anderen LĂ€ndern offen. Es sei ihnen aber ĂŒberlassen, ĂŒber ihre Beteiligung öffentlich zu sprechen.

Der entscheidende Punkt sei, dass es sich um ein internationales Problem handele, das eine internationale Antwort erfordere. «Wir werden also weiter mit dieser Koalition der Willigen zusammenarbeiten, und alle LĂ€nder werden in der Lage sein, das beizutragen, was sie fĂŒr möglich halten», ergĂ€nzte der Sprecher des Verteidigungsministeriums. In manchen FĂ€llen werde das Schiffe umfassen. In anderen FĂ€llen könnte es sich um Personal oder andere Arten der UnterstĂŒtzung handeln.

Die EU bereitet derweil eine Beteiligung an der US-Initiative vor. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur legte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell einen konkreten Vorschlag vor, wie dafĂŒr das Mandat der bereits existierenden Antipiraterie-Operation Atalanta ausgeweitet werden könnte. Er wird derzeit von den 27 EU-Mitgliedstaaten geprĂŒft und soll möglichst kurzfristig formalisiert werden.

@ dpa.de