Armee-Sprecher: Bodenoffensive nicht die einzige Möglichkeit
17.10.2023 - 16:03:34 | dpa.deIsrael erwÀgt nach den Worten eines Armeesprechers Alternativen zu einer Bodenoffensive. Das Land bereite sich im Gazastreifen auf «die nÀchsten Stufen des Krieges» gegen die dort herrschende islamistische PalÀstinenserorganisation Hamas vor. «Alle sprechen von einer Bodenoffensive, aber es könnte etwas anderes sein», sagte Armeesprecher Richard Hecht am Dienstag.
Russland warnte Israel vor einer Bodenoffensive. Es drohe eine Ausweitung des Konflikts mit «fĂŒrchterlichen Folgen fĂŒr die gesamte Region» und einer noch gröĂeren humanitĂ€ren Katastrophe, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.
Diplomatie lÀuft auf Hochtouren
Die diplomatischen BemĂŒhungen zur EindĂ€mmung des Konflikts waren intensiv. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) traf am Dienstag in Israel ein. Der SPD-Politiker wollte mit MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu, PrĂ€sident Izchak Herzog und Angehörigen deutscher Geiseln der Hamas sprechen, die in den Gaza-Streifen verschleppt wurden.
Am Mittwoch will US-PrÀsident Joe Biden Israel und Jordanien besuchen. Frankreichs StaatsprÀsident Emmanuel Macron plant, in den Nahen Osten zu reisen, sobald sich Aussicht auf Verhandlungen zwischen Israel und der islamistischen Hamas bietet. Der Konflikt lasse sich nicht lösen, ohne in den Friedensprozess einzusteigen.
Israel: Wieder fĂŒhrendes Hamas-Mitglied getötet
Ein Armeesprecher erklĂ€rt, das israelische MilitĂ€r attackiere weiter die Infrastruktur der Hamas und suche nach den Verstecken ihrer FĂŒhrungsleute. So wurde bei einem Luftangriff der Chef des Schura-Rats der Hamas, Osama Mazini, getötet, wie die Armee bekanntgab. Dieser sei fĂŒr die Gefangenen der Hamas verantwortlich gewesen und habe terroristische AktivitĂ€ten gegen Israel geleitet.
Israel will nach eigenen Angaben die im Gazastreifen herrschende Hamas zerstören, die bei dem Terrorangriff auf Israel mehr als 1400 Menschen getötet hat. Die Zahl der getöteten PalÀstinenser stieg nach Angaben aus dem Gazastreifen auf rund 3000.
TĂŒrkei als Vermittler bei Geisel-Verhandlungen
Die TĂŒrkei bemĂŒht sich weiter um die Freilassung der von der islamistischen Hamas aus Israel entfĂŒhrten Geiseln. «Bislang haben wir aus verschiedenen LĂ€ndern insbesondere bezĂŒglich der Freilassung ihrer StaatsbĂŒrger Anfragen erhalten. Daraufhin haben wir insbesondere mit dem politischen FlĂŒgel der Hamas Verhandlungen begonnen», sagte der tĂŒrkische AuĂenminister Hakan Fidan nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu in Beirut.
Auch Frankreich bemĂŒht sich um Geisel-Freilassung
Auch Frankreich fĂŒhrt laut PrĂ€sident Emmanuel Macron Verhandlungen. Er Ă€uĂerte sich vorsichtig, um keine falschen Hoffnungen zu wecken: «Aber sie kommen voran, wir verfolgen die Verhandlungen stĂŒndlich.» Bei dem Terrorangriff der im Gazastreifen herrschenden Hamas vor mehr als einer Woche und in den folgenden Tagen wurden in Israel rund 200 Menschen gewaltsam in den Gazastreifen verschleppt, darunter auch mehrere Deutsche.
Hamas veröffentlicht Video mit Geisel
Die Hamas veröffentlichte erstmals ein Video mit einer mutmaĂlichen Geisel. In einem am Montag verbreiteten Video sieht man, wie einer jungen Frau eine Wunde am Arm verbunden wird, anschlieĂend spricht sie direkt in die Kamera. «Ich bin 21 Jahre alt und komme aus Schoham», sagt die Frau. Sie sei in Gaza und dort in einem Krankenhaus behandelt worden. Medienberichten zufolge soll es sich um eine Israelin handeln, die auch die französische Staatsangehörigkeit hat. Das israelische MilitĂ€r teilte mit, sie sei entfĂŒhrt worden. Die Armee stehe in Kontakt mit der Familie.
Israel und USA wollen Strategie fĂŒr humanitĂ€re Hilfe
Angesichts der akuten Versorgungsnot der Zivilbevölkerung im Gazastreifen wollten Israel und die USA eine Strategie fĂŒr humanitĂ€re Hilfe entwickeln. US-AuĂenminister Antony Blinken sagte in Tel Aviv, es gehe darum, «Zivilisten in Gaza und nur sie allein zu erreichen». Angesichts der israelischen MilitĂ€rschlĂ€ge gegen die islamistische Hamas in dem KĂŒstenstreifen sollen demnach auch Sicherheitszonen fĂŒr Zivilisten geschaffen werden. «Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Hilfe so schnell wie möglich nach Gaza flieĂt», sagte Blinken.
GrenzĂŒbergang Rafah zunĂ€chst weiter geschlossen
Der Ă€gyptische GrenzĂŒbergang Rafah als einziger Weg, dringend benötigte Hilfe in den von Israel abgeriegelten KĂŒstenstreifen zu bringen, war weiter geschlossen. Rund 2000 Tonnen GĂŒter standen nach Angaben des Ăgyptischen Roten Halbmonds bereit. Etwa 150 Lastwagen mit humanitĂ€ren HilfsgĂŒtern seien von Al-Arisch auf der Ă€gyptischen Sinai-Halbinsel in Richtung des GrenzĂŒbergangs Rafah unterwegs, sagten Augenzeugen der Deutschen Presse-Agentur.
Hilfswerk warnt vor groĂer Wassernot
Das PalĂ€stinenserhilfswerk UNRWA warnte angesichts der Abriegelung des Gazastreifens vor einer drohenden Wassernot fĂŒr die mehr als zwei Millionen Bewohner. Die letzte Salzwasseraufbereitungsanlage sei am Montag abgeschaltet worden, teilte das UNRWA mit. «Wasser bleibt ein SchlĂŒsselthema, weil Menschen ohne Wasser anfangen werden zu sterben», hieĂ es in der Mitteilung. Es sei am Montag nur eine Wasserleitung fĂŒr drei Stunden geöffnet worden.
Die britische Regierung will Israel dazu bringen, die Menschen im Gazastreifen wieder mit Wasser zu versorgen. Wasser sei ein SchlĂŒsselthema bei den BemĂŒhungen, die humanitĂ€ren Probleme zu lindern, sagte der Sprecher von Premierminister Rishi Sunak.
UN: Rund eine Million Menschen im Gazastreifen auf der Flucht
Fast die HĂ€lfte der Zivilbevölkerung des Gaza-Streifens ist nach SchĂ€tzung des UN-NothilfebĂŒros (OCHA) inzwischen auf der Flucht. Rund eine Million Menschen hĂ€tten ihre Wohnungen bis Montagabend verlassen, teilte OCHA mit. Ein Drittel der Menschen habe Zuflucht in GebĂ€uden des UN-Hilfswerk fĂŒr PalĂ€stinenser gesucht, hieĂ es. Andere kampierten im Freien oder seien bei Freunden und Verwandten im SĂŒden des Gebiets untergekommen. KrankenhĂ€user seien mangels Strom und Treibstoff fĂŒr Generatoren «am Rande des Zusammenbruchs».
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