Israelische, SchĂŒsse

Israelische SchĂŒsse gegen Diplomaten sorgen fĂŒr Empörung

21.05.2025 - 19:07:29

Die Lage im besetzten Westjordanland ist extrem angespannt. Das bekommen auslĂ€ndische Diplomaten zu spĂŒren, die sich ein Bild machen wollen: Israelische Soldaten schießen. Gibt es Konsequenzen?

SchĂŒsse israelischer StreitkrĂ€fte in Richtung einer angemeldeten Delegation auslĂ€ndischer Diplomaten im besetzten Westjordanland sorgen in der EuropĂ€ischen Union fĂŒr Empörung. Die Bundesregierung verlangte von der israelischen Regierung AufklĂ€rung, wie es dazu kommen konnte: «Diesen unprovozierten Beschuss verurteilt das AuswĂ€rtige Amt scharf. Wir können von GlĂŒck reden, dass nichts Schlimmeres passiert ist», sagte eine Sprecherin laut einer Mitteilung. 

Die PalĂ€stinensische Autonomiebehörde (PA) hatte zuvor mitgeteilt, dass bei dem Diplomatenbesuch die israelische Armee SchĂŒsse in der NĂ€he der Delegation abgefeuert hatte. Das Außenministerium der PA verurteilte den Vorfall in der Stadt im Norden des Westjordanlands aufs SchĂ€rfste. Es gab zunĂ€chst keine Berichte ĂŒber Verletzte. Israels MilitĂ€r sprach nach dem Vorfall von WarnschĂŒssen und kĂŒndigte eine Untersuchung an.

Frankreich kĂŒndigt Einbestellung des Botschafters an

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas forderte Israel nachdrĂŒcklich auf, den Vorfall zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. «Jegliche Bedrohung des Lebens von Diplomaten ist inakzeptabel», sagte sie.

Der französische Außenminister Jean-NoĂ«l Barrot bezeichnete das Geschehen als «nicht hinnehmbar» und kĂŒndigte die Einbestellung des israelischen Botschafters in Frankreich an. Ähnliche Reaktionen kamen aus LĂ€ndern wie Italien, Spanien und Belgien.

Das AuswĂ€rtige Amt antwortete auf die Frage der dpa, ob wie in anderen LĂ€ndern der israelische Botschafter einbestellt worden sei: «Außenminister Wadephul hat heute direkt mit dem israelischen Außenminister telefoniert.»

Extrem angespannte Lage im Westjordanland

Der Vorfall in Dschenin verdeutlicht, wie gefĂ€hrlich die Lage im von Israel besetzten Westjordanland ist. Angespannt ist sie seit langem – seit dem Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober 2023 hat sie sich noch verschĂ€rft. Seitdem wurden dort nach Angaben des Gesundheitsministeriums bei israelischen MilitĂ€reinsĂ€tzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und AnschlĂ€gen von Extremisten mehr als 900 PalĂ€stinenser getötet. Zugleich gibt es verstĂ€rkt Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen palĂ€stinensische Zivilisten.

Dschenin gilt als Hochburg militanter PalĂ€stinenser. Israel hatte dort im Januar die grĂ¶ĂŸte MilitĂ€roffensive gegen bewaffnete Gruppierungen seit langem im Westjordanland begonnen. UN-Angaben zufolge mussten Zehntausende Menschen ihre HĂ€user in den betroffenen Gebieten verlassen. 

Belgien: Fahrzeuge der Delegation waren klar zu erkennen

In der Stadt gibt es auch ein FlĂŒchtlingslager – nach Medienberichten waren die auslĂ€ndischen Diplomaten in Dschenin, um es zu besichtigen und sich ĂŒber die humanitĂ€re Lage vor Ort zu informieren. 

Auch ein deutscher Diplomat und ein Fahrer aus dem VertretungsbĂŒro Ramallah seien Teil der Delegation gewesen, teilte das AuswĂ€rtige Amt mit. Die Gruppe sei in Koordinierung mit der PalĂ€stinensischen Autonomiebehörde und der israelischen Armee unterwegs gewesen. 

Nach Angaben des belgischen Außenministers Maxime PrĂ©vot war die Delegation aus rund 20 Diplomaten in einem Konvoi von etwa 20 deutlich erkennbaren Fahrzeugen unterwegs.

Israel: Diplomaten-Konvoi wich von Route ab

Israels MilitĂ€r teilte mit, die Delegation sei von einer zuvor genehmigten Route fĂŒr den Besuch von Dschenin abgewichen und habe ein Gebiet betreten, in dem sie sich nicht hĂ€tten aufhalten dĂŒrfen. Israelische Soldaten hĂ€tten WarnschĂŒsse abgegeben, um die Menschengruppe auf Distanz zu halten, hieß es weiter.

Nachdem sich herausgestellt habe, dass es sich um die Diplomaten handelte, habe die Armee eine Untersuchung eingeleitet. Es solle mit Vertretern der von dem Vorfall betroffenen LĂ€nder gesprochen werden. Sie sollen ĂŒber die Ergebnisse der Untersuchung informiert werden. Die Armee betonte in der Mitteilung, die «entstandenen Unannehmlichkeiten» zu bedauern.

AuswÀrtiges Amt: Diplomaten als unabhÀngige Beobachter unverzichtbar

Das Außenministerium der PalĂ€stinensischen Autonomiebehörde (PA) bezeichnete den Vorfall als einen «eklatanten und schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht».

Die Sprecherin des AuswĂ€rtigen Amtes betonte: «Die unabhĂ€ngige Beobachterrolle der Diplomatinnen und Diplomaten vor Ort ist unverzichtbar und stellt in keinster Weise eine Bedrohung fĂŒr israelische Sicherheitsinteressen dar.» Die israelische Regierung mĂŒsse die Unverletzlichkeit von Diplomatinnen und Diplomaten respektieren.

@ dpa.de