Nahost, Gewalt

Drei PalÀstinenser bei israelischem Drohnenangriff getötet

21.06.2023 - 22:15:25

Die Lage im Westjordanland heizt sich weiter auf. Nach der tödlichen Attacke von zwei PalÀstinensern richten Siedler massive Zerstörungen an. Und Israels Armee greift ein Auto gezielt aus der Luft an.

  • Ein israelischer Sicherheitsbeamter steht am Tatort eines Anschlags nahe einer israelischen Siedlung im Westjordanland. - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

    Ilia Yefimovich/dpa

  • Zahlreiche Autos gingen bei den Ausschreitungen israelischer Siedler im Westjordanland in Flammen auf. - Foto: Ilia yefimovich/dpa

    Ilia yefimovich/dpa

Ein israelischer Sicherheitsbeamter steht am Tatort eines Anschlags nahe einer israelischen Siedlung im Westjordanland. - Foto: Ilia Yefimovich/dpaZahlreiche Autos gingen bei den Ausschreitungen israelischer Siedler im Westjordanland in Flammen auf. - Foto: Ilia yefimovich/dpa

Bei dem ersten gezielten Luftangriff im Westjordanland seit Jahren sind am Mittwochabend nach Medienberichten mindestens drei PalÀstinenser getötet worden. Ihre Leichen seien durch RettungskrÀfte geborgen worden, berichtete die palÀstinensische Nachrichtenagentur Wafa. Die israelische Armee teilte mit, ein Fahrzeug mit bewaffneten PalÀstinensern sei in der NÀhe von Dschenin mithilfe einer Drohne beschossen worden.

Die MĂ€nner in dem Auto hĂ€tten zuvor SchĂŒsse auf einen israelischen GrenzĂŒbergang nahe der palĂ€stinensischen Stadt Dschenin im Westjordanland abgegeben. Die Gruppe sei nach Armeeinformationen auch fĂŒr mehrere AnschlĂ€ge auf Israelis im Westjordanland in der letzten Zeit verantwortlich.

Nach Angaben beider Seiten handelte es sich um den ersten gezielten Luftangriff dieser Art im Westjordanland seit dem zweiten PalÀstinenseraufstand Intifada vor rund zwei Jahrzehnten.

Der israelische Verteidigungsminister Joav Galant begrĂŒĂŸte den Luftangriff auf das Fahrzeug. «Im Kampf gegen den Terror werden wir auf Angriff und Initiative setzen, wir werden alle uns zur VerfĂŒgung stehenden Mittel einsetzen», schrieb Galant bei Twitter. «Jeder Terrorist oder Terror-Drahtzieher wird den höchsten Preis bezahlen.»

Ausschreitungen israelischer Siedler

Nach einem tödlichen Anschlag auf Israelis im Westjordanland war es dort am Mittwoch zu schweren Ausschreitungen wĂŒtender israelischer Siedler gegen PalĂ€stinenser gekommen. Hunderte Israelis setzten allein in der palĂ€stinensischen Ortschaft Turmus Aya Dutzende Fahrzeuge und GebĂ€ude in Brand, wie die israelische Armee bestĂ€tigte. Nach Angaben des palĂ€stinensischen Gesundheitsministeriums wurde dort anschließend bei Konfrontationen mit SicherheitskrĂ€ften ein junger PalĂ€stinenser erschossen. Weitere Menschen seien durch scharfe Munition zum Teil schwer verletzt worden.

Die Polizei teilte mit, erste Ermittlungen hÀtten ergeben, dass PolizeikrÀfte bei dem Vorfall von Dutzenden von PalÀstinensern mit Steinen und Feuerwerkskörper angegriffen worden und auch beschossen worden seien. Daraufhin habe ein Polizist, der sich in Lebensgefahr gesehen habe, gezielt auf einen der Randalierer geschossen und getroffen. Der Vorfall werde untersucht.

Am Abend drangen rund 200 israelische Siedler dann nach Medienberichten in eine weitere palĂ€stinensische Ortschaft ein. Sie hĂ€tten sich in Urif sĂŒdlich von Nablus Konfrontationen mit Einwohnern geliefert. Aus dem Ort stammten zwei palĂ€stinensische AttentĂ€ter, die am Dienstag im Westjordanland vier Israelis erschossen hatten. Rechtsorientierte Politiker forderten zuletzt eine breitere MilitĂ€roperation im nördlichen Westjordanland.

Die israelische Armee verurteilte das Vorgehen der Siedler. Auch MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu betonte, Israel sei ein Rechtsstaat. Alle BĂŒrger seien verpflichtet, sich an das Gesetz zu halten, und man werde weitere Ausschreitungen nicht dulden.

Zuvor waren Dutzende Siedler in den vor zwei Jahren gerĂ€umten Siedlungs-Außenposten Eviatar im Westjordanland zurĂŒckgekehrt. Die Lage in der Region hatte sich in den vergangenen Tagen wieder zugespitzt. Am Dienstag töteten zwei palĂ€stinensische Angreifer nahe einer Siedlung im Westjordanland vier Israelis. Beide AttentĂ€ter, Mitglieder der islamistischen Hamas-Organisation, wurden getötet.

Dschenin - Hochburg militanter PalÀstinenser

Bei einem israelischen MilitÀreinsatz am Montag in der Stadt Dschenin waren insgesamt sieben PalÀstinenser getötet worden, darunter mindestens zwei militante KÀmpfer sowie zwei Jugendliche. Dschenin gilt als Hochburg militanter PalÀstinenser.

Die Sicherheitslage in Israel und den palĂ€stinensischen Gebieten ist seit langem angespannt. Seit Beginn des Jahres kamen 24 Menschen bei AnschlĂ€gen ums Leben. Im gleichen Zeitraum wurden 137 PalĂ€stinenser bei israelischen MilitĂ€reinsĂ€tzen, Konfrontationen oder nach eigenen AnschlĂ€gen erschossen. Israel eroberte das Westjordanland und Ost-Jerusalem wĂ€hrend des Sechstagekrieges 1967. Die PalĂ€stinenser fordern die Gebiete fĂŒr einen eigenen Staat.

@ dpa.de