Aktivisten: Rebellen umzingeln Orte vor Damaskus
07.12.2024 - 17:13:48Syrische Rebellen haben Aktivisten zufolge bereits Orte im Umland der Hauptstadt Damaskus umstellt. WĂ€hrend sich die Regierungstruppen nach eigenen Angaben «neu positionieren», verzeichnen die AufstĂ€ndischen auch im SĂŒden des Landes und an der Grenze zu Israel weitere Gebietsgewinne. Syriens Staatschef Baschar al-Assad gerĂ€t damit immer weiter unter Druck.Â
Assads Amtssitz in Damaskus sah sich bereits gezwungen, GerĂŒchte zu dementieren, der PrĂ€sident sei geflohen. «Wir bestĂ€tigen, dass der syrische PrĂ€sident seine Arbeit sowie seine nationalen und konstitutionellen Aufgaben von der Hauptstadt Damaskus weiterfĂŒhrt», so die Mitteilung. Auch kurzfristige Auslandsbesuche gebe es nicht, hieĂ es weiter.
Ziel der AufstÀndischen ist der Sturz der Regierung
Vergangene Woche flammte der BĂŒrgerkrieg in Syrien mit einer Rebellen-Offensive unter der FĂŒhrung der islamistischen Gruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS) plötzlich wieder auf. In kĂŒrzester Zeit nahm die Gruppe viele Gebiete im Nordwesten des Landes teils kampflos ein. Ziel der AufstĂ€ndischen ist es, die Regierung zu stĂŒrzen. SpĂ€ter schlossen sich andere Gruppen etwa im SĂŒden des Landes an. Sie stehen nun vor Damaskus, wĂ€hrend die HTS-Einheiten von Norden auf die strategisch wichtige Stadt Homs vorrĂŒcken.
Der Konflikt hatte 2011 mit Protesten gegen die Regierung Assads begonnen. SicherheitskrĂ€fte gingen dagegen mit harter Hand vor. Die Gewaltspirale mĂŒndete in einen BĂŒrgerkrieg mit internationaler Beteiligung, in dem Russland, der Iran, die TĂŒrkei und die USA eigene Interessen verfolgen. Rund 14 Millionen Menschen wurden vertrieben. Nach UN-SchĂ€tzungen kamen bisher mehr als 300.000 Zivilisten ums Leben. Eine politische Lösung ist seit Jahren nicht in Sicht.Â
Soldaten rĂŒcken von Posten bei Damaskus ab
Soldaten der syrischen Regierung haben nach Angaben von Aktivisten Posten in der NĂ€he der Hauptstadt Damaskus verlassen. Die Regierungstruppen hĂ€tten sich aus dem Ort Artuz, etwa 15 Kilometer sĂŒdwestlich von Damaskus, zurĂŒckgezogen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte mit. Das MilitĂ€r Ă€uĂerte sich zunĂ€chst nicht.
Lokale OppositionskrĂ€fte, die sich der Rebellen-Offensive angeschlossen haben, hĂ€tten mehrere Dörfer in der Umgebung umstellt, hieĂ es weiter. Eines ihrer Ziele sei, Gefangene aus einem MilitĂ€rgefĂ€ngnis nördlich von Damaskus zu befreien. Die Beobachtungsstelle mit Sitz in GroĂbritannien bezieht ihre Informationen von Informanten vor Ort.
SymboltrÀchtige Stadt Daraa unter Kontrolle der Opposition
Zuvor hatte sich das syrische MilitĂ€r bereits aus Daraa und Suweida im SĂŒdwesten des Landes zurĂŒckgezogen. Die syrische Staatsagentur Sana berichtete unter Berufung auf das MilitĂ€r, die Regierungstruppen wĂŒrden sich neu positionieren, nachdem «terroristische Elemente» Kontrollpunkte der Armee angegriffen hĂ€tten.
Nach Angaben der Beobachtungsstelle steht die Provinz Daraa mittlerweile vollstÀndig unter der Kontrolle von lokalen OppositionskrÀften. Sie hÀtten auch die angrenzende Provinz Suweida fast vollstÀndig unter ihre Kontrolle gebracht. In der Stadt Daraa brachen im MÀrz 2011 die ersten syrischen Proteste aus.
Bewaffnete Auseinandersetzungen in Homs
Syrische AufstĂ€ndische sind nach eigenen Angaben bereits in der strategisch wichtigen Stadt Homs im Einsatz. In einer Mitteilung der islamistischen Gruppe HTS hieĂ es, KrĂ€fte, die hinter den feindlichen Linien stationiert seien, hĂ€tten mit «Spezialoperationen» im Stadtgebiet begonnen. Gleichzeitig gebe es einen massiven Angriff von mehreren Seiten.Â
Die Syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte bestĂ€tigte, dass es in Homs zu bewaffneten Auseinandersetzungen kommt. Bisher war aber unklar, ob die Rebellen-Allianz genĂŒgend KĂ€mpfer hat, um Homs mit seinen etwa 1,4 Millionen Einwohnern einzunehmen.
Syrische Regierungssoldaten fliehen in den Irak
Mehr als 1.000 Soldaten der syrischen Armee flĂŒchteten unterdessen in den Irak. Die staatliche irakische Nachrichtenagentur INA berichtete unter Berufung auf eine nicht nĂ€her genannte Sicherheitsquelle, dass die Soldaten die Einreise ĂŒber den GrenzĂŒbergang Al-Kaim beantragt hĂ€tten. Sie seien aufgenommen und versorgt worden.Â
Der katarische Nachrichtensender Al-Dschasira zitierte unterdessen einen Sprecher der irakischen Regierung, wonach bereits 2.000 Soldaten der syrischen Armee mit voller AusrĂŒstung in den Irak gekommen seien.
Iran dementiert Evakuierung von Diplomaten aus Syrien
Der Iran wies unterdessen Berichte als falsch zurĂŒck, wonach Diplomaten bereits aus Syrien abgezogen worden seien. Die Botschaft in Damaskus werde ihre Arbeit wie gewohnt fortsetzen, sagte AuĂenamtssprecher Ismail Baghai laut Internetportal Iran Nuances.
Die «New York Times» hatte berichtet, dass iranische Diplomaten und MilitĂ€rberater Syrien verlassen hĂ€tten. Der AuĂenamtssprecher hatte in der Vorwoche gesagt, dass die iranischen Diplomaten und MilitĂ€rs in Syrien blieben und Staatschef Assad bis zum Ende unterstĂŒtzten.
Die Aussagen Baghais stieĂen in Teheran auf Skepsis. Demnach gehen Beobachter davon aus, dass eine Evakuierung der Diplomaten bereits abgeschlossen sei, um sie vorsorglich in Sicherheit zu bringen.
Israel schickt mehr Soldaten an Grenze zu Syrien
Die israelische Armee verstĂ€rkte angesichts des Vormarsches syrischer Rebellen auch in unmittelbarer NĂ€he der Grenze zu Israel seine Truppen auf den Golanhöhen. «Entsprechend der Lagebeurteilung beruft die IDF zusĂ€tzliche KrĂ€fte fĂŒr Verteidigungsaufgaben in der Region der Golanhöhen an der israelisch-syrischen Grenze ein», teilte die Armee auf Telegram mit. Angaben zum Umfang der VerstĂ€rkungen machte die Armee auch auf Anfrage hin zunĂ€chst nicht. Es war bereits die zweite AnkĂŒndigung dieser Art binnen 24 Stunden.
Israel reagierte damit auf den RĂŒckzug des syrischen MilitĂ€rs aus Daraa und Suweida im SĂŒdwesten Syriens. Die beiden StĂ€dte liegen nur wenige Kilometer östlich der Golanhöhen, die Israel im Sechstagekrieg 1967 erobert und 1981 annektiert hat. Vielen Staaten erkennen das nicht an.


