Erdogans Partei verliert bei Wahl in Istanbul
01.04.2024 - 01:27:43 | dpa.deDie Partei des tĂŒrkischen PrĂ€sidenten Recep Tayyip Erdogan hat die BĂŒrgermeisterwahl in der wichtigen Metropole Istanbul nach vorlĂ€ufigen inoffiziellen Ergebnissen verloren. Amtsinhaber Ekrem Imamoglu (53) von der Mitte-Links-Partei CHP gewann nach AuszĂ€hlung fast aller Stimmen deutlich mit rund 51 Prozent, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Imamoglu konnte damit an seinen spektakulĂ€ren Wahlsieg von 2019 anknĂŒpfen und seine Position als möglicher kĂŒnftiger PrĂ€sidentschaftsanwĂ€rter stĂ€rken. Sein Herausforderer, der ehemalige StĂ€dtebauminister Murat Kurum, erreichte demnach lediglich rund 40 Prozent der Stimmen. Istanbul hat rund 16 Millionen Einwohner.
Erdogan verfehlte damit sein wichtigstes Ziel bei der Wahl, mit seiner islamisch-konservativen AKP die politisch wichtige Metropole Istanbul zurĂŒckzugewinnen. In fĂŒnf der gröĂten StĂ€dte des Landes konnte sich die Opposition bei den BĂŒrgermeisterwahlen inoffiziellen Teilergebnissen zufolge durchsetzen - besonders deutlich in der Hauptstadt Ankara. Dort gewann der amtierende BĂŒrgermeister Mansur Yavas laut Anadolu mit einem Vorsprung von mehr als 20 Prozent auf seinen Herausforderer.Â
Stimmungstest fĂŒr Erdogan
«Wir haben nicht das Ergebnis erzielt, das wir uns gewĂŒnscht und erhofft haben», rĂ€umte Erdogan bereits am spĂ€ten Abend in Ankara ein. Die Wahl wurde auch als Stimmungstest fĂŒr Erdogan gewertet, der im vergangenen Jahr nach 20 Jahren an der Macht wiedergewĂ€hlt worden war. Landesweit zeichneten sich nun fĂŒr seine islamisch-konservative AKP vorlĂ€ufigen inoffiziellen Ergebnissen zufolge starke Verluste ab.
Die WĂ€hler haben Erdogans Partei Beobachtern zufolge damit auch fĂŒr die hohe Inflationsrate und die wirtschaftliche Lage abgestraft. Oppositionschef ĂzgĂŒr Ăzel sprach von einem «historischen Ergebnis», das zeige, dass die WĂ€hler eine neue Politik wollten. Imamoglu sagte, die Ergebnisse seien eine wichtige Botschaft an die Welt, wo die Demokratie zurĂŒckgehe und autoritĂ€re Regierungen im Aufwind seien.Â
Imamoglu gilt als HoffnungstrĂ€ger der Opposition. Er hatte Erdogans regierender AKP 2019 die Macht in Istanbul entrissen und damit 25 Jahre der Regierung islamisch-konservativer Parteien beendet. Die AKP lieĂ die Wahl damals annullieren. In der zweiten Runde gewann Imamoglu mit noch gröĂerem Abstand - der Erfolg galt bislang als schwerster RĂŒckschlag in Erdogans politischer Karriere. In Istanbul hatte einst auch Erdogans politischer Aufstieg seinen Anfang genommen, als er 1994 zum BĂŒrgermeister gewĂ€hlt wurde. Erdogan hatte sich persönlich im Wahlkampf um Istanbul eingesetzt.Â
Opposition ging zerstritten in Abstimmung
Die Opposition, die bei der Parlaments- und PrĂ€sidentenwahl 2023 noch im BĂŒndnis antrat, ging zerstritten in die Abstimmung. Anders als bei der vergangenen Kommunalwahl 2019 konnte Imamoglu keinen Oppositionsblock hinter sich vereinen - und entschied die Wahl dennoch fĂŒr sich.Â
Rund 61 Millionen Menschen waren in der TĂŒrkei dazu aufgerufen, BĂŒrgermeister, GemeinderĂ€te und andere Kommunalpolitiker zu wĂ€hlen. Der Wahlkampf galt als unfair - ein GroĂteil der Medien in der TĂŒrkei steht unter direkter oder indirekter Kontrolle der Regierung. Bestimmende Themen waren neben der hohen Inflation von offiziell 67 Prozent, Erdbebenvorsorge und Infrastrukturprojekte.Â
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