Israel billigt Gaza-Einnahme - 60.000 Reservisten einberufen
20.08.2025 - 15:04:18Israels Verteidigungsminister Israel Katz hat die Einberufung von rund 60.000 weiteren Reservisten fĂŒr die Einnahme der Stadt Gaza genehmigt. AuĂerdem solle der Reservedienst von rund 20.000 weiteren Soldaten verlĂ€ngert werden, teilte sein BĂŒro mit.Â
Israel billigte zudem ein höchst umstrittenes Siedlungsprojekt im besetzten Westjordanland, mit dem das Gebiet faktisch in einen nördlichen und einen sĂŒdlichen Teil unterteilt wĂŒrde. Damit wĂŒrde ein zusammenhĂ€ngendes Territorium fĂŒr einen kĂŒnftigen palĂ€stinensischen Staat erschwert - wenn nicht gar unmöglich gemacht.
An der Einnahme der Stadt Gaza sollten vor allem Soldaten im aktiven Wehrdienst beteiligt sein, erklÀrte ein MilitÀrvertreter. Israelische Truppen seien bereits in Vororten der Stadt Gaza prÀsent. Er nannte dabei die Viertel Al-Saitun und Dschabalija. Ingesamt sollen israelischen Medienberichten zufolge nach den neuen Einberufungen bis zu 130.000 Reservisten im Gazastreifen im Einsatz sein.
Zivilbevölkerung in Gaza soll vor Offensive fliehen
Es wird befĂŒrchtet, dass die Offensive die ohnehin katastrophale Lage der Zivilbevölkerung im abgeriegelten Gazastreifen, wo insgesamt rund zwei Millionen PalĂ€stinenser leben, noch verschlimmern wird.Â
Die Zivilisten in der Stadt Gaza - nach SchĂ€tzungen rund eine Million Menschen - sollen sich dem Plan des israelischen MilitĂ€rs zufolge in Zeltquartiere weiter im SĂŒden des KĂŒstenstreifens begeben. Dort solle ihre Versorgung mit medizinischer Hilfe und Nahrungsmitteln gewĂ€hrleistet werden, sagte ein Vertreter des MilitĂ€rs. Wiederholte VorwĂŒrfe internationaler Hilfsorganisationen, Israel blockiere systematisch die Versorgung der Zivilbevölkerung weist das MilitĂ€r energisch zurĂŒck.Â
Hamas-GroĂangriff auf israelischen MilitĂ€rposten in Gaza
Bei einem dramatischen Vorfall im SĂŒden des Gazastreifens griffen nach israelischen MilitĂ€rangaben mehr als 15 schwer bewaffnete PalĂ€stinenser eine Stellung der Armee an. Sie hĂ€tten im Bereich der Stadt Chan Junis auf die israelischen Soldaten geschossen und Panzerabwehrraketen eingesetzt, teilte ein MilitĂ€rvertreter mit. Einige seien in den Posten eingedrungen. Die Truppen hĂ€tten das Feuer erwidert und in Zusammenarbeit mit der Luftwaffe zehn der Angreifer getötet, die aus mehreren TunnelschĂ€chten gekommen seien.Â
Israelische Medien berichteten, man gehe davon aus, dass sie beabsichtigten, Soldaten zu entfĂŒhren. Drei Soldaten seien verletzt worden, einer davon schwer, teilte die Armee mit.Â
Der militĂ€rische Hamas-Arm reklamierte den Angriff fĂŒr sich. «Die Kassam-Brigaden bekrĂ€ftigen, dass solche EinsĂ€tze so lange andauern werden, bis die Besatzung endet und unser Volk Freiheit erlangt», hieĂ es in der Mitteilung der islamistischen Terrororganisation.Â
Antwort Israels auf Waffenruhe-Vorschlag noch offen
Die Genehmigung zur Einnahme der Stadt Gaza erfolgte, obwohl die Hamas am Montag nach eigener Darstellung internationalen Vermittlern eine «positive Antwort» auf einen neuen Vorschlag fĂŒr eine Waffenruhe im Gazastreifen vorgelegt hatte. Mit einer offiziellen Reaktion Israels wird bis Ende der Woche gerechnet. Medienberichten zufolge soll das Sicherheitskabinett am Donnerstag zusammenkommen.Â
Den Berichten nach handelt es sich bei dem jĂŒngsten Vorschlag fĂŒr eine Waffenruhe um eine aktualisierte Fassung des zuvor verhandelten Vorschlags des US-Sondergesandten Steve Witkoff. Dieser sieht eine 60-tĂ€gige Feuerpause vor, wĂ€hrend der zehn lebende Geiseln im Gegenzug fĂŒr palĂ€stinensische HĂ€ftlinge freigelassen werden. Insgesamt befinden sich in Gaza noch 50 Geiseln, von denen noch mindestens 20 am Leben sein sollen.Â
Es wurde spekuliert, der Beschluss des Sicherheitskabinetts zur Ausweitung des Krieges könne Verhandlungstaktik sein, um die Hamas unter Druck zu setzen, wieder an den Verhandlungstisch zurĂŒckzukehren und sich flexibler zu zeigen.Â
Einsatz in Gaza auch gegen Hamas-Tunnelsystem
Die Stadt Gaza sei immer noch die wichtigste Hochburg der islamistischen Terrororganisation Hamas, sagte der israelische MilitĂ€rvertreter. Die Organisation verfĂŒge weiterhin ĂŒber «operative FĂ€higkeiten» und sei zu einem «Guerillakrieg» in der Lage. Ziel des Einsatzes sei es auch, ihr unterirdisches Tunnelsystem zu zerstören.Â
Israelischer Ausschuss billigt umstrittenes Siedlungsprojekt
Ein israelischer Planungsausschuss billigte unterdessen BauplĂ€ne fĂŒr Siedlungen in einem besonders sensiblen Gebiet im Westjordanland. Dies teilte die israelische Organisation Peace Now mit, die mit einem ReprĂ€sentanten vor Ort vertreten war. Der israelische Siedlerrat begrĂŒĂte die Entscheidung.Â
Es geht dabei um den Bau von rund 3.400 Wohneinheiten in dem sogenannten E1-Gebiet zwischen Ost-Jerusalem und der Siedlung Maale Adumim. Das Gebiet gilt wegen der geografischen Lage als besonders heikel, weil eine Bebauung das Westjordanland faktisch in einen nördlichen und einen sĂŒdlichen Teil unterteilen wĂŒrde.Â
Deutliche Kritik aus Deutschland
BundesauĂenminister Johann Wadephul kritisierte die Entscheidung. «Derartige Vorhaben wĂ€ren, wenn sie durchgefĂŒhrt werden wĂŒrden, völkerrechtswidrig und wĂŒrden eine Zweistaatenlösung verunmöglichen», sagte der CDU-Politiker am Rande eines Besuches in der indonesischen Hauptstadt Jakarta vor Journalisten.Â
Mit Zweistaatenlösung ist ein unabhĂ€ngiger palĂ€stinensischer Staat gemeint, der friedlich Seite an Seite mit Israel existiert. Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu lehnt eine Zweistaatenlösung ab - ebenso wie die islamistische Hamas im Gazastreifen.Â
Streit um Anerkennung eines palÀstinensischen Staates
Israels rechtsextremer Finanzminister Bezalel Smotrich hatte entsprechende SiedlungsplĂ€ne vor knapp einer Woche angekĂŒndigt. Dieser Schritt «begrĂ€bt endgĂŒltig die Idee eines palĂ€stinensischen Staates», sagte er vor Ort.Â
Mehrere Staaten, darunter Frankreich, Kanada und Australien, wollen im kommenden Monat einen palĂ€stinensischen Staat anerkennen. Die Bundesregierung wiederum steht auf dem Standpunkt, eine Anerkennung sollte der Endpunkt eines Verhandlungsprozesses zwischen Israel und den PalĂ€stinensern sein.Â
Israel lehnt die Anerkennung als «Belohnung fĂŒr die Hamas» nach dem Massaker am 7. Oktober 2023 ab. Bei dem Terrorangriff im SĂŒden Israels wurden rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 weitere in den Gazastreifen verschleppt.Â
Im Gaza-Krieg wurden seither nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 62.000 PalĂ€stinenser getötet. Fast alle Einwohner des KĂŒstenstreifens sind seit Kriegsbeginn vor fast zwei Jahren zu BinnenflĂŒchtlingen geworden.







