Campus-Proteste: RĂ€umung in New York, Ausschreitungen in LA
01.05.2024 - 16:45:50Ein GroĂaufgebot der New Yorker Polizei hat nach der Eskalation propalĂ€stinensischer Proteste an der Elite-UniversitĂ€t Columbia ein von Studierenden besetztes HochschulgebĂ€ude gerĂ€umt. Am Dienstagabend (Ortszeit) strömten Hunderte Polizisten auf den Campus im Norden Manhattans, wie eine dpa-Reporterin vor Ort berichtete. BĂŒrgermeister Eric Adams sprach von insgesamt etwa 300 Festnahmen an der Columbia-UniversitĂ€t sowie am City College der Metropole.
In Los Angeles an der WestkĂŒste kam es derweil zu Ausschreitungen rivalisierender Protestgruppen bei einem Camp an der University of California Los Angeles (UCLA), wie US-Medien ĂŒbereinstimmend berichteten. Laut der Zeitung «Los Angeles Times» handelte es sich neben AnhĂ€ngern einer propalĂ€stinensischen Gruppe auch um proisraelische Demonstranten. Die Polizei traf nach Mitternacht ein, die angespannte Lage auf dem Campus hielt demnach aber weiter an.Â
Auf Aufnahmen, die CNN live zeigte, war unter anderem zu sehen, wie Teilnehmer einer Gegendemonstration versuchten, zum Schutz des Camps aufgestellte Holzbarrikaden einzureiĂen und in das Zeltlager vorzudringen. Die im Camp versammelten Demonstranten hĂ€tten dagegengehalten und dabei auch Pfefferspray eingesetzt, schrieb «Los Angeles Times». Auch seien Objekte, darunter Feuerwerkskörper, geworfen worden. Mehrere Personen mussten medizinisch behandelt werden.
Vermummte mit PalĂ€stinensertĂŒchern
Demonstrierende an den UniversitĂ€ten im ganzen Land kritisieren das Vorgehen Israels im Gaza-Krieg und fordern SolidaritĂ€t mit den PalĂ€stinensern. An der Columbia-UniversitĂ€t verlangen sie, finanzielle Beziehungen der Hochschule mit Israel zu kappen. Die UniversitĂ€tsleitung lehnte das ab - und forderte die UnterstĂŒtzung der Polizei an, nachdem Vermummte mit schwarz-weiĂen PalĂ€stinensertĂŒchern in der Nacht zu Dienstag Fenster eingeschlagen, die Hamilton Hall gestĂŒrmt und den Eingang des GebĂ€udes mit StĂŒhlen und Tischen verbarrikadiert hatten.
Bei dem folgenden Polizeieinsatz wurden auch Dutzende Zelte im sogenannten SolidaritĂ€tscamp auf dem GelĂ€nde durchsucht. Aufnahmen zeigten, dass die Demonstranten noch versuchten, die Polizei mit Menschenketten am Vordringen zu hindern, jedoch zur Seite geschoben oder auseinandergerissen wurden. Das Zeltlager wurde schlieĂlich abgebaut. BĂŒrgermeister Adams beschuldigte erneut Scharfmacher auĂerhalb der Studierendenschaft, die Proteste zu eskalieren.Â
Auch in anderen US-StĂ€dten haben Studierende zuletzt Uni-GebĂ€ude besetzt gehalten, so unter anderem in Portland. An der Brown UniversitĂ€t in Providence (Rhode Island) erreichten die Demonstrierenden ein Deal: Sie bauten ihr Zeltlager ab - die Uni sagte ihnen dafĂŒr eine Abstimmung ĂŒber die finanziellen Beziehungen der Hochschule nach Israel zu.
Es war bereits der zweite GroĂeinsatz auf dem Columbia Campus, nachdem die New Yorker Polizei vor knapp zwei Wochen schon einmal auf Bitten der Uni-Leitung gegen die Studierenden vorgerĂŒckt war. Diese sahen sich in ihrem Recht auf freie MeinungsĂ€uĂerung beschrĂ€nkt und kritisierten das Vorgehen der SicherheitskrĂ€fte als unverhĂ€ltnismĂ€Ăig. In der Folge kam es an Dutzenden UniversitĂ€ten in den USA zu Demonstrationen und der Errichtung von Zeltlagern.Â
«Das ist kein Beispiel fĂŒr friedlichen Protest»
Kritiker werfen insbesondere dem radikalen Teil der Protestbewegung Antisemitismus und die Verharmlosung der Hamas vor - die Islamistenorganisation spricht Israel das Existenzrecht ab und hat den Gaza-Krieg mit einem beispiellosen Massaker am 7. Oktober ausgelöst.
Die gewaltsame Besetzung der Hamilton Hall fachte die Kritik an den Studierenden nochmals an. Die Columbia-UniversitĂ€t teilte mit, man habe sehr deutlich gemacht, «dass die Arbeit der UniversitĂ€t nicht endlos durch Demonstranten gestört werden kann, die gegen die Regeln verstoĂen. Wenn dies weiterhin geschieht, wird dies klare Konsequenzen nach sich ziehen.» Selbst die US-Regierung sprach von einem «absolut falschen Weg» der Studierenden: «Das ist kein Beispiel fĂŒr friedlichen Protest», sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby.
Am Montag hatte die Hochschulleitung angekĂŒndigt, Studentinnen und Studenten zu suspendieren, sollten sie das Protestcamp auf dem UniversitĂ€tsgelĂ€nde nicht bis zum Nachmittag verlassen. Doch das Gegenteil geschah: Demonstrierende drangen in die Hamilton Hall ein, die schon 1968 wĂ€hrend eines Protests gegen den Vietnam-Krieg besetzt worden war.
Seit Beginn der propalÀstinensischen Studentenproteste im April wurden in den USA mehr als 1000 Demonstranten vorlÀufig festgenommen. Am Dienstag ging es nicht nur in New York und Kalifornien hoch her, auch in anderen Bundesstaaten wie Georgia, North Carolina, Texas und Florida griff die Polizei ein.
Die Hamas und andere islamistische Gruppen hatten bei ihrem Ăberfall auf Israel am 7. Oktober vergangenen Jahres etwa 1200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Israel reagierte darauf mit einer Bodenoffensive und Luftangriffen auf das KĂŒstengebiet. In der Folge wurden nach - unabhĂ€ngig kaum zu verifizierenden - Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde seit Kriegsbeginn etwa 34.500 Menschen getötet.





