Wer wird McCarthy-Nachfolger? - Donald Trump zeigt Interesse
05.10.2023 - 04:51:52 | dpa.deDie US-Republikaner suchen nach der historischen Absetzung des Vorsitzenden des US-ReprĂ€sentantenhauses nach einem Ausweg aus dem Chaos. Erste Kandidaten fĂŒr den Chefposten haben sich bereits in Stellung gebracht. Der Getreue von Ex-PrĂ€sident Donald Trump und Abgeordnete Jim Jordan warf am Mittwoch seinen Hut in den Ring. Nur kurze Zeit spĂ€ter kĂŒndigte die bisherige republikanische Nummer zwei in der Kammer, Steve Scalise, an, ins Rennen einsteigen zu wollen. In den kommenden Tagen dĂŒrften noch einige Bewerber hinzukommen. Auch Trump lieĂ es sich nicht nehmen, GerĂŒchte ĂŒber eine Kandidatur anzuheizen.
Bewerber fĂŒr den «schlimmsten Job in Amerika»
Das Amt des Vorsitzenden des ReprĂ€sentantenhauses gilt gemeinhin als Knochenjob. Vorsitzende der Kammer mĂŒssen die Mehrheiten in ihren Fraktionen organisieren, Spenden fĂŒr die Partei sammeln und können es eigentlich nie allen Recht machen. Der republikanische Abgeordnete Ken Buck sprach erst am Montag vom «schlimmsten Job in Amerika». Nur einen Tag spĂ€ter stimmte er fĂŒr die Abwahl Kevin McCarthys, der den Job einst unbedingt wollte. Immerhin bringt die Rolle auch Prestige mit sich: Der Vorsitzende des ReprĂ€sentantenhauses kommt in der staatlichen Rangfolge an dritter Stelle nach dem PrĂ€sidenten und dessen Vize.
Und so meldeten sich auch nach McCarthys Abwahl schnell interessierte Republikaner zu Wort. Die Partei hat eine hauchdĂŒnne Mehrheit in der Parlamentskammer. Der Trump-Getreue Jordan aus dem Bundesstaat Ohio hat bereits deutlich gemacht, sich gegen ein neues Hilfepaket fĂŒr die von Russland angegriffene Ukraine stellen zu wollen, sollte er gewĂ€hlt werden. Der 59-JĂ€hrige gehört zum rechten Rand der Fraktion und weigerte sich, mit dem Ausschuss zur Kapitol-Attacke vom 6. Januar 2021 trotz Vorladung zusammenarbeiten. Jordan leitet mittlerweile den Justizausschuss, der sich mit Impeachment-Ermittlungen gegen US-PrĂ€sident Joe Biden beschĂ€ftigt.
FĂŒr Scalise kommt die Wahl zur Unzeit. Bei dem 57-JĂ€hrigen wurde Blutkrebs diagnostiziert, er ist aktuell in Behandlung. Dennoch schrieb er einen Brief an seine Parteikolleginnen und -kollegen, in dem er seine Ambitionen verkĂŒndete. «Jetzt mĂŒssen wir mehr denn je die tiefen Wunden heilen, die in unserer Fraktion bestehen, und uns auf unsere Ziele konzentrieren, damit wir uns wieder fĂŒr die Millionen von Menschen einsetzen können, die auf uns zĂ€hlen», hieĂ es darin. Bei den Republikanern war man sich nicht sicher, ob Scalise trotz seiner Erkrankung antreten will.
Ex-PrÀsident Trump mischt mit
Ein anderer alter Bekannter konnte es nicht lassen, sich ebenfalls ins Rampenlicht zu rĂŒcken: Trump veröffentlichte am Mittwoch auf der Plattform Truth Social eine Fotomontage und kokettiert so mit einer möglichen Kandidatur. Auf dem Bild ist er mit dem Holzhammer des Vorsitzenden in der Hand zu sehen. Auf dem Kopf trĂ€gt er eine Baseballkappe mit seinem Wahlkampfmotto: «Make America Great Again» (auf Deutsch: Macht Amerika wieder groĂartig).
Bei der Abstimmung können die Abgeordneten auch Personen nominieren, die keine Mitglieder des US-Kongresses sind - wie Trump. Ein Abgeordneter mĂŒsste Trump als Kandidaten aufstellen. Schon bei dem Abstimmungsmarathon im Januar nominierte der glĂŒhende Trump-AnhĂ€nger Matt Gaetz den Ex-PrĂ€sidenten und war der einzige, der fĂŒr ihn stimmte. Es handelte sich eher um eine Protestaktion von Gaetz.
Trump werden auch jetzt keine wirklichen Chancen eingerĂ€umt, zum Vorsitzenden gewĂ€hlt zu werden. Denn alle FlĂŒgel der Republikaner mĂŒssten sich hinter einem Kandidaten versammeln. Dass Trump mitten im Wahlkampf um die PrĂ€sidentschaftskandidatur fĂŒr die Wahl 2024 ernsthaft Vorsitzender der Parlamentskammer werden will, ist auĂerdem sehr unwahrscheinlich. Der 77-JĂ€hrige antwortete in New York nicht direkt auf eine Nachfrage, ob er den Job möglicherweise zumindest kurzfristig selbst ĂŒbernehmen könnte. Er hĂ€tte wegen des Themas viele Anrufe bekommen, sagte er lediglich.
«Vergiftete AtmosphÀre» in Washington
FrĂŒhestens Mitte kommender Woche könnte es eine Wahl geben. McCarthy jedenfalls will nicht noch einmal antreten, das machte er nach seiner Absetzung klar. Auch der republikanische Hardliner Gaetz, der den Antrag auf Absetzung gegen McCarthy eingebracht hatte, versicherte, er habe keine Ambitionen auf eine Kandidatur. Stattdessen werden in der Partei Stimmen lauter, den 41-JĂ€hrigen aus der Fraktion auszuschlieĂen.
US-PrĂ€sident Biden rief inmitten des Durcheinanders zu einem friedlicheren Miteinander in der Politik auf. «Wir mĂŒssen die vergiftete AtmosphĂ€re in Washington Ă€ndern», sagte der Demokrat. «Wir haben groĂe Meinungsverschiedenheiten, aber wir mĂŒssen aufhören, uns gegenseitig als Feinde zu sehen.»
Pelosi wird aus BĂŒro vertrieben
Eine Posse am Rande der Suche nach einem neuen Vorsitzenden macht jedoch deutlich, dass damit wohl absehbar erstmal nicht zu rechnen ist. Die ehemalige Vorsitzende des ReprĂ€sentantenhauses, Nancy Pelosi, wurde von dem Interims-Vorsitzenden Patrick McHenry aufgefordert, ihr BĂŒro im Kapitol zu rĂ€umen. In der Regel haben Abgeordnete keine BĂŒros im Kapitol selbst, sondern in den angrenzenden GebĂ€uden. Hochrangige Abgeordnete haben jedoch einen RĂŒckzugsort im Kapitol - dazu zĂ€hlt der oder die Vorsitzende der Kammer.
Entsprechend der Tradition durfte die Demokratin und Abgeordnete Pelosi ihr BĂŒro auch nach dem Ende ihrer Amtszeit behalten. Der Sender CNN berichtete, dass die Demokraten das Ganze als Vergeltung dafĂŒr betrachten, dass die Partei McCarthy bei der Abstimmung gegen ihn nicht geholfen hat. Besonders bitter: Pelosi ist nicht einmal in Washington. Sie nahm in Kalifornien an der Trauerfeier fĂŒr die gestorbene Senatorin Dianne Feinstein teil.
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