Pellegrini, PrÀsident

Pellegrini als neuer PrÀsident der Slowakei vereidigt

15.06.2024 - 14:24:02

Die Slowakei steht noch unter dem Schock des Anschlags auf MinisterprÀsident Fico. Nun hat das Land einen neuen PrÀsidenten aus dem links-nationalen Lager. Die Opposition hat eine konkrete Sorge.

Der Sozialdemokrat und frĂŒhere Regierungschef Peter Pellegrini ist neuer PrĂ€sident der Slowakei. Der 48-JĂ€hrige legte in einer feierlichen Zeremonie in der Philharmonie in Bratislava vor den Parlamentsabgeordneten den Amtseid ab. Er wolle auch den Respekt derjenigen gewinnen, die ihn nicht gewĂ€hlt hĂ€tten, sagte er. Pellegrini rief die Menschen auf, die gesellschaftliche Spaltung zu ĂŒberwinden: «Wir mĂŒssen diese Mauer gemeinsam niederreißen, denn wir sind eine Nation, eine Gesellschaft, eine Slowakei.»

Pellegrini gilt als VerbĂŒndeter des links-nationalen Regierungschefs Robert Fico, der jĂŒngst bei einem Attentat schwer verletzt wurde und der Vereidigung nicht persönlich beiwohnen konnte. Bei der Stichwahl Anfang April hatte sich der bisherige ParlamentsprĂ€sident Pellegrini mit 53,1 Prozent der Stimmen knapp gegen den liberalen Ex-Außenminister Ivan Korcok durchgesetzt. Die scheidende liberale PrĂ€sidentin Zuzana Caputova hatte auf eine erneute Kandidatur verzichtet. 

PrÀsident ist auch Oberbefehlshaber der StreitkrÀfte

Der PrĂ€sident hat in der Slowakei ĂŒberwiegend reprĂ€sentative Aufgaben. Er ernennt den Regierungschef und die Minister, zudem vertritt er das Land mit knapp fĂŒnfeinhalb Millionen Einwohnern nach außen. Der PrĂ€sident kann gegen Gesetze ein Veto einlegen, das aber vom Parlament ĂŒberstimmt werden kann. Zudem ist er Oberbefehlshaber der StreitkrĂ€fte.

Mit der Vereidigung Pellegrinis verfĂŒgt das links-nationale Lager ĂŒber die beiden wichtigsten politischen Ämter im Land. Die Opposition befĂŒrchtet, dass die Koalition nun umstrittene Vorhaben wie die geplante Auflösung des öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsenders RTVS mit Nachdruck durchsetzen wird. Sie warnt, dass die Slowakei dem Kurs Viktor Orbans in Ungarn folgen könnte. Pellegrinis VorgĂ€ngerin Caputova unterzeichnete eine umstrittene Justizreform zwar, schickte sie aber zugleich an das Verfassungsgericht zur ÜberprĂŒfung.

Pellegrini betonte in seiner Rede, dass viele Menschen in der Slowakei verunsichert seien. «Krieg war fĂŒr uns nur noch ein Begriff aus den GeschichtsbĂŒchern – und auf einmal ist er da, in Sichtweite von unserer östlichen Grenze», sagte er mit Blick auf die Ukraine. Man mĂŒsse dem Nachbarland helfen, zu einem gerechten Frieden zu kommen. Konkreter wurde er dabei nicht. MinisterprĂ€sident Fico hatte nach seiner Wahl staatliche Waffenlieferungen an die Ukraine gestoppt und sich gegen einen kĂŒnftigen Nato-Beitritt des Nachbarstaats ausgesprochen. 

Die Oppositionsbewegung Slovensko des frĂŒheren populistischen MinisterprĂ€sidenten Igor Matovic blieb der AmtseinfĂŒhrung fern, um dagegen zu protestieren, dass auch ein Vertreter der russischen Botschaft eingeladen war. Das zeuge von einer «absoluten Ignoranz gegenĂŒber dem Leiden der wehrlosen Opfer» der russischen Aggression gegen die Ukraine, kritisierte die Partei. Auf dem weiteren Programm Pellegrinis standen ein katholischer Dankgottesdienst, eine MilitĂ€rparade und ein gemeinsames Mittagessen des PrĂ€sidenten mit 15 Senioren und 15 jungen Leuten. Seine erste Auslandsreise als PrĂ€sident soll nach Tschechien gehen.

@ dpa.de