Taiwan, China-Kritiker

Taiwan wÀhlt China-Kritiker zum PrÀsidenten

13.01.2024 - 17:26:39

Die Spannungen im Taiwan-Konflikt haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Das Thema hat den PrĂ€sidentschaftswahlkampf bestimmt. Was bedeutet die Wahl fĂŒr die schwierige Beziehung zu China?

  • Taiwan wĂ€hlt einen neuen PrĂ€sidenten und ein neues Parlament. - Foto: Johannes Neudecker/dpa

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  • PrĂ€sidentschaftskandidat Hou Yu-ih winkt bei seiner Ankunft in einem Wahllokal. - Foto: Louise Delmotte/AP

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  • PrĂ€sidentschaftskandidat William Lai von der  Demokratischen Fortschrittspartei gibt in Tainan seine Stimme ab. - Foto: Ng Han Guan/AP/dpa

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  • Menschen beten in einem Tempel, der als Wahllokal genutzt wurde. - Foto: Ng Han Guan/AP

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  • PrĂ€sidentschaftskandidat Ko Wen-je ist mit seiner Frau Chen Pei-chi zur Stimmabgabe gekommen. - Foto: Johannes Neudecker/dpa

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  • AnhĂ€nger des PrĂ€sidentschaftskandidaten William Lai jubeln. Nach ersten Erhebungen lokaler Fernsehsender hat der Kandidat der regierenden Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) die FĂŒhrung ĂŒbernommen. - Foto: ChiangYing-ying/AP

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  • Warten auf das Ergebnis der Wahl: Eine Frau schwenkt die Nationalflagge von Taiwan. - Foto: Ng Han Guan/AP/dpa

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  • Jubel bei den AnhĂ€ngern von William Lai. - Foto: Wiktor Dabkowski/ZUMA Press Wire/dpa

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  • William Lai begrĂŒĂŸt seine AnhĂ€nger. - Foto: Louise Delmotte/AP

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  • Die Menschen jubeln  bei einer Kundgebung der Demokratischen Fortschrittspartei. - Foto: Louise Delmotte/AP/dpa

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Taiwan wĂ€hlt einen neuen PrĂ€sidenten und ein neues Parlament. - Foto: Johannes Neudecker/dpaPrĂ€sidentschaftskandidat Hou Yu-ih winkt bei seiner Ankunft in einem Wahllokal. - Foto: Louise Delmotte/APPrĂ€sidentschaftskandidat William Lai von der  Demokratischen Fortschrittspartei gibt in Tainan seine Stimme ab. - Foto: Ng Han Guan/AP/dpaMenschen beten in einem Tempel, der als Wahllokal genutzt wurde. - Foto: Ng Han Guan/APPrĂ€sidentschaftskandidat Ko Wen-je ist mit seiner Frau Chen Pei-chi zur Stimmabgabe gekommen. - Foto: Johannes Neudecker/dpaAnhĂ€nger des PrĂ€sidentschaftskandidaten William Lai jubeln. Nach ersten Erhebungen lokaler Fernsehsender hat der Kandidat der regierenden Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) die FĂŒhrung ĂŒbernommen. - Foto: ChiangYing-ying/APWarten auf das Ergebnis der Wahl: Eine Frau schwenkt die Nationalflagge von Taiwan. - Foto: Ng Han Guan/AP/dpaJubel bei den AnhĂ€ngern von William Lai. - Foto: Wiktor Dabkowski/ZUMA Press Wire/dpaWilliam Lai begrĂŒĂŸt seine AnhĂ€nger. - Foto: Louise Delmotte/APDie Menschen jubeln  bei einer Kundgebung der Demokratischen Fortschrittspartei. - Foto: Louise Delmotte/AP/dpa

In einem RĂŒckschlag fĂŒr China haben die Menschen in Taiwan William Lai von der Demokratischen Fortschrittspartei zum neuen PrĂ€sidenten gewĂ€hlt. Bei der Parlaments- und PrĂ€sidentschaftswahl in dem ostasiatischen Inselstaat errang der 64-JĂ€hrige rund 40 Prozent der Stimmen.

Taiwan entschied sich damit fĂŒr den Status quo, vor allem in Bezug auf das VerhĂ€ltnis zum mĂ€chtigen Nachbarn China. Lais Partei steht fĂŒr eine UnabhĂ€ngigkeit Taiwans, Peking betrachtet sie deshalb als Separatisten. Im Parlament verlor die Fortschrittspartei (DPP) jedoch ihre absolute Mehrheit, was die kĂŒnftige Regierungsarbeit erschweren dĂŒrfte.

«Wir sagen der internationalen Gemeinschaft, dass wir zwischen Demokratie und Autoritarismus auf der Seite der Demokratie stehen», erklÀrte Lai am Abend in Taipeh.

Spannungen mit China

Das angespannte VerhĂ€ltnis zu China war ein bestimmendes Wahlkampfthema in dem Land mit mehr als 23 Millionen Einwohnern. Die Kommunistische Partei in Peking zĂ€hlt Taiwan zum Territorium Chinas, obwohl sie die Insel im Indopazifik bislang nie regierte und Taiwan seit Jahrzehnten eine unabhĂ€ngige, demokratisch gewĂ€hlte Regierung hat. Lai rief China noch am Abend dazu auf, den Frieden in der Meerenge zwischen beiden Staaten zu wahren. «Ein globaler Frieden hĂ€ngt vom Frieden in der Taiwanstraße ab», sagte er. Zugleich zeigte er sich fĂŒr Zusammenarbeit mit China bereit.

Auch Lais Kontrahenten hatten sich fĂŒr Austausch mit Peking stark gemacht. FĂŒr Hou Yu-ih von der chinafreundlichen und konservativen Kuomintang (KMT) und Ko Wen-je von der populistischen Taiwanischen Volkspartei (TPP) stimmten jedoch nur 33,49 Prozent beziehungsweise 26,46 Prozent der WĂ€hler. Insgesamt waren 19,5 Millionen Menschen zur Wahl aufgerufen. Die Beteiligung lag mit rund 72 Prozent geringfĂŒgig niedriger als 2020.

Expertin: Mehr Spannungen möglich

«Lais Sieg wird die Spannungen in der Taiwanstraße erhöhen, und es gibt die Erwartung, dass Peking damit reagiert, den Druck auf Taiwan zu erhöhen», sagte die Expertin fĂŒr Außen- und Sicherheitspolitik am China-Institut Merics in Berlin, Helena Legarda, der Deutschen Presse-Agentur. Möglich seien etwa MilitĂ€rĂŒbungen oder handelspolitische Zwangsmaßnahmen. Einen Krieg in der Meerenge hielt die Expertin allerdings fĂŒr unwahrscheinlich. Peking werde das aktuelle Maß an Druck beibehalten, um eine Eskalation zu verhindern.

Die Spannungen in der Taiwanstraße, einer Ă€ußert wichtigen internationalen Handelsroute, nahmen ĂŒber Jahre zu. Mittlerweile lĂ€sst die Volksbefreiungsarmee fast tĂ€glich als Machtdemonstration Kampfflieger in Taiwans Luftverteidigungszone fliegen. Schon 2016 brach China den Kontakt zur taiwanischen Regierung ab, nachdem die DPP unter Tsai Ing-wen die PrĂ€sidentschaftswahl gewann. Außerdem droht Peking immer wieder mit militĂ€rischen Mitteln, sollte eine «Wiedervereinigung» scheitern. China begrĂŒndet historisch, dass Taiwan zum Gebiet der Volksrepublik zĂ€hle.

Sollte Taiwan offiziell die UnabhĂ€ngigkeit erklĂ€ren, wĂ€re das fĂŒr Peking ein Grund, die Situation in der Taiwanstraße eskalieren zu lassen. Lai will die Verteidigung Taiwans deshalb aufrĂŒsten und China so abschrecken, einen Konflikt zu beginnen. Er hĂ€lt es nach eigenen Worten aber nicht fĂŒr nötig, die UnabhĂ€ngigkeit Taiwans offiziell zu erklĂ€ren.

Reaktion aus Peking

China sieht keinen Grund fĂŒr einen Kurswechsel in den Beziehungen zu dem Inselstaat. Diese Wahl könne den generellen Trend hin zu einer «unausweichlichen Wiedervereinigung» mit dem Festland nicht verĂ€ndern, teilte der Sprecher des BĂŒros fĂŒr Taiwan-Angelegenheiten, Chen Binhua, in Peking mit.

«Die Ergebnisse der beiden Wahlen zeigen, dass die Demokratischen Fortschrittspartei nicht in der Lage ist, die vorherrschende öffentliche Meinung zu reprÀsentieren», sagte er. Taiwan gehöre zu China.

Schwierige Parlamentsarbeit

Laut dem Politik-Experten Wu Rwei-ren von der taiwanischen Academia Sinica dĂŒrfte die DPP nun Taiwans politische und wirtschaftliche Allianz mit den USA aufrechterhalten. Die Vereinigten Staaten sind ein VerbĂŒndeter der Insel. US-PrĂ€sident Joe Biden hatte Taipeh UnterstĂŒtzung im Fall einer Verteidigung zugesichert. Schon lĂ€nger liefern US-Firmen Waffen an Taiwan, was Peking kritisiert. Im Parlament könnte es die DPP nach dem Verlust der absoluten Mehrheit nun schwerer haben. Von den 113 Sitzen entfielen 52 auf die KMT und 51 auf die DPP. Das Kabinett, das Lai als PrĂ€sident ernennt, muss daher zum Beispiel mit der TPP zusammenarbeiten, die acht Sitze erhielt.

Die von Lai ernannte Regierung dĂŒrfte innenpolitisch auf mehr Widerstand stoßen, was die weitere Verflechtung mit dem US-Lager verlangsamen könnte, sagte Wu. Lai kĂŒndigte bereits an, auch Vertreter anderer Parteien mit einzubinden, und zunĂ€chst an politischen Vorhaben arbeiten zu wollen, bei denen ein Konsens herrsche.

Aktivist: Klare Unterscheidung zwischen China und KP

Lai sollte in den Augen von Wang Dan, einem Aktivisten und 1989 StudentenanfĂŒhrer bei den Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking, außerdem eine klare Unterscheidung zwischen China und der Kommunistischen Partei machen. «Er sollte offen Chinas Demokratisierung unterstĂŒtzen und Chinas Demokratisierung als wichtige Grundlage fĂŒr die zukĂŒnftige Entwicklung auf beiden Seiten der Taiwanstraße erachten», sagte Wang der dpa. Der heute in Taiwan lebende Dissident forderte zudem, dass sich die Inselrepublik international aktiv bei globalen Themen einbringt, um als Mitglied anerkannt zu werden.

@ dpa.de