Staatsanwaltschaft klagt Hersteller von SpÀhsoftware FinSpy an
22.05.2023 - 12:10:09Wie die Behörde am Montag mitteilte, sollen sich vier Angeschuldigte vor der 12. Strafkammer verantworten, weil sie durch den Verkauf von Ăberwachungssoftware an Nicht-EU-LĂ€nder mutmaĂlich vorsĂ€tzlich gegen Genehmigungspflichten verstoĂen und sich damit strafbar gemacht haben könnten. Im konkreten Fall soll der tĂŒrkische Geheimdienst MIT einen Millionenauftrag erteilt haben, der aber angeblich verschleiert wurde.
Die Ăberwachungssoftware soll dann im Jahr 2017 ĂŒber eine gefĂ€lschte Webseite im Design der tĂŒrkischen Oppositionsbewegung zum Download angeboten worden sein, um diese auszuspĂ€hen. Ausgangspunkt der Ermittlungen war eine Strafanzeige im Sommer 2019, die von mehreren Nichtregierungsorganisationen eingereicht worden war, die sich fĂŒr Pressefreiheit und Menschenrechte einsetzen - dem Vernehmen nach unter anderem "Reporter ohne Grenzen" und ECCHR. Mit ihrer Strafanzeige legten diese nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch entsprechende Analysen von IT-Experten vor. 2020 waren bereits GeschĂ€ftsrĂ€ume und Privatwohnungen rund um MĂŒnchen und ein Unternehmen in RumĂ€nien durchsucht worden, auch an Schweden, Zypern, Malaysia und Bulgarien wurden Rechtshilfeersuchen gerichtet. GeschĂ€ftszweck der mittlerweile insolventen FinFisher-Gruppe war die Entwicklung und der weltweite Vertrieb von Software zum Einsatz durch Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendienste. In diesem Bereich zĂ€hlte die Gruppe weltweit zu einem der fĂŒhrenden Unternehmen. Mit "FinSpy" soll es möglich gewesen sein, die volle Kontrolle ĂŒber PCs und Smartphones zu erlangen und dabei auch die laufende Kommunikation zu ĂŒberwachen. Abnehmer waren das Bundeskriminalamt (BKA), Staaten in der EU, aber "insbesondere" auch LĂ€nder auĂerhalb der EU, fĂŒr die auch keine Allgemeine Ausfuhrgenehmigung erteilt wurde, wie die MĂŒnchner Staatsanwaltschaft mitteilte.
dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH


