Nahost, Dschenin

Tote bei MilitÀroffensive Israels im Westjordanland

03.07.2023 - 07:59:37

Die Stadt Dschenin Westjordanland gilt als Hochburg militanter PalĂ€stinenser. Nun startet Israel dort seit Jahrzehnten erstmals wieder eine mögliche Großoffensive - mit offenem Ende.

  • Ein F-35-Kampfflugzeug der israelischen Luftwaffe (Archivbild). Mehrere gezielte Luftangriffe sollen unter anderem ein palĂ€stinensisches Waffenlager, einen Versammlungsort fĂŒr Terroristen und ein auch als Beobachtungsposten genutztes Kommando- und Kommunikationszentrum getroffen haben. - Foto: Tsafrir Abayov/AP/dpa

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  • Der israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant (r) sitzt in einem Einsatzraum der Israelischen VerteidigungskrĂ€fte (IDF), wĂ€hrend er die nĂ€chtliche Operation in der Stadt Dschenin verfolgt. - Foto: Ariel Hermoni/IMoD/dpa

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  • Israelisches MilitĂ€rfahrzeug in Dschenin. - Foto: Ayman Nobani/dpa

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  • WĂ€hrend der israelischen MilitĂ€roperation steigt Rauch ĂŒber der Stadt Dschenin im Westjordanland auf. - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

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Ein F-35-Kampfflugzeug der israelischen Luftwaffe (Archivbild). Mehrere gezielte Luftangriffe sollen unter anderem ein palĂ€stinensisches Waffenlager, einen Versammlungsort fĂŒr Terroristen und ein auch als Beobachtungsposten genutztes Kommando- und Kommunikationszentrum getroffen haben. - Foto: Tsafrir Abayov/AP/dpaDer israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant (r) sitzt in einem Einsatzraum der Israelischen VerteidigungskrĂ€fte (IDF), wĂ€hrend er die nĂ€chtliche Operation in der Stadt Dschenin verfolgt. - Foto: Ariel Hermoni/IMoD/dpaIsraelisches MilitĂ€rfahrzeug in Dschenin. - Foto: Ayman Nobani/dpaWĂ€hrend der israelischen MilitĂ€roperation steigt Rauch ĂŒber der Stadt Dschenin im Westjordanland auf. - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

Bei einem großangelegten israelischen MilitĂ€reinsatz in der Stadt Dschenin im Westjordanland sind mindestens acht PalĂ€stinenser getötet worden. Rund 50 weitere seien verletzt worden, davon zehn in kritischem Zustand, teilte das palĂ€stinensische Gesundheitsministerium mit. Unklar ist noch, ob es sich bei den Toten um KĂ€mpfer militanter Islamisten oder unbeteiligte Anwohner handelt.

Die Operation «Heim und Garten», die sich nach israelischen Angaben gegen «terroristische Infrastruktur» richtete, dauerte am frĂŒhen Montagmorgen noch an. Die Region um Dschenin und das dazugehörende FlĂŒchtlingslager mit rund 17.000 Einwohnern gelten seit Jahren als Hochburg militanter PalĂ€stinenser.

Mehrere gezielte Luftangriffe in der Nacht hĂ€tten unter anderem ein Waffenlager, einen Versammlungsort fĂŒr Terroristen und ein auch als Beobachtungsposten genutztes Kommando- und Kommunikationszentrum getroffen, teilte die Armee mit. Demnach gab es auch Schusswechsel mit bewaffneten PalĂ€stinensern.

Auf Videos waren mehrere zerstörte Straßen zu sehen. Auch das «Freedom Theatre» im Zentrum der Stadt wurde getroffen, wie die Kultureinrichtung bestĂ€tigte. Israels Armee war kurz nach den Luftangriffen mit rund 100 MilitĂ€rfahrzeugen und Bodentruppen in die Stadt eingerĂŒckt. PalĂ€stinensischen Berichten zufolge kam es daraufhin zu gewaltsamen KĂ€mpfen mit Bewohnern.

Der Sprecher des palĂ€stinensischen PrĂ€sidenten Mahmud Abbas, Nabil Abu Rudeineh, verurteilte den israelischen Einsatz und sprach von einem «neuen Kriegsverbrechen». Er rief die internationale Gemeinschaft auf, «ihr beschĂ€mendes Schweigen zu brechen und ernsthafte Maßnahmen zu ergreifen»

«Mindestens sieben Terroristen neutralisiert»

Der israelische Armeesprecher Richard Hecht sagte, die Operation werde «so lange wie nötig» dauern. Demnach konzentriere sich die Armee auf das FlĂŒchtlingslager in Dschenin. Dort seien in der Nacht «mindestens sieben Terroristen neutralisiert» worden. Unklar war, ob sie getötet wurden. Laut Hecht wurden mehrere Dutzend Angriffe auf Israelis von Bewohnern des Lagers ausgefĂŒhrt.

Neben der im Gazastreifen herrschenden Hamas haben in den letzten Jahren auch der militante Islamische Dschihad sowie weitere lose Gruppierungen in Dschenin massiv an Einfluss gewonnen. Finanziert werden sie grĂ¶ĂŸtenteils vom Iran. Die Hamas rief am Morgen zur Mobilisierung der PalĂ€stinenser im Westjordanland auf und sicherte ihren KĂ€mpfern im Dschenin UnterstĂŒtzung zu. Ein Sprecher der militanten PalĂ€stinenserorganisation Islamischer Dschihad teilte mit: «Solange diese Aggression nicht aufhört, werden die Reaktionsmöglichkeiten breit und umfassend sein».

Der israelische Verteidigungsminister Joav Galant teilte mit, die Armee werde in Dschenin weiter «proaktiv und entschlossen vorgehen». Israels Verteidigungsapparat sei auf jedes Szenario vorbereitet.

Sicherheitslage extrem angespannt

Die Sicherheitslage in Israel und den palĂ€stinensischen Gebieten ist seit langem angespannt und hatte sich zuletzt nochmals verschĂ€rft. Unter anderem aus der Regierung wurden zuletzt Rufe nach einer großangelegten MilitĂ€roffensive laut.

Nach einem tödlichen Anschlag zweier PalĂ€stinenser auf vier Israelis im Westjordanland vor knapp zwei Wochen kam es dort immer wieder zu massiver Gewalt wĂŒtender israelischer Siedler gegen PalĂ€stinenser. Zudem fĂŒhrte das MilitĂ€r erstmals wieder seit Jahrzehnten einen gezielten Luftangriff gegen PalĂ€stinenser im Westjordanland durch.

Seit Beginn des Jahres kamen mehr als zwei Dutzend Menschen bei AnschlÀgen von PalÀstinensern ums Leben. Im gleichen Zeitraum wurden mehr als 143 PalÀstinenser bei Konfrontationen, israelischen MilitÀreinsÀtzen oder nach eigenen AnschlÀgen erschossen.

Israel eroberte das Westjordanland und Ost-Jerusalem wĂ€hrend des Sechstagekrieges 1967. Die PalĂ€stinenser fordern die Gebiete fĂŒr einen eigenen Staat.

@ dpa.de