Friedensnobelpreis 2026 geht an Navanethem Pillay
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 13:26 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie südafrikanische Juristin Navanethem Pillay ist für ihren Einsatz zur Förderung von Frieden und Völkerrecht mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.
Nobelkomitee würdigt ihren Mut
Pillay habe maßgeblich dazu beigetragen, dass Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord strafrechtlich verfolgt würden, sagte der Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Jørgen Watne Frydnes, in Oslo.
Die Jury lobte ihre Unabhängigkeit, ihren außergewöhnlichen Mut, ihre Integrität und ihren festen moralischen Kompass. Pillay habe Regierungs- und Staatschefs zur Rechenschaft gezogen und Opfern von Gewalt und Konflikten Hoffnung gegeben.
Preisträgerin zunächst nicht erreicht
Das Komitee habe Pillay nach eigenen Angaben zunächst nicht erreichen können. Frydnes rief sie deshalb öffentlich dazu auf, einen Anruf aus Norwegen anzunehmen.
Pillay hielt sich zum Zeitpunkt der Verkündung in Nürnberg auf, wo sie als Rednerin bei einer Fachkonferenz zum Völkerstrafrecht angekündigt war. Mit der Ehrung wolle das Komitee daran erinnern, dass die Stärkung des Völkerrechts ein Grundpfeiler für eine friedlichere Welt sei.
Stationen einer internationalen Karriere
Die 1941 in Durban geborene Tochter eines Busfahrers kämpfte bereits als junge Anwältin gegen die Apartheid und setzte sich für die Rechte politischer Gefangener ein. 1967 eröffnete sie als erste Frau in der damaligen Provinz Natal eine eigene Kanzlei, nachdem sie als indischstämmige Frau keine Anstellung als Anwältin gefunden hatte.
1995 wurde Pillay als erste nichtweiße Frau Richterin an einem südafrikanischen Obergericht. Im selben Jahr wechselte sie zum UN-Kriegsverbrechertribunal für Ruanda, dem sie später vier Jahre lang vorstand.
Urteil zu sexualisierter Gewalt
1998 wirkte Pillay an einem wegweisenden Urteil mit, das Vergewaltigung erstmals als mögliche Form des Völkermords anerkannte. Von 2003 an war sie Richterin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, von 2008 bis 2014 UN-Hochkommissarin für Menschenrechte.
2021 übernahm Pillay den Vorsitz einer UN-Untersuchungskommission zu Israel und den besetzten Palästinensergebieten. Das Gremium kam im September 2025 zu dem Schluss, dass Israel im Gazastreifen Völkermord begangen habe. Israels Regierung wies die Vorwürfe als voreingenommen und falsch zurück.
Kontroverse in Deutschland
Streit über Pillays Haltung zu Israel hatte auch in Deutschland Folgen. 2022 sagte die damalige Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey, ihre Teilnahme an der geplanten Verleihung der Otto-Hahn-Friedensmedaille ab; die Veranstaltung im Rathaus wurde gestrichen.
Preis wird im Dezember überreicht
Der Friedensnobelpreis gilt als wichtigste Auszeichnung der Welt. 2025 erhielt ihn die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado.
In diesem Jahr waren 287 Kandidaten nominiert, darunter 208 Personen und 79 Organisationen. Der Preis ist mit zwölf Millionen schwedischen Kronen, umgerechnet etwas mehr als einer Million Euro, dotiert und wird am 10. Dezember in Oslo überreicht.
Signal für das internationale Recht
Die Auszeichnung fällt in eine Phase, in der internationale Gerichte und menschenrechtliche Institutionen politisch unter Druck stehen. Pillays Laufbahn verbindet mehrere zentrale Stationen dieser Rechtsordnung: die Aufarbeitung der Gewalt in Ruanda, den Internationalen Strafgerichtshof und das Amt der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte.
Besonders prägend war ihre Tätigkeit am UN-Tribunal für Ruanda. Dort wurde Vergewaltigung als mögliche Form des Völkermords anerkannt. Damit trug das Verfahren dazu bei, sexualisierte Gewalt nicht mehr nur als Begleiterscheinung eines Konflikts, sondern als eigenständiges Instrument der Vernichtung einzuordnen.
Aktuelle politische Bedeutung
Mit der Ehrung wird zugleich die Frage aufgeworfen, welchen Stellenwert das Völkerrecht in laufenden Kriegen und internationalen Krisen noch besitzt. Der Preis stärkt die öffentliche Aufmerksamkeit für die strafrechtliche Verfolgung von Kriegsverbrechen, ersetzt aber keine gerichtlichen Verfahren und setzt keine politischen Entscheidungen unmittelbar durch.
Für Betroffene von Gewalt kann die Auszeichnung dennoch konkrete Bedeutung haben: Sie lenkt den Blick auf Beweissicherung, unabhängige Ermittlungen und den Schutz von Menschenrechtsverteidigern. Die Verleihung am 10. Dezember wird deshalb nicht nur Pillays Biografie würdigen, sondern auch als Bekenntnis zu Institutionen verstanden werden, deren Entscheidungen zunehmend politisch angefochten werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Kämpferin gegen Apartheid: Friedensnobelpreis geht an südafrikanische Juristin Navanethem „Navi“ Pillay“ (09.10.2026)
Der Bericht bestätige die Auszeichnung und stelle neben Pillays Arbeit für das Völkerrecht ihren Einsatz gegen die Apartheid heraus. Einen zusätzlichen Schwerpunkt lege er auf den Umstand, dass das Nobelkomitee die Preisträgerin zunächst nicht erreicht habe; außerdem ordne er die Zahl der Nominierten und die Dotierung des Preises ein.
Berliner Zeitung: „Der Friedensnobelpreis 2026 geht an die Südafrikanerin Navanethem „Navi“ Pillay“ (09.10.2026)
Der Artikel bestätige die Entscheidung und zeichne Pillays Weg von der Apartheid-Gegnerin zur internationalen Juristin ausführlicher nach. Anders als der n-tv-Bericht betone er zudem die Reaktion des UN-Menschenrechtsbüros sowie den politischen Streit über mögliche Favoriten und die Rolle des Friedenspreises.
Beide Beiträge stellten Pillays Einsatz für Menschenrechte und Völkerrecht in den Mittelpunkt; Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung ihrer Biografie, der internationalen Reaktionen und der politischen Kontroverse.

