Stichwahl, Recep Tayyip Erdogan

Sieg von Erdogan bei TĂŒrkei-Wahl zeichnet sich ab

28.05.2023 - 19:08:11

Die TĂŒrkei hĂ€lt den Atem an: VorlĂ€ufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass Erdogan ein weiteres Mal als Gewinner aus einer PrĂ€sidentschaftswahl geht. In Ankara steht das jubelnde Publikum schon bereit.

Bei der PrĂ€sidentenwahl in der TĂŒrkei zeichnet sich ein Sieg von Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan ab. Erdogan habe bisher 54,47 Prozent der Stimmen, sagte der Chef der Wahlbehörde Ahmet Yener am Sonntag in Ankara. Sein Herausforderer Kemal Kilicdaroglu komme auf 45,53 Prozent der Stimmen. 54,60 Prozent der abgegebenen Stimmen seien bisher ausgezĂ€hlt.

Auch die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu sowie die oppositionsnahe Nachrichtenagentur Anka sahen Erdogan vorn. Nach Öffnung von rund 97 Prozent der Urnen lag Erdogan demnach bei rund 52 Prozent und Kilicdaroglu bei rund 48 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag Anadolu zufolge bei rund 85 Prozent und damit niedriger als bei der ersten Runde mit 87 Prozent.

Erdogan fĂŒhrt die TĂŒrkei seit 20 Jahren. 2003 wurde Erdogan zunĂ€chst MinisterprĂ€sident, 2014 StaatsprĂ€sident.

Seit 2018 so viel Macht wie nie zuvor

Seit EinfĂŒhrung eines PrĂ€sidialsystems 2018 hat er so viel Macht wie nie zuvor. BefĂŒrchtet wird deshalb, dass er im Falle eines Wahlsieges noch autoritĂ€rer regieren wird. Die TĂŒrkei ist Nato-Mitglied, pflegt enge Beziehungen zu Russland ebenso zur Ukraine und ist Akteurin im syrischen BĂŒrgerkrieg. Die Wahl wurde entsprechend auch international mit großer Aufmerksamkeit verfolgt.

Insgesamt waren rund 64 Millionen Menschen zur Stimmabgabe aufgerufen, davon rund 3,4 Millionen im Ausland.

Im Parlament konnte sich das BĂŒndnis um den tĂŒrkischen Staatschef nach vorlĂ€ufigen Zahlen bereits am 14. Mai eine Mehrheit sichern, trotz Verlusten im Vergleich zu 2018.

Bestimmendes Thema im Wahlkampf waren die Themen Migration sowie die kriselnde Wirtschaft und die hohe Inflation.

Die Opposition war in einem historisch einmaligen BĂŒndnis aus sechs Parteien angetreten. Sie versprach eine Demokratisierung des Landes und einen harten Kurs gegen FlĂŒchtlinge. FĂŒr einen Sieg reichte das aller Voraussicht nach jedoch nicht.

Medienkontrolle der Regierung

Die Regierung kontrolliert einen Großteil der Medien, entsprechend unfair war nach Angaben von Beobachtern auch der Wahlkampf. Erdogan konnte zudem auf staatliche Ressourcen zurĂŒckgreifen. Im ersten Wahlgang, den Erdogan gewann, hatte es Berichte ĂŒber UnregelmĂ€ĂŸigkeiten gegeben, die jedoch nichts am Wahlausgang Ă€nderten.

@ dpa.de