Neuer EU-Kredit fĂŒr Ukraine soll vor allem MilitĂ€r stĂ€rken
14.01.2026 - 12:42:56Das neue riesige EU-Darlehen fĂŒr die Ukraine soll nach dem Willen der EuropĂ€ischen Kommission zu einem groĂen Teil den gegen Russland kĂ€mpfenden StreitkrĂ€ften zugutekommen. Wie ein von KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen prĂ€sentierter Vorschlag vorsieht, soll das ukrainische MilitĂ€r mit 60 Milliarden Euro unterstĂŒtzt werden.Â
Die verbleibenden 30 Milliarden Euro des insgesamt 90 Milliarden Euro umfassenden Kredits sollen dem Vorschlag der BrĂŒsseler Behörde zufolge der Ukraine als HaushaltsunterstĂŒtzung bereitgestellt werden.Â
Mit der UnterstĂŒtzung werde sichergestellt, dass die Ukraine einerseits ihre Verteidigung auf dem Schlachtfeld stĂ€rken und ihre militĂ€rischen FĂ€higkeiten ausbauen könne sowie andererseits den Staat sowie die grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen aufrechterhalten könne, sagte von der Leyen.
Zuvor schon auf Kredit geeinigt
Dem konkreten Vorschlag der EU-Kommission war eine Einigung der Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten zur Finanzierung der Ukraine fĂŒr die nĂ€chsten zwei Jahre vorangegangen. Bei einem Gipfeltreffen kurz vor Weihnachten hatten sie sich nach monatelangem Streit auf den Kompromiss verstĂ€ndigt, der Ukraine einen zinslosen Kredit ĂŒber 90 Milliarden Euro fĂŒr 2026 und 2027 zu geben. Die VerstĂ€ndigung sieht weiter vor, in der EU eingefrorene russische Vermögenswerte fĂŒr die RĂŒckzahlung heranzuziehen, falls Moskau fĂŒr KriegsschĂ€den keine EntschĂ€digung leistet.
RĂŒstungsgĂŒter sollen in Europa gekauft werden
Mit dem Geld fĂŒr die StreitkrĂ€fte soll militĂ€rische AusrĂŒstung in der Ukraine, in den EU-Staaten sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen gekauft werden, sagte von der Leyen. Hintergrund ist, dass vor allem die heimische RĂŒstungsindustrie gestĂ€rkt werden soll. Allerdings fĂŒgte die CDU-Politikerin hinzu, dass unter bestimmten UmstĂ€nden auch die Beschaffung aus anderen LĂ€ndern erlaubt sein soll. «GrundsĂ€tzlich gilt also eine europĂ€ische PrĂ€ferenz, nach einem Kaskadenprinzip: Vorrang fĂŒr Europa, und wenn dies nicht möglich ist, Beschaffung im Ausland», so von der Leyen.
Mit Spannung wird nun erwartet, ob die sogenannte Buy-European-Klausel die erforderliche Mehrheit im Kreis der Mitgliedstaaten findet. Ăber das Thema hatte es bereits in den vergangenen Wochen heftige Diskussionen gegeben. So forderten LĂ€nder wie die Niederlande eine gröĂtmögliche FlexibilitĂ€t, um die Ukraine so gut wie möglich unterstĂŒtzen zu können. Vor allem Frankreich will hingegen nicht akzeptieren, dass groĂe Mengen an EU-Geld fĂŒr den Kauf von US-Waffen ausgegeben werden. Paris argumentiert dabei, dass eine StĂ€rkung der europĂ€ischen Verteidigungsindustrie fĂŒr die EU strategisch geboten sei. Die Bundesregierung warb zuletzt fĂŒr eine Herangehensweise, an die der nun vorgelegte Kommissionsvorschlag erinnert.
Brisant ist das Thema auch, weil Deutschland und andere Nato-Staaten eigentlich auch in diesem Jahr fĂŒr mindestens eine Milliarde US-Dollar (0,9 Mrd. Euro) pro Monat amerikanische Waffen und Munition fĂŒr die Ukraine kaufen sollen. Dazu hatten sich die LĂ€nder im vergangenen Sommer bereiterklĂ€rt, um Forderungen von US-PrĂ€sident Donald Trump nachzukommen. Es gehe um den Erwerb von entscheidender AusrĂŒstung, zu der etwa Abfangraketen fĂŒr Luftverteidigungssysteme, aber auch offensive Systeme zĂ€hlten, erklĂ€rte Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte im Dezember bei einem Treffen mit den AuĂenministern der BĂŒndnisstaaten in BrĂŒssel. Insgesamt könnten etwa 15 Milliarden US-Dollar gebraucht werden.
Haushalts-Geld an Bedingungen geknĂŒpft
Auch der 30-Milliarden-Kredit fĂŒr den Haushalt der Ukraine ist an Bedingungen geknĂŒpft. So soll Kiew Reformen erfĂŒllen mĂŒssen, wie die KommissionsprĂ€sidentin sagte. «Dazu gehören Verpflichtungen zu starken demokratischen Prozessen, zur Rechtsstaatlichkeit und zur BekĂ€mpfung von Korruption. Diese Bedingungen sind fĂŒr jede finanzielle UnterstĂŒtzung nicht verhandelbar.» Die Reformen sollen das Land ihr zufolge auch nĂ€her an eine Mitgliedschaft in der EU heranfĂŒhren.
Bevor Geld in die Ukraine flieĂen kann, mĂŒssen das EuropĂ€ische Parlament und die EU-LĂ€nder noch zustimmen. Man zĂ€hle auf rasches Zustimmen der beiden Institutionen, sagte von der Leyen, «damit wir bereits im April die erste Auszahlung vornehmen können».
Anderes Finanzierungsmodell lange diskutiert
Vor der VerstĂ€ndigung der EU-Staats- und Regierungschefs auf den Kredit war monatelang ein Finanzierungsmodell diskutiert worden, nach dem vor allem in Belgien festgesetzte Gelder der russischen Zentralbank direkt fĂŒr Darlehen an die Ukraine in Höhe von bis zu 210 Milliarden Euro eingesetzt werden sollten. Vor allem Bundeskanzler Friedrich Merz war ein Verfechter des Projekts mit dem Namen Reparationsdarlehen. Dieser Plan scheiterte am Ende am Widerstand von LĂ€ndern wie Frankreich und Italien, nachdem zuvor vor allem Belgien zu groĂe rechtliche und politische Risiken gesehen hatte.Â
Nun ist vorgesehen, das Geld zu gĂŒnstigen Konditionen am Kapitalmarkt aufzunehmen und es dann an die Ukraine weiterreichen. Die Absicherung soll ĂŒber den EU-Gemeinschaftshaushalt erfolgen. Ungarn, Tschechien und die Slowakei haben allerdings ausgehandelt, nicht an den Kosten beteiligt zu werden.
Gleichzeitig betonte von der Leyen in BrĂŒssel, dass der Vorschlag fĂŒr ein Reparationsdarlehen auf dem Tisch bleibe. «FĂŒr uns ist es wichtig, Russland unmissverstĂ€ndlich daran zu erinnern, dass wir uns das Recht vorbehalten, die immobilisierten russischen Vermögenswerte zu nutzen», sagte sie einige Wochen dem vierten Jahrestag von Russlands Angriff auf die Ukraine.







