Indien will zu Frieden fĂŒr die Ukraine beitragen
23.08.2024 - 16:36:55Bei seinem ersten Besuch in der von Russland angegriffenen Ukraine hat Indiens MinisterprĂ€sident Narendra Modi seine Hilfe angeboten, um den Krieg zu beenden. Konkrete VorschlĂ€ge machte er aber nicht. Trotzdem bedeutete der Besuch eine AnnĂ€herung, nachdem die Ukraine wegen des engen indischen VerhĂ€ltnisses zu Russland misstrauisch war. Kiew hofft aber auf UnterstĂŒtzung Indiens, weil es weltpolitisch eine wichtige Stimme ist.Â
Um ein herzliches VerhĂ€ltnis zu betonen, nahm Modi den ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj mehrmals fest in den Arm. Wenige Wochen zuvor waren Modis symboltrĂ€chtige Umarmungen mit Kremlchef Wladimir Putin bei seinem Moskau-Besuch in der Ukraine wie im Westen auf Kritik gestoĂen.
«Wir meinen es gut mit der Ukraine»
«PrĂ€sident Selenskyj weiĂ, dass wir es gut mit der Ukraine meinen», bekrĂ€ftigte der indische AuĂenminister Subrahmanyam Jaishankar. «Wir glauben, dass dieser Konflikt enden muss.» Man erwarte, dass beide Seiten an einer Lösung arbeiten. In einer gemeinsamen ErklĂ€rung erinnerten Selenskyj und Modi an den Friedensgipfel in der Schweiz im Juni. Russland hatte daran nicht teilgenommen, Indien die AbschlusserklĂ€rung nicht unterzeichnet.Â
Selenskyj nannte das damalige KommuniquĂ© eine Grundlage fĂŒr einen gerechten Frieden. Modi verwies auf die Bedeutung einer gesicherten Getreideversorgung aus der Ukraine. Er rief alle Seiten dazu auf, rasch zu einer Wiederherstellung des Friedens beizutragen. Beide betonten die Bedeutung der UN-Charta, die allen Staaten die Unverletzlichkeit ihrer Grenzen zusichert.
Modi gedenkt der toten ukrainischen KinderÂ
Indien als bevölkerungsreichstes Land der Welt hat den von Putin befohlenen Krieg gegen die Ukraine nie verurteilt und nur Anfang 2022 Atomdrohungen aus Moskau kritisiert. Modi sagt immer wieder, sein Land stehe auf der Seite des Friedens.Â
Der 73-JĂ€hrige besuchte in Kiew nicht das Michaels-Kloster oder andere StĂ€tten, an denen getöteter ukrainischer Soldaten gedacht wird. Stattdessen fand das erste Treffen mit Selenskyj an einem Erinnerungsort fĂŒr die toten Kinder der Ukraine statt. Der Inder legte in der frĂŒheren Kapelle eine Puppe nieder. «Konflikte sind fĂŒr Kinder besonders zerstörerisch», schrieb Modi im sozialen Netzwerk X. Er denke auch an die Familien der toten Kinder und wĂŒnsche ihnen Kraft in ihrer Trauer.
Indien trĂ€gt westliche Sanktionen gegen Moskau nicht mit und wirbt regelmĂ€Ăig fĂŒr eine Konfliktlösung durch Dialog. «Indien glaubt fest daran, dass Frieden immer die Oberhand behĂ€lt», kommentierte Modi auf der Plattform X seinen Besuch. In Kiew besuchte er das Denkmal fĂŒr Mahatma Gandhi (1869-1948), den groĂen indischen Verfechter von Gewaltlosigkeit und zivilem Widerstand.
Indiens balanciert zwischen Russland und dem Westen
Der Subkontinent pflegt gute Beziehungen zum Westen und zu Moskau. Indien ist gerade bei RĂŒstungsgĂŒtern abhĂ€ngig von Russland, auch wenn es versucht, diese AbhĂ€ngigkeit zu verringern. WĂ€hrend des Kriegs ist das Land zudem zu einem der gröĂten KĂ€ufer von billigem russischem Ăl geworden. Zugleich ist die indische Politik darauf angelegt, China und das russisch-chinesische BĂŒndnis nicht zu mĂ€chtig werden zu lassen. Denn mit China hat Indien Ă€uĂerst angespannte Beziehungen.
Modi hatte Moskau im Juli besucht - zum ersten Mal seit Beginn des Angriffskriegs. Die Reise erfolgte kurz nach seiner Wiederwahl zum Regierungschef, was russische Medien als Zeichen der WertschĂ€tzung fĂŒr die Beziehungen zu Russland interpretierten.
Selenskyj kritisierte damals die demonstrative NĂ€he Modis zu Putin. Indien wies dies zurĂŒck. AuĂenminister Jaishankar sagte in Kiew: «Es gibt einen kulturellen Unterschied, den Menschen im Westen möglicherweise nicht verstehen.» Heute habe Premier Modi auch Selenskyj umarmt. «In unserem Teil der Welt neigt man dazu, sich zu umarmen, wenn Menschen Menschen begegnen.»







