Ukraine verliert im Osten ihren Vorposten Wuhledar
02.10.2024 - 04:55:36Die Ukraine hat an ihrer Ostfront einen seit mehr als zwei Jahren verteidigten Vorposten verloren: die Bergarbeiterstadt Wuhledar. Die ukrainische Armee bestĂ€tigte den RĂŒckzug aus der stark zerstörten Stadt im Gebiet Donezk, die vor dem Krieg knapp 15.000 Einwohner hatte. Das Oberkommando habe den Abzug genehmigt, «um Personal und militĂ€rische AusrĂŒstung zu retten», teilte die zustĂ€ndige Armeegruppe auf ihrem Telegram-Kanal mit. MilitĂ€rbeobachter beider Seiten hatten schon am Dienstag berichtet, dass russische Truppen die Bergarbeiterstadt im Gebiet Donezk erobert hĂ€tten.Â
Die offizielle BestĂ€tigung kam mit Verzögerung. PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj widmete seine Videoansprache vom Dienstagabend der ukrainischen Kooperation mit auslĂ€ndischen RĂŒstungsfirmen. In Kiew findet derzeit zum zweiten Mal ein Forum der Verteidigungsindustrie mit Vertretern aus mehr als 30 LĂ€ndern und fast 300 ukrainischen und auslĂ€ndischen Unternehmen statt.Â
Verlustreicher Kampf um Wuhledar
Russische Truppen sind seit Monaten in der Ostukraine auf dem Vormarsch. Die Situation hat sich seit dem ukrainischen Vorstoà ins russische Grenzgebiet Kursk im August und der Verlegung von mehreren Brigaden aus der Ostukraine in das neue Operationsgebiet verschlechtert. Mehrere KleinstÀdte konnten seither von russischen Truppen erobert werden.
Im Fall Wuhledar versuchte die russische Armee seit langem vergeblich, die Stadt einzunehmen, erlitt aber mehrmals hohe Verluste. Zuletzt gelang es den russischen Truppen, die zur Festung ausgebaute Stadt im Osten und Westen zu umgehen und nahezu einzukreisen. Russische MilitÀrblogger gingen davon aus, dass in der Stadt noch einzelne versprengte ukrainische Soldaten seien.
Aus den Lageberichten des ukrainischen Generalstabs lieĂ sich die Entwicklung nur indirekt herauslesen. Er erwĂ€hnte am Dienstagmorgen noch KĂ€mpfe um Wuhledar, in den Berichten fĂŒr den Nachmittag und Abend aber schon nicht mehr. Die russischen Angriffe konzentrierten sich auf das nĂ€chstgelegene Dorf Bohojawlenka, hieĂ es.
Ukrainische RĂŒstungsindustrie stockt rasch auf
FĂŒr die AufrĂŒstung der ukrainischen Armee sind nach Worten Selenskyjs nicht nur staatliche MilitĂ€rhilfen anderer LĂ€nder notwendig. «FĂŒr die Ukraine ist es absolut entscheidend, dass nicht nur PartnerlĂ€nder, sondern auch Verteidigungsunternehmen aus der ganzen Welt zunehmend an einer Zusammenarbeit mit uns und unserer Verteidigungsindustrie interessiert sind», sagte er.Â
Es gebe Investitionen von auĂen in die ukrainische RĂŒstungsbranche wie auch auslĂ€ndische Firmen, die in der Ukraine produzierten. «Die Ukraine stellt bereits Dinge her, die wir vorher nicht hatten, wie das Kaliber 155 und unsere Langstreckendrohnen, unsere Marinedrohnen.» Neben anderen RĂŒstungsfirmen sind Rheinmetall aus Deutschland und die deutsch-französische KNDS in der Ukraine aktiv.
Die Ukraine werde bis Jahresende 1,5 Millionen Drohnen hergestellt haben, sagte MinisterprĂ€sident Denys Schmyhal bei einer Regierungssitzung. Die RĂŒstungsproduktion des Landes habe sich im Vergleich zu 2023 verdreifacht. Bei dem RĂŒstungsforum sagte Selenskyj, sein Land habe im ersten Halbjahr dieses Jahres 25 Mal mehr Munition produziert als 2022. Die Ukraine habe auch eine eigene ballistische Rakete erfolgreich getestet.
Kiew vermutet Kriegsverbrechen
Die ukrainische Justiz vermutet aufgrund eines Videos die Ermordung von 16 ukrainischen Kriegsgefangenen durch die russische Armee. Die Generalstaatsanwaltschaft in Kiew sprach von einem mutmaĂlichen Kriegsverbrechen. Sie teilte mit, auf Telegram-KanĂ€len sei am Dienstag ein Video aufgetaucht. Es sei angeblich an der Front nahe der umkĂ€mpften Stadt Pokrowsk aufgenommen worden. Zu sehen sei, wie ukrainische Soldaten aus einem WaldstĂŒck herauskommen, sich in Reihe aufstellen und dann erschossen werden. Sollte sich der Fall bewahrheiten, sei es nach EinschĂ€tzung von Generalstaatsanwalt Andriy Kostin der schlimmste Fall der Tötung ukrainischer Kriegsgefangener an der Front.
Russland nimmt angebliche Internet-Verschwörer festÂ
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat nach eigenen Angaben bei einer koordinierten Aktion 39 Menschen festgenommen, darunter mehrere MinderjĂ€hrige. Es handele sich um Teilnehmer «destruktiver Internetgemeinschaften», die im Auftrag der Ukraine Gewalttaten in Russland hĂ€tten verĂŒben sollen, hieĂ es. Gegen weitere mehr als 250 Personen werde ermittelt. Angeblich sollen sich die VerdĂ€chtigen ĂŒber den Messenger Discord mit ihren ukrainischen FĂŒhrungsoffizieren verstĂ€ndigt haben.Â
Russische Behörden warnen seit Monaten vor den angeblichen Anwerbungen, Medien berichten ĂŒber einzelne FĂ€lle. Moskau hat nach Beginn des von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Angriffskriegs gegen die Ukraine die Verfolgung von Kriegsgegnern und Andersdenkenden im eigenen Land noch einmal verschĂ€rft.
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