Korruptionsskandal in der Ukraine: U-Haft verhÀngt
13.11.2025 - 04:57:05 | dpa.deIn einem groĂen Korruptionsskandal in der Ukraine mit Spuren bis ins Umfeld von PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj haben Gerichte U-Haft gegen erste Beschuldigte verhĂ€ngt. Ein VerdĂ€chtiger muss bis zum 8. Januar in Untersuchungshaft bleiben, falls er nicht eine Kaution von 95 Millionen Hrywnja (1,94 Millionen Euro) hinterlegt. Das berichtete der öffentliche Rundfunksender Suspilne aus dem Gerichtssaal in Kiew.Â
Der Mann soll in das Verschleiern hoher Schmiergeldsummen aus dem staatlichen ukrainischen Atomkonzern Energoatom verwickelt sein. Auch eine Frau muss fĂŒr 60 Tage in U-Haft; die mögliche Kaution wurde auf 25 Millionen Hrywnja festgesetzt. Sie soll ebenfalls an der inoffiziellen Buchhaltung fĂŒr die Gruppe korrupter Politiker und Beamter mitgewirkt haben. Insgesamt ist bislang die Festnahme von fĂŒnf Personen bekannt.Â
FĂŒr die Ukraine ist es der gröĂte aufgedeckte Korruptionsfall in den mehr als dreieinhalb Jahren des russischen Angriffskrieges. Er trifft das Land in einer schwierigen Lage. An den Fronten im Osten und SĂŒden dringen russische Truppen vor. Das Stromnetz ist durch stĂ€ndige russische Luftangriffe stark beschĂ€digt. Damit drohen den Ukrainerinnen und Ukrainern im Winter immer wieder StromausfĂ€lle sowie Unterbrechungen der WĂ€rme- und Wasserversorgung.
Zwei MinisterrĂŒcktritte
Bis Mittwochabend erklĂ€rten unter dem Druck Selenskyjs Energieministerin Switlana Hryntschuk und ihr VorgĂ€nger Herman Haluschtschenko, der zuletzt Justizminister war, ihren RĂŒcktritt. MinisterprĂ€sidentin Julia Swyrydenko kĂŒndigte an, sie werde im Parlament die Entlassung der beiden beantragen.Â
Die Beschuldigten rund um Atomenergo sollen sich an öffentlichen AuftrĂ€gen zum Bau von Schutzvorrichtungen fĂŒr Energieanlagen vor Luftangriffen bereichert haben. Dabei sollen sie von den Firmen jeweils 10 bis 15 Prozent der Auftragssumme als Bestechungsgeld gefordert haben. Ukrainische Anti-Korruptions-Ermittler gehen davon aus, dass umgerechnet mehr als 80 Millionen Euro kassiert wurden.
Selenskyj-Vertrauter als Drahtzieher verdÀchtigt
PrĂ€sident Selenskyj hat öffentlich umfassende AufklĂ€rung zugesagt. Allerdings nennen die Ermittler ausgerechnet seinen langjĂ€hrigen Vertrauten und frĂŒheren Partner im TV-GeschĂ€ft, Timur Minditsch, als Drahtzieher des Schmiergeld-Rings. Minditsch ist kurz vor Bekanntwerden der Ermittlungen ins Ausland gereist, ebenso wie ein weiterer Beschuldigter.
Dies bringt den PrĂ€sidenten innenpolitisch unter Druck. AuĂenpolitisch steht das Vertrauen der vielen LĂ€nder auf dem Spiel, die die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland mit Geld und RĂŒstungsgĂŒtern unterstĂŒtzen.
Geldgeber stehen bislang zur UkraineÂ
Deutschland und andere europĂ€ische Partner halten aber trotz des Skandals an der UnterstĂŒtzung fĂŒr Kiew fest. Das sagte AuĂenminister Johann Wadephul (CDU) vor Journalisten beim AuĂenministertreffen der G7-LĂ€nder wirtschaftsstarker Demokratien in Kanada. Man habe dem ukrainischen AuĂenminister Andrij Sybiha aber klargemacht, «dass es einen entschlossenen Kampf gegen Korruption in der Ukraine braucht, damit die UnterstĂŒtzung im Westen auch glaubwĂŒrdig bleiben kann», sagte Wadephul.
G7-Gruppe kritisiert China fĂŒr Russland-UnterstĂŒtzung
In einer gemeinsamen ErklĂ€rung zum Abschluss ihres zweitĂ€gigen Treffens kritisierten die AuĂenminister der G7-Gruppe Chinas UnterstĂŒtzung fĂŒr Russland scharf. Sie verurteilten die Lieferung von Waffen und sogenannten Dual-Use-GĂŒtern, die entscheidend zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine beitragen.Â
Dual-Use-GĂŒter sind Waren, die zu zivilen und auch militĂ€rischen Zwecken verwendet werden können. Dass Moskau den Krieg gegen seinen Nachbarn ohne UnterstĂŒtzung aus Peking zum kaum so lange durchhalten wĂŒrde, gilt als offenes Geheimnis. Die G7-Gruppe verurteilte auch Nordkorea und den Iran fĂŒr ihre militĂ€rische UnterstĂŒtzung Russlands.Â
Zu den G7-LĂ€ndern gehören neben Deutschland auch die USA, Frankreich, Italien, Japan, GroĂbritannien und Kanada. In ihrer ErklĂ€rung in Niagara-on-the-Lake in der sĂŒdöstlichen Provinz Ontario plĂ€dierten die Staaten auch fĂŒr eine sofortige Waffenruhe im Ukraine-Krieg. Ausgangspunkt fĂŒr Verhandlungen mĂŒsse der aktuelle Frontverlauf sein, hieĂ es.
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