Ukraine, Kursk

Ukraine geht in Kursk ĂŒberraschend zur Gegenoffensive ĂŒber

05.01.2025 - 12:04:46 | dpa.de

Die Ukraine steht militĂ€risch unter Druck. Seit Monaten sind die Truppen auf dem RĂŒckmarsch. Doch nun hat das ukrainische MilitĂ€r unerwartet einen Vorstoß gestartet - auf russischem Gebiet.

Seit Sommer kontrolliert ukrainisches MilitÀr die Kleinstadt Sudscha im russischen Gebiet Kursk. Nun sollen sie nordöstlich von dort eine neue Offensive gestartet haben. (Archivbild) - Foto: ---/Ukrinform/dpa
Seit Sommer kontrolliert ukrainisches MilitÀr die Kleinstadt Sudscha im russischen Gebiet Kursk. Nun sollen sie nordöstlich von dort eine neue Offensive gestartet haben. (Archivbild) - Foto: ---/Ukrinform/dpa

Die unter Druck geratenen ukrainischen StreitkrĂ€fte haben im westrussischen Gebiet Kursk ĂŒberraschend eine neue Offensive gestartet. «Gebiet Kursk, gute Nachrichten: Russland erhĂ€lt das, was es verdient», schrieb der Leiter des PrĂ€sidentenbĂŒros in Kiew, Andrij Jermak, auf Telegram - und bestĂ€tigte damit indirekt den Vorstoß. ZunĂ€chst hatten russische MilitĂ€rblogs von den unerwarteten Angriffen der Ukrainer berichtet.

Im Gebiet Kursk seien die Russen ĂŒberrascht worden, ukrainische Angriffe liefen in mehrere Richtungen, sagte auch Andrij Kowalenko, der Leiter des Zentrums fĂŒr die BekĂ€mpfung von Desinformation beim Sicherheits- und Verteidigungsrat, der dem ukrainischen PrĂ€sidenten unterstellt ist. Das MilitĂ€r in Kiew selbst machte zunĂ€chst keine Angaben.

Kriegsparteien blicken auf Trump

Die Offensive rund zwei Wochen vor der AmtseinfĂŒhrung des kĂŒnftigen US-PrĂ€sidenten Donald Trump am 20. Januar könnte Beobachtern zufolge dazu dienen, russische SchwĂ€chen aufzuzeigen, um in einer besseren Position bei den erwarteten Verhandlungen ĂŒber eine Beendigung des Kriegs zu sein. Denn zuletzt waren die Russen im Gebiet Kursk wie auch im Osten der Ukraine auf dem Vormarsch. Das ukrainische MilitĂ€r kontrolliert von den im Sommer in Kursk eroberten knapp 1000 Quadratkilometern zurzeit nur noch die HĂ€lfte. 

Gepanzerte Kolonnen auf dem Marsch

Auf Videos, die aus der Region stammen sollen, sind mehrere Kolonnen gepanzerter ukrainischer Fahrzeuge in hohem Marschtempo zu sehen. MinenrĂ€umfahrzeuge machen den Weg dabei frei. Den russischen MilitĂ€rbloggern zufolge nutzt Kiew auch stark Funkstörungsmechanismen, um die russischen Drohnen auszuschalten. Als Hauptstoßrichtung gilt die Ausfallstraße nach Kursk nordöstlich der Kleinstadt Sudscha, die die Ukrainer bei ihrer ĂŒberraschenden Sommeroffensive einnehmen konnten. 

Russen bestĂ€tigen Vorstoß

Das russische Verteidigungsministerium verbreitete spĂ€ter die Mitteilung, russische Artillerie und Luftwaffe hĂ€tten eine ukrainische Kolonne auf dem Weg in Richtung der Ortschaft Berdin attackiert. Dabei seien zwei Panzer, ein RĂ€umfahrzeug und sieben gepanzerte Truppenfahrzeuge zerstört worden. Die KĂ€mpfe wĂŒrden fortgesetzt. UnabhĂ€ngig lassen sich die Angaben nicht ĂŒberprĂŒfen. 

Russen haben zuletzt hohe Verluste bei eigener Offensive erlitten

Erst am Vorabend hatte der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj aber auch von schweren Verlusten russischer Einheiten beim Versuch der RĂŒckeroberung des Gebiets Kursk berichtet. «Bei KĂ€mpfen heute und gestern allein im Umkreis der Ortschaft Machnowka im Gebiet Kursk hat die russische Armee ein Infanteriebataillon nordkoreanischer Soldaten und russischer FallschirmjĂ€ger verloren», sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft am Freitag. UnabhĂ€ngig waren die Angaben nicht ĂŒberprĂŒfbar.

Ein Bataillon der russischen StreitkrÀfte hat offiziellen Angaben nach eine TruppenstÀrke von bis zu 500 Mann.

In den vergangenen Wochen sind immer wieder Videos aufgetaucht, die Sturmversuche russischer Einheiten - teilweise verstĂ€rkt durch nordkoreanische Soldaten - im Gebiet Kursk zeigen sollen. Zu sehen sind dabei vielfach vernichtete russische gepanzerte Fahrzeuge und getötete Soldaten. MilitĂ€rexperten erklĂ€ren die ĂŒberhastet wirkenden Angriffsversuche mit dem Ziel Moskaus, noch vor der AmtseinfĂŒhrung des designierten US-PrĂ€sidenten Donald Trump möglichst viel Boden gutzumachen, um in den erwarteten Verhandlungen eine gute Ausgangsposition zu haben. 

Ukraine weiter in der Defensive

Die Lage auf dem Schlachtfeld bleibt dabei fĂŒr die Ukraine schwierig. Russische Truppen greifen trotz der Verluste weiter an. So sollen sie in den letzten 24 Stunden bei Kurachowe, in der NĂ€he der strategisch wichtigen Stadt Pokrowsk, aber auch in der umkĂ€mpften Stadt Torezk GelĂ€ndegewinne erzielt haben.

Russland hat Medienberichten aus Kiew zufolge im vergangenen Jahr fast 3600 Quadratkilometer ukrainischen Gebiets erobert - eine FlĂ€che fast 1,5-mal so groß wie das Saarland. Die höchsten Gebietsverluste habe die Ukraine mit 610 Quadratkilometern im November erlitten, als die Russen tĂ€glich etwa 20 Quadratkilometer besetzten, berichtete der MilitĂ€rblog «Militarnyi» unter Berufung auf Kartenmaterial von «Deepstate», einem weiteren MilitĂ€rblog. Die Verluste des Jahres 2024 sind ein Vielfaches des Vorjahres.

Eine offizielle BestĂ€tigung fĂŒr die Zahlen gibt es nicht. Mitte Dezember hatte der ukrainische Telegramkanal UA War Infographics die Eroberungen der russischen Truppen seit Jahresbeginn auf gut 2.800 Quadratkilometer taxiert. Allerdings hat die Ukraine auch im Dezember noch 510 Quadratkilometer verloren. AuffĂ€llig ist, dass die Gebietsverluste fĂŒr Kiew nach der eigenen Sommeroffensive und den Eroberungen im westrussischen Gebiet Kursk deutlich zugenommen haben.

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