Feuerpause fĂŒr die Ukraine? - Warten auf Moskaus Reaktion
12.03.2025 - 04:55:35Nach dem grundsĂ€tzlichen Ja der Ukraine zu einer 30-tĂ€gigen Feuerpause im Krieg mit Russland richten sich die Erwartungen nun an Moskau. «Der Ball liegt nun in ihrem Feld», sagte US-AuĂenminister Marco Rubio in Richtung Kreml. Er und seine Delegation hatten zuvor mit ukrainischen Vertretern in der saudischen Hafenstadt Dschidda ĂŒber den Eintritt in einen Friedensprozess gesprochen.Â
In den vergangenen Tagen hatten die USA die Regierung in Kiew massiv unter Druck gesetzt, vor allem mit einem zeitweisen Stopp von Waffenlieferungen. Auch wichtige AufklÀrungsdaten wurden nicht mehr an die Ukraine weitergeleitet, die sich seit drei Jahren gegen eine Invasion Russlands verteidigt. Nach dem EinverstÀndnis der Ukraine zu einer Waffenruhe lief noch in der Nacht die US-MilitÀrhilfe sofort wieder an, wie der Vizechef der ukrainischen PrÀsidialkanzlei, Pawlo Palissa, mitteilte.
Trump will bald mit Putin sprechen
US-PrĂ€sident Donald Trump sagte, hoffentlich werde auch Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin dem Vorschlag fĂŒr eine Feuerpause zustimmen. «Wir wollen diesen Krieg hinter uns bringen.» Die US-Delegation werde schon «heute und morgen» GesprĂ€che mit Russland fĂŒhren. Und er selbst wolle schnell mit Putin reden - vielleicht noch diese Woche.
Trump will ein schnelles Ende des Krieges erzwingen, der seit mehr als drei Jahren andauert und Zehntausende Menschen das Leben gekostet hat. Allerdings setzt Trump bisher vor allem Kiew unter Druck. GegenĂŒber dem Aggressor Russland tritt er weit weniger fordernd auf.
Russland bleibt bislang bei MaximalforderungenÂ
Moskau verfolgte die GesprĂ€che in Dschidda aufmerksam, Ă€uĂerte sich aber nicht zu den Ergebnissen. Kontakte zu den USA in den nĂ€chsten Tagen seien aber nicht ausgeschlossen, sagte die Sprecherin des AuĂenministeriums, Maria Sacharowa.
Bislang hat Russland alle VorschlĂ€ge einer Waffenruhe abgelehnt. Die Ukraine wĂŒrde eine solche Atempause nur nutzen, um ihre KrĂ€fte aufzustocken, lautet die BegrĂŒndung. Dies gilt natĂŒrlich umgekehrt auch fĂŒr Russland, dessen Truppen MilitĂ€rexperten zufolge ebenfalls unter Erschöpfung leiden.Â
Moskau ist bislang bei seinen Maximalforderungen geblieben. Es hĂ€lt etwa ein FĂŒnftel des Nachbarlandes besetzt und fordert weitere Gebiete, die es als sein eigen betrachtet. Auch will es die politische Kontrolle ĂŒber eine Restukraine.Â
Die staatliche russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti schrieb, dass die gemeinsame amerikanisch-ukrainische ErklĂ€rung nicht auf die Frage von Gebieten oder Grenzen eingehe. «Diese Abwesenheit ohne eine ErwĂ€hnung bedeutet eins: Kiew hat verstanden, dass es sich mit den territorialen Ănderungen abfinden muss.»
Russland ĂŒberzog die Ukraine in der Nacht auf Mittwoch mit Raketen- und Drohnenangriffen. Treffer mit SchĂ€den wurden aus den StĂ€dten Dnipro und Odessa gemeldet.
Selenskyj: Waffenruhe nur, wenn Moskau mitzieht
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj nannte den Vorschlag fĂŒr eine 30-tĂ€gige Waffenruhe einen positiven Schritt. «Nun liegt es an den Vereinigten Staaten, Russland davon zu ĂŒberzeugen, dasselbe zu tun. Wenn Russland zustimmt, wird die Waffenruhe sofort in Kraft treten», schrieb er auf X.Â
Der US-Vorschlag umfasst nach Selenskyjs Worten nicht nur Luftangriffe mit Raketen, Drohnen und Bomben sowie Angriffe vom Schwarzen Meer, sondern die gesamte Frontlinie. Neben dem Vorschlag einer Waffenruhe soll Washington gegenĂŒber Moskau auch die Frage von Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine anbringen.
Der ukrainische PrĂ€sident ging nicht auf den verdeckten Punkt ein, dass sein Land mit einem Einfrieren der gegenwĂ€rtigen Frontlinie von einer Wiedereroberung der besetzten Gebiete abrĂŒckt. Rubio hatte vor dem Treffen in Dschidda gesagt, dies sei ohnehin in einer absehbaren Zeit nicht möglich.
EuropÀer fordern Reaktion von Russland
Der britische Premierminister Keir Starmer forderte Russland zur Zustimmung zu einer Feuerpause und einem «Ende der KĂ€mpfe» in der Ukraine auf. «Wie sowohl die amerikanische als auch die ukrainische Delegation gesagt haben, liegt der Ball nun im russischen Feld», sagte Starmer. «Dies ist ein wichtiger Moment fĂŒr den Frieden in der Ukraine.»Â
FĂŒr diesen Samstag kĂŒndigte der Premier ein weiteres SpitzengesprĂ€ch mit Staats- und Regierungschefs an. Es solle helfen, den Krieg auf eine «gerechte und dauerhafte Weise» zu beenden, die der Ukraine die Freiheit sichere.
Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron begrĂŒĂt die Fortschritte in den GesprĂ€chen zwischen den USA und der Ukraine. Auch er hob die Idee einer 30-tĂ€gigen Waffenruhe hervor: «Der Ball liegt nun eindeutig bei Russland.» EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen und RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa sprachen ebenfalls von einer positiven Entwicklung, die ein Schritt hin zu einem umfassenden, gerechten und dauerhaften Frieden fĂŒr die Ukraine sein könne.
Auch AuĂenministerin Annalena Baerbock schrieb auf X von einem möglichen Wendepunkt. «Es liegt nun an Russland, seinen Angriffskrieg zu beenden.»
Armeechefs berieten in Paris
Zu Beratungen ĂŒber Friedenstruppen fĂŒr die Ukraine kamen in Paris die Armeechefs von 36 LĂ€ndern zusammen. Unter Leitung der Generalstabschefs von Frankreich und GroĂbritannien sollte bei dem Treffen die britisch-französische Initiative fĂŒr robuste Sicherheitsgarantien durch das Entsenden von Soldaten konkretisiert werden. Deutschland war durch den Generalinspektor der Bundeswehr, Carsten Breuer, vertreten.Â
Der noch «vertrauliche Verteidigungsplan» sehe vor, dass mehrere tausend Soldaten - die britische Presse nannte eine Zahl von weniger als 30.000 - an Orten fernab der Frontlinie stationiert werden, insbesondere in StĂ€dten wie Kiew, Odessa oder Lwiw. Das berichtete die Zeitung «Le Parisien» unter Verweis auf Frankreichs Generalstab. AuĂerdem gehe es um das Absichern einer Flugverbotszone sowie um eine Truppe zur Ăberwachung der Seegebiete.
Das wird heute wichtig
Ebenfalls in Paris wollen heute die Verteidigungsminister der FĂŒnfer-Gruppe wichtiger Nato-Staaten ĂŒber die weitere UnterstĂŒtzung der Ukraine beraten. AuĂerdem soll es bei dem Treffen der Vertreter aus Frankreich, Deutschland, Italien, Polen und GroĂbritannien um die StĂ€rkung der europĂ€ischen Verteidigung gehen, wie das französische Verteidigungsministerium mitteilte. Der ukrainische Verteidigungsminister soll per Video zugeschaltet werden.
Die Treffen im FĂŒnfer-Format wurden nach dem Wahlsieg Donald Trumps in den USA eingerichtet. Ziel ist eine StĂ€rkung der europĂ€ischen Sicherheit und Verteidigungsbereitschaft.


