UnabhĂ€ngige Ermittler halten Kachowka-Dammbruch fĂŒr Unfall
08.06.2023 - 09:18:28Wahrscheinlich sei der Damm nicht durch Beschuss, sondern durch "kriminelle FahrlĂ€ssigkeit der russischen StreitkrĂ€fte" zerstört worden, heiĂt es in einem am Mittwochabend veröffentlichten Bericht. Die Organisation hat den Vorfall mithilfe öffentlich zugĂ€nglicher Quellen untersucht: durch den Vergleich von Sentinel-, Planet- und Maxar-Satellitenbildern seit Herbst 2022.
Diese zeigten Ende letzten Jahres zwei PortalkrĂ€ne, die mehrfach umgestellt und schlieĂlich seit dem 15. November 2022 nicht mehr bewegt worden seien. Daraus schlieĂt die Organisation, dass die russischen StreitkrĂ€fte den Wasserstand im Stausee seit diesem Tag nicht mehr reguliert hĂ€tten. Auf einem Bild vom 28. Mai seien die KrĂ€ne in denselben Positionen zu sehen und der Wasserabfluss laufe wie schon im November. Auf diesen Bildern sei auch die zerstörte ZugangsstraĂe zu sehen, bis zum 4. Juni habe sich das daraufhin entstandene Erdloch ausgeweitet. So komme man zu dem Schluss, dass sich die SchĂ€den am Damm ĂŒber einen langen Zeitraum angesammelt hĂ€tten und nicht an einem einzigen Tag durch Sabotage entstanden seien. Infolge der kumulierten SchĂ€den sei der Damm in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni zusammengebrochen, heiĂt es weiter. Dies sei in mehreren Etappen geschehen: ZunĂ€chst habe das Wasser den Damm im Bereich der geöffneten Ăberlauftore durchbrochen, daraufhin sei ein Teil der Hauptgeneratorhalle unter dem Druck des Wasserstroms eingebrochen. Zu Beginn des Jahres kam es laut der Organisation zu einem starken RĂŒckgang auf ein ungewöhnlich niedriges Niveau: gefolgt von einem ebenso starken Anstieg auf ein Rekordhoch im Juni 2023, was auf FrĂŒhjahrshochwasser und RegenfĂ€lle zurĂŒckzufĂŒhren sei. Bemerkenswert sei auch, dass die letzte Woche vor dem Dammbruch regnerisch gewesen sei. Auf diese Situation hĂ€tten bereits mehrere Veröffentlichungen aufmerksam gemacht. Im Februar 2023 habe das US National Public Radio (NPR) unter Berufung auf Satellitenbilder erklĂ€rt, dass Russland den Kachowka-Stausee trockenlegt, was eine Gefahr fĂŒr die Sicherheit des Kernkraftwerks "Saporischschja" sowie fĂŒr die Wasserversorgung mehrerer Siedlungen und landwirtschaftlicher Betriebe darstelle. Der Wasserstand hĂ€tte den niedrigsten Stand der letzten drei Jahrzehnte erreicht, so CIT. Die russischen Behörden, die diese StĂ€dte kontrollieren, hĂ€tten das Problem ignoriert. Im April habe Roman Tkachuk, Leiter der Abteilung fĂŒr kommunale Sicherheit der Kiewer Stadtverwaltung, erklĂ€rt, dass das Wasserkraftwerk Kachowka "nicht mit voller technischer KapazitĂ€t arbeitet", was die Aufrechterhaltung des Wasserstands im Fluss Dnipro erschwere und in Verbindung mit der Schneeschmelze und starken RegenfĂ€llen zu Ăberschwemmungen in Kiew gefĂŒhrt habe. Man sei der Meinung, dass die Schuld dennoch eindeutig bei Russland liege, selbst wenn es nicht durch vorsĂ€tzliche Sabotage zum Dammbruch gekommen sei, so das CIT. Das Land sei fĂŒr den Schutz der Infrastruktur des besetzten Gebiets verantwortlich. So sei der Unfall entweder durch kriminelle UntĂ€tigkeit allein (was nach russischem Strafrecht als vorsĂ€tzliche Handlung gelte) oder in Verbindung mit der Zerstörung der StraĂe, die durch den Damm fĂŒhrte, verursacht worden. Deren Schaden sei im November entstanden, als sich die russischen StreitkrĂ€fte vom rechten Ufer des Dnipro zurĂŒckzogen.
dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH


