Russland, USA

Trump fordert Bewegung von Kiew - Putin veranstaltet PR-Show

19.12.2025 - 03:56:25

Die US-Regierung verschĂ€rft bei den Verhandlungen ĂŒber Frieden in der Ukraine einmal mehr den Druck auf das angegriffene Land. Derweil prĂ€sentiert der Kremlchef im Fernsehen seine Sicht auf die Welt.

Die Ukraine gerĂ€t nicht nur an der Front, sondern auch auf diplomatischer Ebene weiter unter Druck. US-PrĂ€sident Donald Trump Kiew forderte das von Russland attackierte Land einmal mehr zu ZugestĂ€ndnissen gegenĂŒber dem Angreifer auf. Kremlchef Wladimir Putin hatte Trump zuletzt mehrfach fĂŒr dessen BemĂŒhungen um ein Kriegsende und das zunehmende VerstĂ€ndnis der US-UnterhĂ€ndler fĂŒr die russische Position gelobt. Heute dĂŒrfte Putin diese Position noch einmal in aller AusfĂŒhrlichkeit darlegen: In Moskau wird er seine traditionelle große Jahrespressekonferenz abhalten, kombiniert mit einer BĂŒrgerfragestunde.

Trump Ă€ußerte sich zu den GesprĂ€chen ĂŒber eine Friedenslösung, die an diesem Wochenende in Miami im US-Bundesstaat Florida fortgesetzt werden sollen. Die Verhandlungen nĂ€herten sich einer Lösung, sagte der Republikaner, «aber ich hoffe, dass die Ukraine sich schnell bewegt». Denn es gebe da ein Problem: «Jedes Mal, wenn sie (die Ukrainer) sich zu viel Zeit lassen, dann Ă€ndert Russland seine Meinung.»

Neben amerikanisch-russischen GesprĂ€chen soll es am Wochenende auch weitere Treffen zwischen UnterhĂ€ndlern der USA und Ukraine geben. «Am Freitag und Samstag wird unser Team in den USA sein», wurde der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj von der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine zitiert. US-Medien berichteten, Gesandte des Kremls und der US-Regierung wĂŒrden in Miami ĂŒber den Friedensplan sprechen, der zuletzt in Berlin von der Ukraine, ihren europĂ€ischen UnterstĂŒtzern und den USA weiterentwickelt worden war.

Trumps Ex-Sicherheitsberater warnt vor schlechtem Deal

Trumps frĂŒherer Sicherheitsberater John Bolton riet der Ukraine von ZugestĂ€ndnissen an Russland ab. «Selbst wenn man sich jetzt auf einen Deal verstĂ€ndigt, wĂŒrden die Russen in zwei, drei Jahren eben ein drittes Mal angreifen», sagte Bolton dem «Spiegel». «Das ist das strategische Dilemma, das Trump, sein Sondergesandter Steve Witkoff und (Trumps Schwiegersohn) Jared Kushner nicht verstehen. Sie wollen einen Deal. Es ist ihnen ziemlich egal zu welchen Bedingungen.»

Nach Ansicht Boltons wĂ€re es ein «enormer Fehler» der ukrainischen Seite, das Streben ihres Landes nach einer Nato-Mitgliedschaft im Gegenzug fĂŒr weniger verlĂ€ssliche Sicherheitsgarantien aufzugeben. Trump sei unzuverlĂ€ssig, seine Garantien außerhalb der Nato seien also nichts wert, warnte Bolton.

Putin wird seine Sicht auf den Krieg erklÀren

Im Gegensatz zu Bolton, der wegen harter Kritik an Trump bei seinem einstigen Chef in Ungnade gefallen ist, spricht man in Moskau in den höchsten Tönen vom US-PrĂ€sidenten. Und wĂ€hrend Selenskyj in aller Öffentlichkeit von Trump zurechtgewiesen und auch schon vor laufenden Kameras im Weißen Haus brĂŒskiert wurde, gibt sich der US-PrĂ€sident im Beisein Putins sehr viel zahmer und hĂ€lt sich auch sonst deutlich stĂ€rker zurĂŒck.

Bei seiner landesweit vom Fernsehen ĂŒbertragenen Jahrespressekonferenz und BĂŒrgerfragestunde lĂ€sst sich Putin heute von ausgewĂ€hlten Journalisten und BĂŒrgern ihre Fragen stellen. Erwartbare Themen sind die vielen Probleme des Landes, wie Armut, soziale MissstĂ€nde sowie Klagen ĂŒber mangelhafte Gesundheitsversorgung und fehlende Infrastruktur.

Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine steht die öffentlichkeitswirksame Veranstaltung auch im Zeichen des Krieges. Putin nutzt das TV-Format immer wieder, um sich als KĂŒmmerer und Problemlöser in Szene zu setzen. Im vergangenen Jahr dauerte die PR-Show knapp viereinhalb Stunden.

Selenskyj in Warschau

Parallel zu der Veranstaltung in Moskau wird der ukrainische PrÀsident Selenskyj in der polnischen Hauptstadt Warschau zu einem Treffen mit seinem Amtskollegen Karol Nawrocki erwartet. Es ist eine Begegnung mit Spannungspotenzial: Der seit August amtierende rechtskonservative Staatschef Nawrocki hatte im PrÀsidentschaftswahlkampf mit anti-ukrainischen Tönen Stimmung gemacht.

Beim ersten offiziellen Treffen der beiden StaatsoberhĂ€upter soll es nach Angaben von Nawrockis Sprecher um Fragen der Verteidigung, der Wirtschaft und der gemeinsamen Geschichte der beiden NachbarlĂ€nder gehen. Die Ukraine erhofft sich auch weitere militĂ€rische UnterstĂŒtzung. Gerade bei der Flugabwehr gibt es Defizite. Am Vorabend seines Treffens mit Nawrocki beklagte Selenskyj den Mangel an Flugabwehrraketen. Er bat die europĂ€ischen Partner um weitere Lieferungen, damit sich die Ukraine vor den stĂ€ndigen russischen Luftangriffen schĂŒtzen kann.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Kiewer Verhandlungschef: Ukraine-GesprÀche waren «produktiv». Morgen soll es laut Medien weitergehen. Russische Angriffe trotz US-Vermittlung: Warum die Ukraine GesprÀche nicht absagen kann und welche Rolle ein möglicher Gefangenenaustausch spielt. (Ausland, 04.02.2026 - 17:51) weiterlesen...

Merz will in Abu Dhabi nicht bei Ukraine-GesprĂ€chen vorbeischauen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will am Rande seiner Reise in die Golfregion nicht persönlich bei den Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland vorbeischauen, die am Mittwoch und Donnerstag in Abu Dhabi stattfinden.Im Mittelpunkt der Reise stĂŒnden andere Themen, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer am Mittwoch in Berlin auf Anfrage der dts Nachrichtenagentur. (Ausland, 04.02.2026 - 14:17) weiterlesen...

Ukrainer und Russen verhandeln in Abu Dhabi - USA vermitteln Russische Angriffe trotz US-Vermittlung: Warum die Ukraine GesprÀche nicht absagen kann und welche Rolle ein möglicher Gefangenenaustausch spielt. (Ausland, 04.02.2026 - 13:06) weiterlesen...

Ukraine-GesprĂ€che in Abu Dhabi begonnen Die zweite GesprĂ€chsrunde zwischen der Ukraine, Russland und den USA ĂŒber Auswege aus dem Ukraine-Krieg hat nach ukrainischen Angaben in Abu Dhabi begonnen. (Boerse, 04.02.2026 - 11:45) weiterlesen...

Ukraine-GesprĂ€che in Abu Dhabi begonnen. Im Fokus stehen Streitthemen – und russische Angriffe verschĂ€rfen die Lage vor Ort. In Abu Dhabi sprechen Ukraine, Russland und die USA erneut ĂŒber Wege aus dem Krieg. (Ausland, 04.02.2026 - 11:38) weiterlesen...

Hardt: Russland nutzt Ukraine-Verhandlungen fĂŒr Zeitgewinn Außenpolitiker der Regierungskoalition haben vor zu hohen Erwartungen an die nĂ€chste Runde der FriedensgesprĂ€che von Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi gewarnt."Russland zeigt durch seine bewussten Angriffe auf Kiews Energieinfrastruktur, dass der Kreml kein Interesse an Frieden hat, sondern den kalten Winter nutzt, um die Moral des ukrainischen Volkes zu untergraben", sagte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, JĂŒrgen Hardt (CDU), dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". (Ausland, 04.02.2026 - 07:16) weiterlesen...