Amtsenthebungsverfahren? Ermittlungen gegen Biden angeordnet
12.09.2023 - 20:12:45Die Republikaner im US-ReprĂ€sentantenhaus haben erste konkrete Schritte fĂŒr ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen PrĂ€sident Joe Biden eingeleitet. Der republikanische Vorsitzende der Kongresskammer, Kevin McCarthy, verkĂŒndete, er habe Ermittlungen fĂŒr ein Impeachment-Verfahren angeordnet. Es gebe glaubhafte Anschuldigungen, dass Biden an illegalen GeschĂ€ften seines Sohnes Hunter beteiligt gewesen sei. Dazu seien genauere Nachforschungen nötig.
Ob nach Ermittlungen tatsÀchlich ein Amtsenthebungsverfahren eröffnet werden könnte, ist offen. Nach aktuellem Stand haben die Republikaner ohnehin keine reelle Chance, Biden damit am Ende aus dem Amt zu drÀngen.
Die Republikaner haben derzeit die Mehrheit im ReprĂ€sentantenhaus und treiben seit Monaten Untersuchungen rund um FinanzgeschĂ€fte der Biden-Familie voran. «Es geht um VorwĂŒrfe des Machtmissbrauchs, der Verschleierung und der Korruption und sie rechtfertigen weitere Ermittlungen», erklĂ€rte McCarthy. «Deshalb weise ich heute unseren Ausschuss des Hauses an, formelle Ermittlungen gegen Joe Biden zu einem Amtsenthebungsverfahren aufzunehmen.»
WeiĂes Haus: «Extreme Politik der schlimmsten Sorte»
Der rechte FlĂŒgel der Partei hatte McCarthy seit lĂ€ngerem gedrĂ€ngt, ein solches Prozedere anzustoĂen. Bisher hatte er erklĂ€rt, nur nach einem formalen Votum im ReprĂ€sentantenhaus Ermittlungen aufnehmen zu wollen. Dass McCarthy nun im Alleingang ohne vorherige Abstimmung Ermittlungen anordnete, stieĂ auf Kritik aus dem WeiĂen Haus. Ein Sprecher der Regierungszentrale erklĂ€rte, der VorstoĂ zeige, dass McCarthy in seiner Partei keine UnterstĂŒtzung fĂŒr seine eigentlich geplante Abstimmung gefunden habe. «Extreme Politik der schlimmsten Sorte», kommentierte der Sprecher Ian Sams auf der Plattform X.
Um nach Ermittlungen am Ende tatsĂ€chlich ein Impeachment-Verfahren gegen Biden zu eröffnen, wĂ€re eine Mehrheit im ReprĂ€sentantenhaus nötig. Die Republikaner haben zwar eine knappe Mehrheit und stellen 222 der 435 Parlamentarier. Doch die Fraktion ist extrem zersplittert und mehrere moderate Republikaner Ă€uĂerten sich zuletzt kritisch zu einem solchen VorstoĂ.
Selbst bei einem Erfolg im ReprĂ€sentantenhaus hĂ€tte ĂŒber eine Amtsenthebung des PrĂ€sidenten danach die andere Kongresskammer, der Senat, zu entscheiden. Dort haben Bidens Demokraten eine knappe Mehrheit. Dass der PrĂ€sident am Ende schuldig gesprochen und des Amtes enthoben werden könnte, gilt daher bislang als ausgeschlossen.
Seitdem McCarthy im Januar erst im 15. Wahlgang zum Vorsitzenden des ReprĂ€sentantenhauses gewĂ€hlt wurde, muss er bei vielen Themen immer wieder Kompromisse zwischen den FlĂŒgeln seiner Partei verhandeln. Er steht unter groĂem Druck. Einige Parteirechte drohen auch damit, anstehende Haushaltsabstimmungen zu sabotieren, was womöglich zu einem Stillstand der RegierungsgeschĂ€fte fĂŒhren könnte.
Trump schimpft
Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump fordert seine Parteikollegen seit Monaten auf, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Biden anzustoĂen. Ende August schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social: «Entweder klagt ihr den Penner an oder ihr werdet in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Sie haben es uns auch angetan!»
WĂ€hrend Trumps Amtszeit hatten die Demokraten im Kongress gleich zwei Amtsenthebungsverfahren gegen ihn angestoĂen. Der Republikaner war der erste PrĂ€sident der US-Geschichte, der sich zwei solcher Impeachment-Verfahren im Senat stellen musste - eines wegen VorwĂŒrfen des Machtmissbrauches, eines wegen des gewaltsamen Sturmes seiner AnhĂ€nger auf das US-Kapitol. Er wurde damals in beiden FĂ€llen vom Senat freigesprochen, wo zu der Zeit seine Partei noch das Sagen hatte. Nun sind die MachtverhĂ€ltnisse genau umgekehrt.
Politische Rache gegen Biden?
Inzwischen lĂ€uft auĂerdem der Wahlkampf fĂŒr die nĂ€chste PrĂ€sidentenwahl 2024, bei der Biden und Trump antreten wollen. Trump ist mitten im Wahlkampf mit vier Anklagen in Strafverfahren konfrontiert - zwei davon im Zusammenhang mit seinen Versuchen, den Ausgang der PrĂ€sidentenwahl 2020 nachtrĂ€glich umzukehren.
All das bringt den Republikanern den Vorwurf ein, es gehe ihnen allein um politische Rache. Es sei der Versuch, Biden nach auĂen hin auf die gleiche moralische Stufe wie Trump zu stellen und ihn ebenfalls illegaler Machenschaften zu beschuldigen. Der oberste Demokrat im ReprĂ€sentantenhaus, Hakeem Jeffries, schrieb auf der Plattform X, die eingeleiteten Ermittlungen seien «illegitim» und verwerflich. «Es ist eine politische Rachetour, die jeder sachlichen oder verfassungsrechtlichen Grundlage entbehrt.»
Unklar ist ohnehin, wie sich ein mögliches langwieriges Amtsenthebungsverfahren auf die Wahlchancen der Republikaner im kommenden Jahr auswirken könnte. Als die Partei Ende der 1990er Jahre gegen den damaligen PrĂ€sidenten Bill Clinton wegen seiner AffĂ€re mit Monica Lewinsky ein Impeachment-Verfahren ansetzte, empfanden das viele WĂ€hler als ungerechtfertigt - und sie verhalfen dem Demokraten bei den Zwischenwahlen 1998 zu einem Ăberraschungssieg.


